Fortschritt | Lichtmangel im Herbst und Winter: Können Tageslichtlampen helfen?

09.10.2012

Im Herbst und Winter bekommt der Körper zu wenig Licht - und das hat Folgen. Nicht nur, dass man sich matt und müde fühlt. Auch das Einschlafen abends gelingt oft nur schwer. Schuld sind auch unsere Lampen.

Jetzt kommen wieder die Tage, wo man abends im dunklen nach Hause kommt. Es ist Herbst. Und die das heißt auch: die Tage werden kürzer.

Das Problem dabei: Viele Menschen werden tagsüber nicht richtig wach und abends nicht richtig müde. Schuld daran sind nicht selten: unsere Lampen. Denn unser Körper reagiert auf das Licht um ihn herum – ob wir wollen, oder nicht.

Was dabei das Problem ist, warum Computer das ganze mitunter noch schlimmer machen und ob bzw. wie Tageslichtlampen helfen können, das besprechen wir heute im «Fortschritt»:

Was bringen Tageslichtlampen? Das Gespräch zum mitlesen

Kaum wird’s Herbst und Winter, kommt der Winterblues. Die Lust auf Schlafen. Und im Büro sind alle etwas langsamer. Und das soll am Licht liegen. Wie kommt denn das?

Das ist schon richtig so. Unser Körper hat sich einige Millionen Jahre Zeit genommen, um das so hinzubekommen. Und hat sich damit eben an den Lauf der Sonne angepasst. Morgens geht’s los, da haben wir schwache und rötliche Beleuchtung. Mittags wird das Licht nicht nur heller, sondern auch blauer. Und nachmittags sinkt dann die Farbtemperatur des Lichts wieder.

Und wenn das passiert, wenn das Licht abnimmt, dann reagiert in unserem Gehirn die Zwirbeldrüse. Die schüttet Melatonin aus, das ist ein Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert.

Das heißt aber auch: Licht ist nicht gleich Licht?

Absolut! Morgens ist es eben mehr rötlich, tagsüber mehr blau. Unsere Lampen bilden das nach. Aber sie bilden eben meistens nicht das Tageslicht nach, sondern andere Lichtfarben. Im Winter heißt das also: wir bekommen weniger Tageslicht. Und das hat zur Folge, dass unser Melatoninspiegel auch tagsüber hoch bleibt. Weniger Sonnenlicht bedeutet auch weniger Serotonin, das ist das „Glückshormon“. Und so kommt es eben, dass wir im Herbst und Winter oft matt oder irgendwie bedrückt sind.

Nun sind wir ja nicht nur tagsüber matt. Sondern auch das Einschlafen abends fällt vielen dann schwerer. Wie ist das denn zu erklären?

Das liegt eben an diesem verschobenem Hormonhaushalt. Je nachdem, wo wir den Tag verbringen, wird das nicht gerade besser. In Großraumbüros oder Fabrikhallen zum Beispiel, wo das ganze Jahr Leuchtstofflampen für künstliches Licht sorgen, beobachten wir die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit eigentlich das ganze Jahr. Weil die Beleuchtung dort fast nie auf Tageslichtniveau eingestellt ist. Der Körper fährt quasi, wenn man so will, gar nicht erst richtig hoch. Und damit eben auch abends gar nicht richtig herunter.

Das heißt: einfach Tageslichtlampen ins Büro oder auf den eigenen Schreibtisch, und vorbei ist die Herbstmüdigkeit?

Schön wäre es. Was unsere Fitness am Tag und unsere Leistungsfähigkeit betrifft, reicht das, ja.

Aber die Schattenseite ist: es ist fast unmöglich, nach dem Arbeiten unter einer Tageslichtlampe ins Bett zu gehen. Unsere innere Uhr geht dann einfach noch davon aus, dass hellichter Tag ist. Das heißt: wenn ich unter einer Tageslichtlampe gearbeitet habe, danach noch eine Weile in wärmeres Licht setzen, oder ne Runde spazieren gehen. Dann sollte das mit dem Einschlafen besser klappen.

An der Stelle übrigens auch gefährlich: Monitore! Computer, Laptops, Tablets, der Fernseher – Kaltes Licht wird hier nämlich als besonders scharf und brilliant empfunden. Mit anderen Worten: Auch die machen bläuliches Licht mit Tageslichtcharakter. Das, plus die Tatsache, dass die Bildschirme gern mal viel zu hell eingestellt sind, signalisieren dem Hirn ebenfalls: es ist heller Tag. Wer also nicht schlafen kann, und dann noch ne Weile chattet oder herumsurft, machts eigentlich nur schlimmer.

Was heißt das für mich, beim Lampenkauf?

Dass man sich überlegen muss: welche Lampe will ich kaufen? Wo soll die stehen? Wann will ich die benutzen? Und da dann auf die Farbtemperatur und auf die Farbtreue achtet. Die Farbtemperatur wird in Kelvin angegeben, und zeigt die Farbanteile im Licht:

  • 2.700 Kelvin – rötliches, sog. Warmton-Licht – gut zum Einschlafen und Entspannen
  • 4.500 Kelvin – in der hellen Jahreszeit ab ca. 9 Uhr erreicht
  • 6.500 Kelvin – Tageslicht – ab 5.300 Kelvin spricht man von einer „tageslichtweißen“ Lichtfarbe
  • 9.300 Kelvin – blaues, kaltes Licht, wie es besonders scharf Monitore abstrahlen

Also: im Wohnzimmer und Schlafzimmer will ichs gemütlicher, da ist dann eher gelbes, leicht rötliches Licht gefragt.

Es gibt doch auch diese großen Tageslicht-Lampen für zuhause. Was ist denn von denen zu halten?

Ja, die werden auch manchmal Lichtduschen genannt. Das sind großflächige, organisch geformte Lampen, die fast schon wie eine Skulptur aussehen. Die kann man in die Ecke eines Zimmers stellen, oder auf den Nachttisch. Und die strahlen dann eben großflächig Tageslicht ab.

Das ist durchaus sinnvoll. Zum Beispiel, weil man die morgens auch auf eine Zeit programmieren kann. Dann simulieren die einen Sonnenaufgang, das Hirn merkt: Tageslicht, Melatonin geht runter, Seroton geht hoch – wir sind wach und happy.

Das wird auch oft als Teil einer Lichttherapie eingesetzt. Zum Beispiel bei der Behandlung einer saisonal abhängigen Depression (was wir manchmal so beiläufig Herbst- oder Winter-Blues nennen) oder einer Verstimmung. Die sind aber mit 60 bis fast 200 Euro auch nicht ganz billig.

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