Fortschritt | CB-Funk – Die Vorfahren von Skype, SMS, WhatsApp und Co.

04.06.2013

Wer vor ein paar Jahrzehnten mit Menschen vom anderen Ende der Welt in Kontakt treten wollte, hat nicht einfach zum Smartphone greifen können – damals hat man gefunkt. Heute ist Amateurfunk mehr ein Hobby – wird aber immer noch leidenschaftlich betrieben.

Mit solchen Radios konnten und können Funker in Kontakt treten. Entsprechende Ausrüstung vorausgesetzt, sind können Funksprüche auch um den ganzen Planeten geschickt werden. Foto: © Jason Shipps, flickr.com

Ex-Spitzenpolitiker Friedrich Merz, König Juan Carlos der I. von Spanien, Schauspieler Marlon Brando, Apple-Mitbegründer Steve Wozniak oder Handy-Erfinder George Sweigert. Sie alle haben eines gemeinsam: sie waren leidenschaftliche Funkamateure.

Mit Funkgeräten wie diesen hier sind sie mit den verschiedensten Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt getreten – vom Trucker zum Hausmann, vom Einsiedler bis eben zum spanischen König.

Technologie überholt Funkgeräte

Inzwischen hat die fortschreitende Technik dafür gesorgt, dass das Funken mehr und mehr zum Hobby wird. Anstatt zum Funkgerät greifen wir heute zu WhatsApp, SMS oder Facebook Messenger. Trotzdem setzen aber beispielsweise Polizei und Feuerwehr weiterhin auf Funk.

Warum Funken auch heute noch viele Menschen fasziniert, welche Ausrüstung man braucht und wie man sich am Funkgerät verhalten sollte, das haben wir Martin Köhler gefragt. Er ist Mitglied des Bundesvorstandes des Deutschen Amateur Radio Clubs.

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein Rufzeichen höre und das in mein elektronisches Logbuch eingebe, während ich mit demjenigen spreche, und dann zu sehen „Oh, es ist wieder ein neues Land“. – Martin Köhler, DARC


+++ Das Interview zum Nachlesen +++

Angenommen ich möchte in naher Zukunft mit dem Funken anfangen. Welche Ausrüstung brauche ich denn da um einzusteigen?

Zuallererst nicht unbedingt eine Ausrüstung, sondern im Gegensatz zum CB-Funk eine Amateurfunkgenehmigungsurkunde. Und die bekommt man nur, indem man eine Prüfung ablegt. Das ist der Unterschied zum CB-Funk. Denn der CB-Funk, das ist ganz wichtig, geht nicht immer weltweit. Alle 11-12 Jahre funktioniert das weltweit. Das hat mit der Sonne zu tun.

Wir Funkamateure können aber auf anderen Frequenzen weltweit zu jeder Zeit mit anderen in Kontakt treten. Dazu ist natürlich ein Equipement erforderlich, wie Sie gerade sagten. Aber das allerwichtigste ist, ich muss dazu eine Prüfung ablegen und bekomme ein individuelles Rufzeichen. In meinem Falle ist das „DL1DCT“. Daran erkennt jeder Funker auf dieser Welt, dass ich aus Deutschland bin. Und dieses Rufzeichen ist einmalig. Das gibt es also nur einmal, und das ist Martin Köhler.

hat schon 47 von 51 US-Bundesstaaten angefunkt.Martin Köhlerhat schon 47 von 51 US-Bundesstaaten angefunkt. 

Welche Regeln muss ich denn eigentlich beachten?

Die Regeln, die man ansonsten immer beachten muss. Wenn eine Frequenz belegt ist, hört man zu. Denn wir haben den großen Vorteil, dass wir natürlich ein Stückchen daneben drehen können oder ein anderes Band wählen oder weiter drehen. Einfach höflich sein, bevor ich anfange zum Beispiel zu Rufen und zu fragen „Is this frequency in use?“, „Ist diese Frequenz belegt?“ – und wenn ich keine Antwort erhalte, kann ich rufen und kann mich auch unterhalten. Das ist so die wichtigste Regel.

Die anderen Regeln sind uns durch das Amateurfunkgesetz vorgegeben. Das gibt es extra. Das ist eines der ältesten Gesetze bis vor kurzem, das es gegeben hat – von 1949. Jetzt ist es ein bisschen erneuert worden.

Wie viele Menschen teilen denn dieses Hobby in Deutschland und auch weltweit?

In Deutschland sind zur Zeit etwa 78.000 Rufzeichen vergeben. Das heißt nicht, dass alle 78.000 Menschen funken. Es gibt einige, die haben das und die lassen das Hobby ruhen. Das ist wie in vielen anderen Bereichen.

Weltweit sind das Millionen, die das betreiben. Wir schätzen etwa fünf bis sechs Millionen, die das weltweit machen, weil in jedem Land die Lizenzklassen unterschiedlich sind. Japan zum Beispiel hat alleine eine Million Funkamateure, aber die haben auch Frequenzen, die man außerhalb von Japan gar nicht hört. Aber insgesamt schätzen wir so um die vier bis fünf Millionen Funkamateure weltweit.

Der ehemalige Spitzenpolitiker Friedrich Merz war ja selbst Funkamateur. Steve Wozniak, der Mitbegründer von Apple, auch. Und selbst König Juan Carlos I. aus Spanien hat sich mal ans Funkgerät gesetzt. Worin liegt der Reiz, den das Funken ausmacht?

Der Reiz ist einfach durch einen Zufall: zunächst einmal alle Kenntnisse, die ich habe, vernünftig anwenden. Das heißt, wenn ich jetzt in diesem Moment mir überlege: „Ich würde gerne wissen wie das Wetter in Neuseeland ist“. Und wenn ich versuchen würde jemanden in Neuseeland zu erreichen, muss ich natürlich wissen, dass wir zwölf Stunden Zeitunterschied haben. Das heißt jetzt in diesen Moment wird in Neuseeland kein Funker unbedingt am Gerät sitzen, sondern im Bett liegen. Ich muss wissen auf welchen Bändern ich funken kann. Es gibt Bänder, die sind abhängig vom Tageslicht oder von der Nacht. Ich muss wissen, wenn ich eine drehbare Richtantenne habe – ich habe so etwas auf dem Dach – in welche Richtung ich die drehen muss. Und ich muss wissen auf welchen Frequenzen funktioniert das Ganze im Moment.

Also, das ist ganz viel, das ich wissen muss. Ich kann dann gezielt rufen. Ich mache das zum Beispiel, weil mir nur noch vier amerikanische Staaten fehlen. Dann habe ich alle amerikanischen Staaten zusammen, das heißt mit jedem Staat mindestens einen Kontakt gehabt. Also drehe ich meine Antenne Richtung Amerika, nachdem ich auf die Uhr geschaut habe, und gesagt habe, da könnten schon ein paar Leute jetzt von der Arbeit wieder zurück sein. Und dann rufe ich halt – ganz gezielt – „Only North America“ oder „West Coast“ oder „North Coast“ oder so. Ganz speziell, damit auch die Leute da wissen aus New York: „Nee, der meint nicht mich, sondern der sucht jemand aus einer anderen Ecke“. Mir fehlt Alaska noch, also werde ich ganz speziell meine Antenne in die Richtung drehen und versuchen jemanden in Alaska zu finden.

Jetzt werden wir mal ein bisschen sensibler. Ich habe gehört, dass man der Polizei und auch der Feuerwehr zuhören darf. Stimmt das denn?

Das stimmt.

Welche Vorteile oder welche Bedenken gibt es dabei?

Bedenken gibt es dabei, dass ich das, was ich zufällig höre, nicht an Dritte weitergeben darf. Es geht nämlich mehr um den Zufall. Ich darf das nicht unbedingt gezielt machen. Das ist das aller-, allerwichtigste. Ich muss also wirklich sagen, ich habe das so gut wie nie gemacht. Das einzige Mal ist, wenn ich ein Gerät repariert habe, wusste ich ja genau, das diese Frequenz, diese Polizeifrequenz, eine ganz sichere Frequenz ist. Da stimmt die Angabe. Ich weiß also ganz genau „auf der und der Frequenz senden die“. Und dann konnte ich meinen Sender einstellen. Ich wollte da nicht senden, sondern da ich habe den eingestellt, und dann wusste ich, wenn ich an meinem Knopf drehe und da oben drehe, dass die Frequenz stimmt. Dafür benutze ich das. Aber ansonsten – das ist heute vollkommener Quatsch da zuzuhören. In der Sprache, die da gesprochen wird, kriege ich eh kaum etwas mit. Dem kann ich nichts abgewinnen.

Sie haben vorhin schon gesagt, ihnen fehlen noch ein paar Staaten und dann haben sie alle Staaten der USA schon mal angefunkt. Aber gibt es eigentlich tatsächlich diesen Wettstreit jeden Staat der Welt einmal angefunkt zu haben?

Den gibt es. Ich bin jetzt auch dabei, nachdem ich im Vorruhestand bin, dies anzustreben. Das bedeutet natürlich, wie ich vorhin schon erwähnt habe, dass ich oft auch mal ganz früh aufstehen muss, um auch noch bestimmte Länder zu bekommen. Zur Zeit ist es so, dass es 330 Amateurfunkländer gibt, die sind nicht immer unbedingt identisch mit allen Ländern dieser Welt. Es gibt mitten im Atlantik irgendein Atoll, das wird als Land für Funkamateure gezählt. Das ist aber kein eigenes Land. Und das ist der Reiz das zu machen. Und das machen ganz ganz viele. Und dann kann man das auch noch in bestimmten Betriebsarten machen. Das man sagt, ich möchte jetzt alle Länder dieser Welt nur am Morgen machen, oder nur digital oder nur im Sprechfunk oder beispielsweise nur über Satellit. Sie wissen, wir haben eigene Satelliten. Also, auch das ist möglich.

Hat das denn schon mal jemand geschafft?

Das haben schon ganz viele geschafft. Das ist eine unglaublich harte Arbeit, das zu tun. Da liegt aber auch der Reiz drin. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein Rufzeichen höre und das in mein elektronisches Logbuch eingebe, während ich mit demjenigen spreche, und dann zu sehen „Oh, es ist wieder ein neues Land“. Und das macht immer wieder Spaß. Und meine Frau sieht mir das auch immer gleich wieder an: „Na hast du wieder ein neues Land gefunden?“ Man freut sich einfach. Das ist wie ein Briefmarkensammler, der eine Marke bekommen hat, die ihm noch fehlt.

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