Fortschritt | Bezahlen mit dem Handy: NFC-Chips machen es möglich

10.01.2012

Münzen hier, EC-Karten da, Kreditkarten dort - und meist fehlt genau das, was man gerade braucht. Doch Lösung ist in Sicht: Bezahlen mit dem Handy. "Near Field Communication", kurz NFC heißt die Technologie - wir stellen sie vor.

Einfach das Handy an den Sensor halten und alles ist bezahlt - dank NFC-Chip / Foto: © Nigel Treblin / dapd

An der Supermarkt-Kasse die Lebensmittel einpacken und parallel dazu im Portemonnaie nach Kleingeld oder EC-Karte kramen – dieses Szenario könnte bald der Vergangenheit angehören. Denn die Geldbörse von morgen soll gar keine Geldbörse mehr sein: der nächste Schritt ist das Bezahlen mit dem Handy.

Schnell und sicher soll das Ganze auch sein, denn das neue System funktioniert durch einfaches Vorhalten des Mobiltelefons. NFC (Near Field Communication) heißt die Technologie – Marcus Engert stellt sie vor:

Der Beitrag zum mitlesen:

Kennen Sie das: Gehetzt an der Supermarktkasse, alles schnell einpacken und dann noch im Portemonaie herumkramen nach Münzen oder EC-Karten? Das könnte demnächst der Vergangenheit angehören. Denn vielleicht nutzen wir bald unsere Handys zum Bezahlen: dank eines so genannten NFC-Chips. NFC steht für Near Field Communication – Nahbereichs-Kommunikation. Und zwar zwischen einem Chip und einem Bezahlgerät:

Es gibt verschiedene Themen, für die NFC prädestiniert ist. Ein Thema ist ganz klar der Bereich mobiles Bezahlen. Eben weil Near Field Communication im Vergleich zu anderen Funktechnologien als sehr sicher gilt. Ein weiteres Thema, was eng damit verbunden ist, ist das Thema Ticketing.

… erklärt Marc-Oliver Reeh vom Center for Near Field Communication Management der Leibniz Universität Hannover. Bezahlen mit einem technischen Gerät: Da schrillen bei vielen natürlich die Alarmglocken. Ein Chip auf dem mein Geld liegt – ist das auch wirklich sicher? Nochmal Marc-Oliver Reeh:

Bezüglich der Sicherheit hat NFC zwei konzeptionelle Vorteile. Der eine technische Aspekt ist, dass NFC nur über eine sehr kurze Distanz funktioniert. Das heißt: ich muss mein Handy wirklich an den Terminal halten, an das Gerät, auf den Zahlteller, wie auch immer auflegen – ansonsten kommt keine Verbindung zustande. Neben dem technischen Aspekt ist ein konzeptioneller Gedanke bei NFC, dass der Anwender jederzeit die Kontrolle über die ausgeführten Funktionen hat. Nämlich einfach dadurch, dass der Anwender sein Telefon bewusst an einen Bezahlterminal hält – und dieses Telefon natürlich auch jederzeit wieder wegziehen kann.

NFC geht also nur, wenn das Handy direkt am Lesegerät angelegt ist. Kriminelles und drahtloses Abbuchen aus der Ferne soll es damit nicht geben. Soviel zur Theorie. Wie NFC im Alltag, in der Praxis aussehen könnte, beschreibt der NFC-Experte Reeh am Beispiel „Reisen“.

Ich kann in Zukunft mit meinem Handy beim Einsteigen mit meinem Hand an einen Touchpoint gehen, halte mein Telefon dagegen, habe dann eine digitale Fahrkarte auf meinem Mobil-Telefon. Das kann der Schaffner abfragen. Und logge mich genau so an meinem Zielbahnhof damit wieder aus. Eine andere Möglichkeit im ÖPNV ist natürlich, dass ich beim Einsteigen in den Bus mein Telefon an so einen NFC-Reader halte, und die Rechnung kommt nachher eben per Post. Was auch noch Ticketing bedeuten könnte, wäre zum Beispiel das Thema Carsharing: dass ich mit meinem Handy ein Carsharing-Auto öffnen kann

Geschäftsführer des Center for Near Field Communication Management der Leibnitz-Universität Hannover.Marc-Oliver ReehGeschäftsführer des Center for Near Field Communication Management der Leibnitz-Universität Hannover. 

Und diese Reihe ließe sich fortsetzen. Eintrittskarten kaufen, indem man das Handy an ein Kino-Plakat hält. Schranken im Parkhaus öffnen oder Parkscheine bezahlen. Und ganz generell: die Kreditkarte im Alltag ablösen. So wird man auf dem NFC-Chip mehrere virtuelle Kredit- und EC-Karten einrichten können, und kann so auch mehrere Konten mit nur einem Handy verwalten.

Rein praktisch würde das alles genau so funktionieren, wie die Kartenlesegeräte heute: Handy ans Gerät halten, eventuell eine PIN eingeben, und gut. Nun stellt sich die Frage: wie bekomme ich diese schöne neue Bezahlwelt? Marc-Oliver Reeh mit zwei überraschend einfachen Wegen:

Eine Sache wäre natürlich, ein neues Telefon zu kaufen, das bereits einen NFC-Chip enthält. Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Sticker-Lösung. Das heißt, dass ich einen NFC-Chip auf mein Telefon klebe. Das kann ich außen machen, das kann ich auch innen einkleben. Und dieser Chip kommuniziert dann mit meinem Mobiltelefon und vor allem auch mit der Gegenstelle.

Günstige Materialkosten, leicht nachrüstbar – aber NFC hat ein Henne-Ei-Problem: Weil man noch nirgends mit NFC bezahlen kann, schafft sich niemand ein NFC-Gerät an. Und weil wiederum niemand so ein Gerät hat, stellt keiner die Lesegeräte auf. Doch die üblichen Verdächtigen bringen nun aber Bewegung ins Spiel: Google hat ein NFC-Bezahlsystem vorgestellt. Auch Apple arbeitet daran – die großen Mobilfunkanbieter ebenso. Und nicht zuletzt sehen Kreditkartenfirmen hier einen riesigen neuen Markt entstehen: die Kreditkarte 2.0 quasi. Denn mit jeder NFC-Abbuchung könnte auch eine kleine Gebühr fällig werden. Experten jedenfalls rechnen damit, dass Mitte des Jahres 2012 die Geräte kommen, und 2 bis 3 Jahre später das Geschäft mit NFC-rollt.