Fortschritt | Was kommt von der CeBIT?

12.03.2013

Sie ist eine der größten Computermessen weltweit - die CeBIT. In diesem Jahr ging es um "Teilen statt besitzen", um "Big Data" und das "Internet der Dinge". Wir sprechen über die wichtigsten Themen der diesjährigen CeBIT.

Die CeBIT zieht jährlich hunderttausende Besucher nach Hannover. Foto: © Nigel Treblin

Hannover ist eine recht beschauliche Stadt, doch jedes Jahr im März wird die niedersächsische Landeshauptstadt zum Mekka für Computerliebhaber. Fünf Tage öffnen die Messehallen in Hannover für die CeBIT – die weltgrößte Messe für Informations- und Kommunikations-Technologie. Was das technikaffine Herz begehrt, kann dort besichtigt werden – und natürlich gibt es auch viele Neuvorstellungen. In diesem Jahr steht die Messe unter dem Motto „Shareconomy“.

Was Shareconomy bedeutet, welche Impulse von der Messe ausgehen und ob das unseren Alltag verändern wird, darüber sprechen Christoph Dziedo und Marcus Engert im heutigen „Fortschritt“.


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Die Messe hatte ja ein Leitthema. „Shareconomy“ heißt das. Klingt kompliziert – worum geht’s dabei?

Es geht im Groben darum, dass nicht mehr jeder alles kaufen muss. Also: Ein Auto steht im Durchschnitt 23 Stunden am Tag still. Daraus hat sich die Idee entwickelt, Autos zu teilen: Carsharing. Das kennt man ja mittlerweile. Jetzt kann man das auch auf andere Sachen ausweiten: ich besitze zum Beispiel eine Bohrmaschine. Weil ich mal eine brauchte. Und ganz ehrlich: wenn die einmal im Jahr benötigt wird, ist es viel. Vielleicht braucht also jemand in meiner Stadt demnächst eine. Dann könnten wir über bestimmte Plattformen im Netz uns finden. Ich sag dann „Ich nehme einen Fünfer, dann kannste die mal einen Tag haben.“ Der sagt „Klasse, eine eigene Kaufen lohnt sich nicht.“ Das gänge auch mit einem Rasenmäher. Oder einem Scanner. Aber auch mit Arbeitskraft und Fachwissen. Oder auch: Zimmern, Unterkünften. „AirBnB“ ist da das bekannteste Beispiel, wo man unkompliziert Privatunterkünfte finden kann, die meist schöner und/oder billiger sind, als Hotels.

Übrigens soll das auch in den Business-Bereich hineinwachsen: so dass nicht nur Privatleute das untereinander machen, sondern dass da auch Firmen mitmachen.

Also: es geht beim Schlagwort „shareconomy“ ums Teilen von Ressourcen, von Gegenständen. Ob das alle wollen, ob man gewisse Sachen nicht auch nur selbst besitzen will – das spielt natürlich auch eine Rolle. Aber bei der Cebit geht man davon aus, dass dieser Bereich sich sehr deutlich entwickeln wird – und wir alle uns da noch stärker vernetzen werden.

Sind wir denn nicht alle ausreichend vernetzt?

Wir, also die Menschen, vielleicht schon. Wir nutzen diese Vernetzung ja auch aktiv, zum Beispiel für all das, was ich eben ansprach. Aber damit sind wir beim zweiten wichtigen Thema der Cebit: Industrie 4.0 – oder anders: dem Internet der Dinge. Industrie 4.0 meint dabei, dass es sich um die vierte industrielle Revolution handeln soll dabei: nach der Mechanik, dem Fließband, der Informationstechnologie eben jetzt: das sogenannte „Internet der Dinge“. Was sich dahinter verbirgt, hat uns Dieter Kempf erklärt, der Chef der BITKOM, also dess Branchenverbandes der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche.

Das Internet ist in dem Fall dann vom Internet der Menschen zum Internet der Dinge. Das heißt, es tauschen sich dann nicht mehr nur die Menschen auf dieser Internetplattform aus, sondern die Dinge nutzen nun die Internetplattformen um mit Menschen aber auch miteinander zu kommunizieren. Das kann man sich wiederum am besten im Bereich Automobil vorstellen, wenn die Autos miteinander kommunizieren würden, z.B. über den Straßenzustand des vorausfahrenden Autos – wenn der schon merkt, es ist glatt, dann wäre es ganz interessant, wenn er das dem hinter ihn fahrenden Auto mitteilen würde. (Dieter Kempf)

Und so kann man sich das auch mit vielen anderen Bereichen denken. Die Felge in der Autofabrik sagt Bescheid, wenn sie ans falsche Auto montiert wird. Oder mein Kühlschrank weiß, wann was alle wird. Und bestellt von selbst schonmal nach. Also: die Geräte geben Meldungen ab ohne unser Zutun.

Produziert das nicht eine Unmenge Daten?

Das wird es vermutlich tun. Und man wird sehen, welche Daten das sind – auch, wie wir diese Daten sicher und sinnvoll auswerten können. Und das wiederum ist das dritte große Thema auf der Cebit gewesen. Das Schlagwort „Big Data“.

Wie sich unsere Handys durch die Mobilfunkzellen bewegen. Was wir elektronisch bezahlen. Welche Schlagworte wir in Suchmaschinen suchen, oder in sozialen Netzwerken benutzen.

Das sind am Ende Daten, die sich statistisch nutzen lassen – für Marktforschung, für Soziodemographie, aber auch für Gesundheitsdienstleistungen.

Und das wiederum geht soweit, dass wir, du und ich, hier auch mit aktiv werden können. Also auch wir sollen, spielerisch quasi, mithelfen, solche großen Daten auszuwerten. Zum Beispiel gibt es Projekte, wo man Proteine und RNA zusammen puzzeln kann. Beim Projekt „Zooniverse“ haben die Nutzer Hunderttausende Bilder von Galaxien ausgewertet. Es gibt Projekte, wo man als Mitmacher regelmäßig beantwortet, wie es einem gesundheitlich so geht – und daraus lässt sich ableiten, wo und wie Epidemien entstehen.

Oder auch die Firma „reCaptcha“. Die gibt es schon ein paar Jahre. Die machen folgendes: manchmal, wenn man sich im Netz irgendwo anmeldet, muss man ja beweisen, dass man ein Mensch ist – und kein Computer, der jetzt hier Unfug anstellen will. Das tut man, indem man einen verzerrten Text entziffert. Und re-captcha zeigt uns nicht irgendein künstlich erzeugtes Bild hier – sondern Bilder, auf denen Wörter aus sehr alten Büchern sind. Die sind oftmals ausgefranst, schlecht gedruckt, oder in eigenartiger Schrift. Und so helfen Millionen von Menschen mit, ganze Bücher zu digitalisieren. Also: auch das alles Big Data.

Stichwort Daten: Vor nicht allzu langer Zeit haben noch alle darüber gesprochen, dass Daten in die Cloud wandern. Ist das schon wieder durch?

Absolut nicht. Das ist in vollem Gange und setzt sich immer mehr durch. Dieser Trend, dass wir Sachen, die uns wichtig sind, nicht mehr nur auf einer Festplatte speichern, die zuhause rumsteht. Oder einem Server, der in der Firma steht. Sagen wir zum Beispiel mal: das Manuskript für unser Gespräch hier gerade. Sondern dass das auf irgendwelchen dezentralen Servern liegt: wegen mir einem in Holland und einem in China. Das findet massenhaft statt, und hat unbestritten auch Vorteile. Weil die Daten eben weltweit verteilt sind, spricht man davon, dass die in der Cloud, in der Wolke sind – und genau das bringt Herausforderungen beim Thema Sicherheit mit sich, hat uns Sandro Gaycken erklärt, der sich an der FU Berlin mit Cybersicherheit beschäftigt.

Bei einigen Clouds, die jetzt nicht von großen Firmen gehostet werden, da kann es durchaus sein, dass die in Russland, Malaysia in China oder sonstwo stehen – die Server, die dann real die Daten enthalten. Das ist eigentlich jetzt erstmal nur der neue große Hype in der IT. Für die Unternehmen ist das natürlich attraktiv, das ganze jetzt outzusourcen, weil sie sich dann ihre eigene IT-Abteilung sparen können. Sie brauchen dann nur noch jemanden, der die Datenverbindung zur Cloud hält und den Rest von den Jungs können sie feuern. Für den Durchschnittsnutzer spricht, dass er sich Speicherplatz spart, da kann er dann extern speichern. Aber andererseits ist Speicher inzwischen so massenhaft und günstig verfügbar geworden, dass man genau diesen Vorteil technisch gar nicht braucht. (Sandro Gaycken)

So sieht das Sandro Gaycken, Experte für Cybersicherheit, das mit dem Cloud Computing. Das war 2011 das Leitthema auf der Messe. Und heute ist es ziemlich verbreitet. Ich denke, was Big Data Anwendungen betrifft, wird das ähnlich kommen. Bei der Shareconomy-Sache bin ich skeptisch: Carsharing, klar – aber ob ich ich wirklich jedem meine Bohrmaschine leihen will, ob Geschäftsreisende sich lieber Privatunterkünfte buchen, das muss man mal schauen.

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