Fortschritt | Lohnt sich eine Handyversicherung?

17.12.2013

Es ist klein, mächtig, nützlich - und meistens auch nicht billig: das Smartphone. Gegen Diebstahl, Herunterfallen und andere Schäden gibt`s spezielle Handy-Versicherungen. Ist das Geld sinnvoll investiert?

weiß, worauf man bei Versicherungen achten muss.Michael Sittigweiß, worauf man bei Versicherungen achten muss. 

 Ins Wasser gefallen, mit dem Glas auf dem Boden gelandet – oder ein Totalschaden zwei Tage nach Ablauf der Zwei-Jahres-Garantie. Alles Gründe, warum man sich für eine Handyversicherung entscheiden könnte.

Selbstverschulden, ein zu altes Handy, nicht unser Zuständigkeitsbereich: alles Gründe, warum sich eine Versicherung schon einmal weigert, für den Schaden aufzukommen.

Mit „Dusselschutz“ oder ohne?

Lohnt sich da überhaupt so eine Handyversicherung und was sollte die maximal kosten? Darüber haben wir mit Michael Sittig von Finanztest gesprochen.

Darauf achten, dass ich auch wirklich ein Ersatzgerät bekomme, wenn es mal zum Totalschaden kommt.


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+++ Das Gespräch zum Mitlesen +++

Unter den Weihnachtsbäumen werden dieses Jahr wieder unzählige Smartphones liegen, die kosten gerne mal 500, 600 oder sogar 800 Euro und sie fallen gerne runter, werden gerne geklaut oder auch gerne mal vergessen. Das haben natürlich auch Versicherer erkannt und bieten schon eine Weile spezielle Versicherungen für Smartphones an. Lohnen die sich? Das hat sich auch Finanztest gefragt, dort arbeitet Michael Sittig und mit dem können wir darüber sprechen, einen schönen guten Tag, Herr Sittig, Hallo.

Hallo.

Was ist denn bei diesen Handyversicherungen mit versichert eigentlich?

Es gibt die letzlich in zwei Varianten. Einmal die umfassende Variante, da bin ich geschützt wenn das Handy nicht mehr funktioniert, wenn es gestohlen wird oder wenn ich dusselig war, ich nenne das mal „Dusselschutz“, und ich habe es runterfallen lassen und es geht deswegen kaputt. Das ist die umfassendere Variante. Und es gibt die abgespeckte Variante, es funktioniert einfach nur nicht mehr und ein Mangel am Gerät zeigt sich und dann wird mir entweder das Gerät repariert, oder ich bekomme Geldersatz oder ein Austauschgerät.

Also wir halten fest: umfassendere Variante ist mit Dusselschutz, die normale Variante ohne Dusselschutz.

Genau.

Sind das nicht Sachen, die eine Hausrats-, oder Haftpflicht-, oder Diebstalschutzversicherung auch theoretisch mit absichern könnte?

Teile davon fallen auch in die Hausratsversicherung, sodenn man eine hat. Zum Beispiel, wenn ich das Handy zuhause liegen gelassen habe und es wird dann bei einem Einbruchdiebstal gestohlen, dann wäre es auch über die Hausrat versichert. Es wäre auch über die Hausrat versichert, wenn ich unterwegs einem Raub zum Opfer falle, also mit Gewalt mir etwas gestohlen wird. Das ist aber Gott sei Dank selten der Fall, aber dann wäre ich auch über die Hausrat versichert. Wird es einfach nur aus meinem Rucksack gestohlen, während ich in der S-Bahn stehe, dann wäre das kein Fall mehr für die Hausrat.

Und auch halt, wenn es mir draußen runterfällt, fällt das auch nicht mehr unter Hausrat usw. …

Die Hausrat versichert mir sowieso nicht die Fälle, die mir wegen meiner Dusseligkeit passieren. Also insofern wäre auch da die Hausrat nicht der Ansprechpartner.

Und wie gut ist die, sagen wir mal, Zahlungsmoral der Versicherungen? Zahlen die dann anstandslos, wenn wirklich mal etwas passiert oder haben die sich da etwas?

Da liegen mir jetzt keine empirischen Kenntnisse vor, aber das Problem bei den Versicherungsprodukten mit Diebstalschutz ist oft, dass im Kleingedruckten, das wird am Anfang, wenn man das Produkt abschließt natürlich nicht so offen gesagt, da steht im Kleingedruckten: der Diebstahlschutz ist ein kleines bisschen reduziert, nämlich der einfache Diebstahl ist oftmals gar nicht abgesichert, sondern nur der Diebstahl, wenn ich die Sache am Körper hatte oder überhaupt gar nicht aus den Augen gelassen hatte. Ich mache mal ein Beispiel: Ich hatte vor Jahren einen Fall, da hatte ein junger Mann eben das Handy im Rucksack und stand in der S-Bahn, und hatte den Rucksack auch zu, und ja, da wurde ihm das Handy aus diesem Rucksack gestohlen und es kam auch zum Prozess und der Versicherer hat auch nicht gezahlt, und da sagte das Gericht, laut Bedingungen ist dieser Fall eben nicht mit abgesichert. Weil der Versicherungsnehmer, der Junge in diesem Fall, verpflichtet war, sich mehr um das Handy zu kümmern, also besser aufzupassen. Und erst, wenn es unter diesen Bedingungen dann gestohlen wird, muss die Versicherung mit einspringen. Soll heißen, nur ein ganz kleiner Bereich der möglichen Diebstähle ist mit abgesichert. Also meine persönliche Meinung, wenn ich eh schon verpflichtet bin, oder eh schon sehr doll drauf aufpasse, brauche ich vielleicht auch gar nicht diesen Diebstahlschutz.

Wie schaut es denn aus bei Gebrauchtgeräten? Wird da irgendwie Wert auf den Zeitwert gelegt, sozusagen, auf das, was das Gerät noch wert ist von Seiten der Versicherung aus oder wie wird das Ganze eingeschätzt?

Die Zeitwertproblematik taucht eigentlich unabhängig von Neuware oder Gebrauchtgerät auf. Das Problem ist häufig, wenn die Versicherung sich vorbehält, das Opfer, den Geschädigten, mit Geld abzuspeisen, dann bekomme ich nicht das Geld wieder, um mir, nehmen wir mal an, ich habe für 500 Euro ein Handy gekauft und es wird mir dann gestohlen, dann bekomme ich nicht die 500 Euro wieder, sondern das, was das Handy noch wert war, als es mir gestohlen wurde. Und man kann das ja beobachten, der Wert von Handys, der sinkt rapide im Laufe der Jahre und wenn ich ein teures Smartphone nach drei Jahren gestohlen bekomme, ist das nur ein Bruchteil von dem Wert, den das Handy mal hatte und den bekomme ich ersetzt. Und dann bekomme ich statt 500 nur noch, sagen wir 200 Euro, und mit diesen 200 Euro muss ich mir dann ein billigeres Gerät kaufen oder eben wieder das drauflegen, um das alte Gerät zu bekommen. Also insofern muss man auch da die Erwartungen an das Produkt herunterschrauben. Also das ist kein Allheilmittel. Man kann das abschließen, aber es sind keine Seeligmacher, diese Handyversicherungen.

Über welche Kosten reden wir hier eigentlich?

Da gibt es auch die unterschiedlichsten Produkte. Von monatlichen Beiträgen bis zu Pauschalbeitragen für vier bis fünf Jahre. Ich hatte 2012 bei uns im Heft mal ein Beispiel gemacht, über ein Handy, das über einen großen Internethändler gekauft wird, und dort hat dann der Schutz, also der umfassende Schutz mit Diebstahlschutz 120 Euro gekostet, für ein Gerät, das 580 Euro gekostet hatte. Also ganz schön happig. Und wenn man dann noch die Einschränkungen, die bei dem Produkt existieren mitsieht, muss man sich schon sehr gut überlegen, ob man auf die 580 Euro noch mal 120 Euro drauflegt.

Sie haben ja schon gerade eben das Thema Kleingedrucktes angesprochen, mit dem Beispiel, Handy aus Rucksack gestohlen. Worauf sollte man als potentieller Kunde einer Handyversicherung drauf achten?

Also, den Diebstahlschutz würde ich mir sehr gut überlegen, ob ich den abschließe. Ich habe noch keine wirklich tollen Vertragsbedingungen gesehen, was den Diebstahlschutz betrifft. Bei den anderen Fragen, also bei der Frage: bekomme ich, wenn es gar nicht mehr funktioniert, weil sich ein Mangel zeigt, der das Handy komplett funktionsunfähig macht. Was das betrifft, gibt es Versicherungen die sagen: wir reparieren es entweder, oder wenn es nicht mehr zu reparieren ist, bekommst du von uns ein Ersatzgerät gestellt, auf dem Qualitätsstandard des Alten. Ich habe dann also am Ende des Tages wieder ein Handy in der Hand, das das kann, was das Alte konnte. Das sind denke ich die guten Produkte. Die schlechten Produkte, da steht dann in dejn Versicherungsbedingungen: wir können dich Kunde auch mit Geld abspeisen und dann fang du was mit den 200 Euro an. Da könnte man natürlich drauf achten, den Verkäufer auch fragen, der mir auch gleichzeitig die Versicherung verticken will: was ist denn im Falle des Totalschadens, was bekomme ich dann? Bekomme ich dann auf jeden Fall ein Ersatzgerät oder die Sache repariert. Und wenn er dann sagt: Nee, wir haben auch die Möglichkeit, dich mit Geld abzufinden, dann würde ich sagen, ist das eher ein nachteiliges Produkt.

Eine Sache haben wir noch gar nicht angesprochen. Wie schaut es denn aus mit Bedrohungen moderner Natur, also Viren oder Datenverlust. Ist das auch versichert?

Da habe ich jetzt aktuell gar keine genauen Kenntnisse. Aber ich glaube, das ist ausgeschlossen, diese Schäden. Für die Versicherer auch nicht zu kalkulieren. Also, insofern denkbar, dass es in den meisten Produkten mit ausgeschlossen ist.

Dann zum Schluss, Herr Sittig, geben Sie uns doch einfach mal ein Fazit. Handyversicherungen ja oder nein und dann, warum.

Die umfassenden Produkte, also Diebstahlschutz plus Dusselschutz, sind teuer und zum Teil mit Einschränkungen versehen. Da wäre ich skeptisch. Die abgespeckte Variante, also über die zweijährige Gewährleistungszeit hinaus, Reklamationen beim Händler, also diese Garantieprodukte, unter Umständen da aber auf den Preis achten und wirklich darauf achten, dass ich ein Ersatzhandy bekomme, wenn es mal zu einem Totalschaden kommt.

Also, wer ein Smartphone verschenkt oder geschenkt bekommt, sollte sich das dann vielleicht besser zweimal überlegen. Wir haben über spezielle Versicherungen für Handys gesprochen, heute im Fortschritt, und zwar mit Michael Sittig von Finanztest bei der Stiftung Warentest. Danke für das Gespräch.

Gerne doch!