Fortschritt | Digitale Heiz-Thermostate: Warm und effektiv – aber wie?

02.10.2012

Zu kalt? Heizung hoch! Zu warm? Fenster auf! - Das mag helfen, doch sehr effektiv ist ein solches Heizverhalten nicht. Spätestens mit der Nebenkostenabrechnung wird das klar. Digitale Thermostate können dafür sorgen, dass Temperatur wie Kosten angenehm bleiben.

Sie haben es schon gemerkt: Man tritt morgens vor die Tür tritt und kann den eigenen Atem sehen. Es wird immer frischer draußen. Und damit wird auch das Thema „Heizung“ wieder aktuell.

Viele reagieren am Heizkörper immer noch ziemlich reflexhaft. Ist es zu kalt, wird auf die 5 gedreht. Ist es zu warm, wird das Fenster geöffnet. Doch dieses ständige Hoch und Runter ist nicht sehr effektiv. Besser ist der Einsatz sogenannter Heiz-Thermostate.

Wobei die helfen und ob man dabei wirklich Geld spart, darüber sprechen wir mit Jens Hakenes von der Initiative „Energiesparclub“.

Zum Mitlesen: Jens Hakenes über digitale Heizthermostate

Heiz-Thermostate, was sind das überhaupt für Dinger, was können die?

Die kennt wahrscheinlich jeder aus seinem eigenen Haushalt, es gibt da ganz unterschiedliche Exemplare. Die, die am bekanntesten sind, sind die ganz einfachen Thermostatventile, die an jedem Heizkörper dran sind, die man einfach nach links aufdrehen kann und nach rechts wieder schließen. Die haben meistens eine Skala von eins bis fünf, haben noch so ein Frostschutzzeichen – das denk ich, ist in jedem Haushalt sehr gängig.

Dann gibt’s die Varianten, die ein bisschen mehr Sparpotential bieten, die nennen sich elektronische Thermostate oder programmierbare Thermostate – und die ermöglichen eben, bestimmt Profile zu programmieren. Da kann man eben dann eingeben, zu welcher Uhrzeit es wie warm sein soll in einem Raum, das birgt natürlich ein gewisses Sparpotential im Vergleich zu den manuellen, normalen Thermostatventilen, die man einfach immer selber hoch und runter drehen muss.

Jetzt muss ich ja im Winter ab und an trotzdem mal das Fenster aufmachen und stoßlüften – wenn ich das Heizventil selber drehen kann, regele ich das ja dann vorher runter. Geht das dann auch bei den programmierbaren Heizthermostaten oder muss ich das extra programmieren, dass ich das Fenster aufmache?

{info_1} Nein, das geht auch mit den programmierbaren Thermostatventilen, also das gibt’s verschiedene Funktionen. Es gibt zwei Versionen eigentlich dieser programmierbaren Thermostatventile – das sind einmal die einfachen Geräte und dann gibt es Funkgeräte, die noch mit einem entsprechenden Zubehör daherkommen, da gibt es dann beispielsweise auch den so genannten Tür- oder Fensterkontakt, den setzen Sie eben einfach an ihr Fenster und wenn das Fenster geöffnet ist oder auch die Tür zum Balkon, dann gibt’s eben ein Funksignal an das Gerät und das regelt dann automatisch herunter.

Bei den einfachen Ausführungen, also ohne diese Funkverbindung ist es so, dass die auch Themperaturabfälle erkennt, also das heißt, wenn die Temperatur durch ein geöffnetes Fenster plötzlich stark sinkt, dann erkennt dieses Gerät ein geöffnetes Fenster oder eine geöffnete Tür und regelt dann auch automatisch runter. Also das ist eine zusätzliche Funktion, wo man sich das manuelle Herunterdrehen dann auch sparen kann.

So ein Gerät kostet ja auch erstmal, ab wann rentiert sich denn eine solche Anschaffung?

Das kommt natürlich ganz stark auf das Nutzerverhalten an: Wenn Sie selber schon sehr diszipliniert sind und bei jeder Gelegenheit die Thermostate eben auch runterdrehen, also wenn Sie die Wohnung verlassen oder wenn Sie das Fenster öffnen, dann ist das Sparpotential sicherlich nicht so groß. Wenn Sie aber zu den Normalverbrauchern gehören, die das auch hin und wieder vergessen oder bisher noch gar nicht dran gedacht haben, dann ist da schon eine größere Ersparnis möglich.

Da variieren die Zahlen natürlich, also die Stiftung Warentest redet zum Beispiel davon, dass mit elektronischen Thermostaten zehn Prozent Ersparnis möglich sind, die Hersteller geben bis zu dreißig Prozent an. Aber wenn man mal von diesen zehn Prozent ausgeht, dann ist das eine Sache, die sich sehr schnell rechnet.

Ein Beispiel: Eine siebzig Quadratmeter Wohnung, die mit Heizöl beheizt wird, hat laut Heizspiegel Kosten für die Heizung im Jahr von durchschnittlich 890 Euro. Bei einer Ersparnis von zehn Prozent durch die programmierbaren Thermostate wären das eben ungefähr 89 Euro im Jahr, die man spart. Wenn ich eine siebzig Quadratmeter Wohnung, wie die meine nehme, die fünf Heizkörper hat, dann müsste ich für diese programmierbaren Thermostate fünf Stück an der Zahl à 15 – 20 Euro in der einfachen Ausführung – würde ich dort 100 Euro investieren, würde im ersten Jahr 89 Euro sparen – das heißt, das ganze könnte sich schon nach etwas mehr als einem Jahr auszahlen und das ist natürlich eine sehr sehr effektive Energiesparmaßnahme.

Aber so richtig verbreitet sind diese programmierbaren Thermostate ja nicht. Woran liegt das?

Ja, das ist nicht so ganz verständlich, muss ich sagen. Also wir haben vor einiger Zeit einen Test selber durchgeführt, wo wir Nutzer einfach mal gebeten haben, diese Geräte zu installieren und zu schauen, wie sie damit klarkommen. Ist vielleicht ganz ähnlich wie bei der Energiesparlampe. Die hatte auch in den ersten Jahren keinen besonders guten Ruf, durch das kalte Licht, und dadurch hat sie viele Nutzer wahrscheinlich erst mal vergrault.

Bei den programmierbaren Thermostaten war das ganz ähnlich. Die ersten Modelle waren noch relativ schwer zu programmieren, da war die Technik auch einfach noch nicht so weit. Mittlerweile lassen die Geräte sich sehr gut programmieren und funktionieren auch sehr gut. Es gibt sicherlich auch einige Modelle, die nicht so gut funktionieren, hat auch die Stiftung Warentest festgestellt, was es da für Unterschiede gibt. Aber generell ist mittlerweile so – das war auch die Erfahrung unseres Praxistests, das Nutzer damit sehr gut klarkommen.

Also wir haben das von 14 Haushalten testen lassen und 11 davon empfehlen die Geräte weiter. Nur bei dreien war es so, dass sie den Eindruck hatten, die Geräte seien zu kompliziert oder es gab eben Ausfälle bei den einzelnen Geräten. Aber die Mehrheit ist schon der Meinung, dass die mittlerweile sehr gut funktionieren. Also, es ist wahrscheinlich einfach ne Aufklärungsfrage und vielen Leuten ist auch das Sparpotential nicht klar. Also es gibt wahrscheinlich wenige Energiesparmaßnahmen, die sich in kurzer Zeit rechnen, wie eben elektronische Thermostate.

Jetzt liest man aber auch hin und wieder, dass die Frequenzen von Funkthermostaten durch Fernsehbilder usw gestört werden. Manche haben auch Angst vor Elektrosmog. Was ist denn an solchen Geschichten dran?

Also, das ist kein neues Thema, deshalb arbeiten die Hersteller da schon seit vielen Jahren dran. Und es gibt ja für die unterschiedlichen Technologien auch unterschiedliche Funkbereiche oder Funkfrequenzen. Also ich denke, dass das mittlerweile bei den meisten Geräten ausgeschlossen werden kann. Wer da unsicher ist, kann sich da bei solchen Testberichten wie von der Stiftung Warentest informieren und gucken, wo solche Dinge aufgetreten sind. Und im Zweifelsfall kann man die Geräte ja auch zurückgeben, also wenn man die installiert hat und stellt fest, es gibt Schwierigkeiten mit anderen Geräten, dann kann man die auch wieder tauschen, also kein großes Problem.

Und es gibt die Alternative auf Geräte zurückzugreifen, die diese Funktechnologie gar nicht nutzen. Das ist auch eine Kostenfrage: Die einfachen Geräte gibt es schon ab 15 Euro, also die ohne Funkzubehör und die Geräte mit Funkzubehör fangen da so bei 30 Euro an. Das ist dann aber nur das programmierbare Thermostatventil, das Zubehör kommt dann nochmal obendrauf. Das muss dann wahrscheinlich jeder für sich selbst entscheiden, wie wichtig dieses Funkzubehör ist.

Für wen ist denn eine Anschaffung von so nem Thermostat besonders interessant?

Also interessant ist das eigentlich für alle möglichen Verbraucher. Der Vorteil von programmierbaren Thermostaten ist, dass sie einfach mitgenommen werden können, also das heißt, es ist auch für Mieter interessant. Es sind auch keine riesigen Investitionen notwendig, die man dann auch nicht in eine neue Wohnung mitnehmen kann, oder übernehmen kann. Interessant ist es aber auch für Hausbenutzer, oder Hausbesitzer, die viele Thermostate haben, die sie immer alle runter drehen wollen, wenn sie tagsüber abwesend sind. Also das trifft eigentlich so die ganze Bandbreite der Verbraucher.

Es gibt aber auch einzelne Heizsysteme, bei denen das nicht funktioniert: Fußbodenheizung beispielsweise, bei Wandflächenheizungen, oder Gastetagenheizung mit elektronischer Regeleinheit; da sind programmierbare Thermostate nicht zu gebrauchen. Aber in den meisten Fällen mit ner Zentralheizung oder ner herkömmlichen Gasetagenheizung, die manuell zu regeln ist, wie es in den meisten Haushalten der Fall sein dürfte, sind die programmierbaren Thermostate auf jeden Fall ne interessante Option.

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