Fortschritt | Wie gut ist mein Internetanschluss?

02.04.2013

Bekomme ich wirklich die Internetgeschwindigkeit, für die ich bezahle? Drosselt mein Internetanbieter manche Anwendungen? Dazu führt die Bundesnetzagentur derzeits Tests durch, bei denen jeder mithelfen kann. Ob das Klärung bringen kann: wir fragen nach.

Netzneutralität bedeutet, dass Provider alle Datenpakete mit derselben Priorität behandeln: Telefonie, Videos, Musik, ... Ob das auch künftig eingehalten wird, ist fraglich. / Foto: © Philipp Guelland/ddp



Zum Wohlfühlen zu Hause gehört er mittlerweile dazu, wie Strom, Wasser und Heizung: der Internetanschluss. Schnell und zügig soll er sein – und sicher. Egal ob für Musik oder Videos, Filme oder Mails, Shopping oder Online-Banking. Der Provider soll alle Datenpakete gleich schnell durch die Leitung schicken – egal was drin ist. „Netzneutralität“ heißt dieses Prinzip.

In jüngerer Zeit mehren sich allerdings die Meldungen und Gerüchte, wonach die Provider sich hieran nicht halten. Das sorgt bei vielen Kunden für Unsicherheit. Nicht zuletzt deshalb, weil sogenannte „Speedtests“, also Geschwindigkeitstests da für Misstrauen gesorgt haben – weil sie gezeigt haben, dass oftmals nicht die gebuchte Geschwindigkeit daheim ankommt. Ist es bei der Geschwindigkeit für den Kunden aber noch relativ einfach, das nachzuprüfen, wird’s bei der Netzneutralität schon schwieriger.

Beide Fragen – wie schnell der Internetanschluss arbeitet und ob er alle Arten von Daten gleich behandelt – hat sich auch die Bundesnetzagentur vorgenommen. In der Initiative Netzqualität will sie den Providern auf den Zahn fühlen – und wir alle können und sollen mitmachen dabei. Wie, das erklärt uns Rudolf Boll von der Bundesnetzagentur.


Das Interview zum Mitlesen

Hallo, Herr Boll.

Hallo nach Leipzig.

Die Initiative heißt Netzqualität, was genau verbirgt sich denn hinter diesem Begriff?

Im Endeffekt kann man über die Website dieser Initiative zwei Tests machen, die für den Verbraucher sinnvoll sind, aber auch für uns, die wir dann diese Ergebnisse bekommen. Und zwar geht es einmal um einen reinen Schnelligkeitstest. Da kann der Verbraucher schauen, wie schnell tatsächlich die Daten transportiert werden. Das kann von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich sein und auch von der Technologie, die benutzt wird. Das gibt der Verbraucher jeweils an und auch, welche Bandbreitenklasse er quasi gemietet hat. Und vor allen Dingen gibt er auch seine geographischen Daten ein, dass man sehen kann, gibt es da eventuell eine Verschiebung zwischen Stadt und Land. Gibt es da ein Gefälle oder ist das unerheblich.

Auf der anderen Seite gibt es dann eben die Möglichkeit, auch noch die Netzneutralität zu messen. Und sie haben schon richtig gesagt: Dabei geht es im Endeffekt um die Gleichbehandlung aller Daten im Netz. Und dieser Test ist etwas umfangreicher. Er dauert dementsprechend auch länger, der dauert über sechs Minuten. Da sollte der Verbraucher also nicht irritiert sein, wenn das ein bisschen länger dauert. Und dabei geht es im Endeffekt um einen vergleichenden Test. Und zwar wird normalerweise über den HTTP-Standard etwas heruntergeladen. Diesmal wird ein anderer Standard gewählt, Bitcurrent, wie sich der nennt. Das ist aber für den Verbraucher eigentlich unerheblich, welcher Standard es ist. Aber wenn die Daten tatsächlich neutral übertragen werden, dürfte es zwischen diesen beiden Standards nicht zu einer zeitlichen Differenz kommen.

Die este Testwelle, in der es ja um die Geschwindigkeit geht, die ist ja schon durch. Jetzt gab es vergangene Woche schon die Diskussion um die Telekom, die drosseln will. Was ist denn bei Ihnen rausgekommen? Können Sie schon sagen, ob denn die Provider drosseln?

Im Endeffekt geben wir die Testergebnisse zu einem späteren Zeitpunkt bekannt. Aber da geht es eigentlich nicht um die Drosselung, sondern erstmal überhaupt: Sind die Übertragungsraten, die von den Unternehmen angeboten werden, immer sogenannte „bis zu“, überhaupt so ausgelegt, dass diese „bis zu“-Datenraten tatsächlich erreicht werden. Also häufig geht’s dann bis zu 16 Megabit pro Sekunde, wird dann angeboten. Und da ist es natürlich für den Verbraucher auch interessant zu sehen: Krieg ich überhaupt 16 Megabit oder bin ich wesentlich drunter und könnte auch eine preiswertere Klasse mieten und hätte dann eine genauso schnelle Internetverbindung.

Die Diskussion aber um die Datengeschwindigkeit, die geht ja weiter. Können Sie vielleicht einschätzen, wohin die Entwicklung geht, dass es solche Stufenmodelle wie bei Handys auch dann für Heimanschlüsse gibt, wenn man extrem viel Daten nutzt? Oder müssen die Provider auf ihre Kunden reagieren und weiter die komplette Masse anbieten?

Also die Telekom hat ja das tatsächlich bislang nicht offiziell angekündigt, dass sie drosseln wird, ihre Daten. Ich denke das ist auch ein Teil des Wettbewerbs. Wir haben ja die Möglichkeit in Deutschland, zwischen unterschiedlichen Unternehmen auszusuchen, und da wird eine eventuelle Drosselung auch ein Wettbewerbsbestandteil sein. Und ein Bestandteil, nach dem sich die Verbraucher auch ihren Provider aussuchen und das ist ja auch in Ordnung so.

Glauben Sie, dass die Provider Angst haben vor ihrem Test, was da rauskommt?

Ich weiß nicht, ob die Provider Angst haben sollten. Aber es ist sicherlich ein Teil der Transparenz, dass die Verbraucher tatsächlich sehen können, wie viel kommt bei mir an und wird bei mir gedrosselt oder nicht.

Wie ist das eigentlich, wenn die Ergebnisse veröffentlicht werden? Kann ihre Behörde dann überhaupt etwas unternehmen gegen die Provider oder das nur transparent machen?

Im Endeffekt können wir’s natürlich nur transparent machen, weil durch diese juristische Klausel „bis zu“ natürlich nichts garantiert wird. Das ist auch schwierig insgesamt. Aber man kann schon sehen, bei welchen Providern dann eventuell durchweg hohe Bandbreiten zu erzielen sind und bei welchen weniger hohe.

Bei den Kunden, die vielleicht auch an ihren Tests teilnehmen oder zumindest auch die Vermutung haben, dass es bei ihnen nicht mit rechten Dingen zu geht: Was können Sie denen raten: Was sollten sie tun, um sich gegenüber ihren Providern profilieren zu können?

Im Endeffekt ist immer der erste Schritt, dass ich mich mit meinem Provider auseinandersetze. Dass ich nachhöre, woran kann das liegen, ist das richtig so? Ist nicht vielleicht bei dieser Bandbreite, wenn ich nicht mehr bekomme, es auch ausreichend, eine Preisklasse zu ehmen. Das sind die Dinge, die man zunächst mal mit dem Provider klären sollte. Und ich denke, wenn der Provider entsprechende Rückmeldungen bekommt, dann wird er sich auch im Wettbewerb überlegen: Kann ich dabei bleiben oder muss ich vielleicht meine Leistung verbessern.

Und um sich da zu positionieren, helfen natürlich Ihre Ergebnisse auch, wann werden die veröffentlicht?

Das kann ich zur Zeit noch nicht sagen, wann sie genau veröffentlicht werden. Wir werden’s aber so publik machen, dass es auch an Ihnen auch nicht vorüber geht.

Vielen Dank für ihre Zeit, Herr Boll!

Ja, gerne doch. Tschüss!

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