Fortschritt | DSL stößt an seine Grenzen – Glasfaser läuft nur stockend an

20.11.2012

DSL kommt immer öfter an seine Grenzen: die Netze sind schlicht ausgelastet, sagen Experten. Glasfaserkabel könnten helfen - doch in Deutschland kommt der Ausbau nicht in Gang.

Überprüfung von Glasfasern in der Produktion. / © Foto: Thomas Lohnes (dapd)

Kennen Sie das? Wenn Sie morgens online gehen, kommt Ihnen das irgendwie zehnmal schneller vor, als wenn Sie nachmittags online gehen? So paradox es klingt, aber: vielleicht ist dann bei Ihnen einfach die Leitung voll.

Denn das DSL-Netz ist, was die Datenübertragung betrifft, bald an seine Grenzen gelangt. Hoffnung verspricht der Ausbau mit Glasfaser-Kabel.

Doch genau der kommt nicht voran: Deutschland ist da in Europa auf dem letzten Platz.

Marcus Engert im Gespräch mit Katja Schmidt über die Hoffnungen, die in Glasfaserkabel gelegt werden.

Das Interview zum mitlesen

Die Berichte der Leute, die sich beschweren, dass bei Ihnen zuhause das Internet lahmt, mehren sich ja. Zumindest hat man den Eindruck. Mal so plump gefragt: ist das DSL-Netz wirklich voll?

Naja, voll im Sinne eines Wasserglases nicht. Aber was da durch muss, durch diese Netze, an Daten, das hat sich in den letzen 5 Jahren verdoppelt. TV schauen, youtube, facebook, Musik streamen – das sind natürlich viel mehr Daten, als früher. Da wird’s mitunter eng – und das ist auch keine Einbildung:

Das haben nicht nur die Technik-Experten beim Deutschen Bundestag festgestellt. Das Büro für Technikfolgenabschätzung dort sagt ganz klar: die Bandbreiten heute reichen nicht mehr für die Anwendungen morgen. Das haben auch die Verbraucher festgestellt. Da gibt es bei der Bundesnetzagentur immer mehr Beschwerden, dass die Bandbreite, die einem beim Vertragsabschluss versprochen wurde, gar nicht ankommt.

Nun kenn ich das aber von Bekannten zum Beispiel, dass die den gleichen Tarif oder Anschluss haben, wie ich. Und die haben dieses Problem nicht.

Das passiert immer dann, wenn sich viele Leute in einem Ballungsraum eine Leitung teilen – und gleichzeitig online sind. Heißt: wir merken das nicht unbedingt, wenn wir Mails schicken oder ein bisschen chatten. Aber wenns um größere Datenmengen geht, zum Beispiel beim Video anschauen. Oder wenn es in die andere Richtung geht, also: wenn wir mal etwas HOCHladen wollen. Da merken immer mehr Leute, dass das hakt.

Und das hängt damit zusammen, wie dieses Netz gebaut ist. Selbst wenn die Datenpakete extrem schnell durch die Leitungen durchgehen – am Ende steht bisher immer eine Verteilstelle. Und die sind der Engpass.

Und da spielt es auch eine Rolle, wie weit dein Haus von dieser Verteilerstelle entfernt. Je weiter der Kasten weg ist, desto öfter wird es bei die stockeln.

Wie funktioniert Glasfaser denn?

Also, wenn man schnelle Internet zuhause will, gibt es einmal den Weg, das über ein Kabel zu lösen. Die allerallermeisten, also über 90%, machen das über das Telefonkabel. Das ist dann halt das Kupferkabel, dass ans Haus führt.

Man kann den Internetanschluss auch übers TV-Kabel kommen. Oder ganz ohne Kabel: via Satellit oder LTE; dem neuen schnellen mobilen Internet. Das ist aber beides ziemlich teurer und daher meistens nur dann eine Option, wenn kein Kabel verfügbar ist.

Glasfaser ist jetzt bei all diesen Varianten die schnellste.

Was genau kann Glasfaser besser als die anderen Varianten?

Glasfaser schickt keine elektrischen Signale durch die Leitung, sondern optische. Also Licht. Und weil die Lichtsignale nahezu verlustfrei da durchgehen, ist das nicht so störanfällig. Und viel schneller – Licht ist ja sehr schnell.

Wenn wir das mal mit einem Kupferkabel vergleichen: Das bringt im besten Fall DSL 16000. Das heißt: 16 Mbit pro Sekunde. Und Glasfaser bringt bis zu 200 Mbit pro Sekunde. Also mehr als das zehnfache.

Jetzt hast du schon erklärt, dass in Deutschland der Glasfaser-Ausbau so richtig nicht in Gang kommt. Machen andere Länder das denn besser?

Die Zahlen sehen zumindest so aus. Litauen ist ganz vorn: mit 30% Anschlussquote. Norwegen hat 18%, Schweden: 14,5% – und Deutschland: nicht mal ein halbes Prozent!

Und das ist natürlich ein heftiger Standortnachteil, was zukunftssichere Technologien und Industrien betrifft. Schnelle Datengeschwindigkeiten gelten als Schlüsselfaktor für neue Dienstleistungen von morgen. Kurzum: wenn das DSL-Netz weiter und weiter an seine Grenzen gerät, dann ist das nicht nur nervig für uns zuhause – sondern dann gefährdet das auch den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Wann wird’s denn besser bei uns?

Die jüngsten Nachrichten lassen da leider ahnen, dass das noch eine Weile dauert. Die Telekom wollte eigentlich mal bis Ende dieses Jahres 10 % der Haushalte mit Glasfaser versorgen. Wie gesagt, wie haben jetzt knapp ein halbes Prozent. Die Telekom sagt, das sei halt alles sehr aufwendig und vor allem teuer.

Die Bundesregierung eiert leider auch nur rum. Man wolle sich da nicht nur auf eine Technologie festlegen, heißt es dort.

Und was wir auch immer wieder sehen: die großen Kabelnetzbetreiber kriegen halt eines auf den Deckel, wenn sie langfristige, teure Investitionen tätigen. Von Ratingagenturen zum Beispiel, oder von Investoren. Dort wertet man die Gesellschaften halt ab, wenn sie mit dem Glasfaserausbau beginnen – weil der natürlich erstmal wahnsinnig teuer ist. Das mittel- und langfristige Potential geht dann oft unter. Und darum ist zum Beispiel die Telekom umgeschwenkt: deren Strategie heißt jetzt „erst verkaufen, dann bauen“. Und da müssen viele Eigentümer von Häusern und Grundstücken erst noch überzeugt werden. Trotzdem: die Telekom und andere Betreiber haben erklärt, dass sie ordentlich in diese Technologie investieren wollen. Mal sehen, wie schnell das geht…

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