Fortschritt | Ohne Strom nix los: moderne Akkus richtig aufladen

Wie man den Handyakku richtig lädt

19.11.2013

Den Akku erst vollständig entladen, bevor man ihn wieder auflädt? Das war einmal. Die Akkus unserer Smartphones, Tablets und Laptops brauchen eine andere Behandlung. Ein paar Tipps - damit der Akku und das Gerät drumrum lange Freude machen.

Jeder kennt das. Immer dann, wenn man  moderne Technik wirklich dringend mal braucht, ist der Saft alle. Smartphones, Laptops, Tablets – so hilfreich diese Errungenschaften im Alltag auch sind: wenn der Akku leer ist, tut sich nix mehr. Und leider scheint das mit der Zeit immer schneller zu gehen.

Die Frage ist: Wie lade ich mein Handy, Smartphone oder Tablet richtig?

Weil man bei vielen der moderneren Geräte den Akku nicht mehr selbst wechseln kann, ist guter Rat hier mitunter besondersteuer. Darum wollen wir uns diese Woche im Fortschritt um diese Achilles-Ferse einmal kümmern. Unser Kollege Marcus Engert hat dazu den Weg ins Studio gefunden – ganz ohne Smartphone, dafür mit einem Bündel Infos im Gepäck.


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+++ Das Gespräch zum Mitlesen +++

Marcus, aus dem Vorgespräch hierfür habe ich schonmal einen ordentlichen Schock mitgenommen. Zehn Jahre lang habe ich gelernt: beim Handy den Akku immer vollständig entladen lassen – und dann erst komplett wieder neu aufladen. Und jetzt kommst du und sagst: stimmt gar nicht!?

So ist es. Tut mir leid. Was du da ansprichst, ist der sog. „Memory-Effekt“. Den gab es bei den Akkus damals, das stimmt. Wenn man die geladen hat, bevor sie vollkommen leer waren, scheint sich der Akku den Ladestand „gemerkt“ zu haben. Auch, wenn da noch Saft drauf war, haben sie sich dann schon eher ausgeklinkt. In modernen Handys, Tablets und Laptops sind aber fast immer Akkus, die mit Lithium-Ionen arbeiten. Und die kennen diesen Effekt nicht.

Das heißt konkret?

Das heißt, bei den älteren Akkus haben wir gelernt: erst ganz leer machen. Dann ganz laden. Der Grund: dort können sich Kristalle bilden, die die Leistung nach und nach schmälern – wir verlinken online auf einen Artikel, wo das besser erklärt wird. Bei den neuen Akkus kann das so nicht passieren. Und darum gilt für die, wenn man so will, fast das Gegenteil. Wenn man die regelmäßig ganz leer werden lässt, verlieren sie erheblich an Lebenszeit. Es gilt dort die Faustregel „öfter ist besser“. Je öfter man den Akku laden kann, desto besser.

Das heißt, selbst wenn ich nur ein paar Minuten habe, ist das besser für den Akku?

Genau so ist es. Mehrmals über den Tag hinweg ein bisschen laden ist wesentlich besser, als zum Beispiel immer komplett und über Nacht.

Und wie voll laden? Also richtig bis 100%?

Auch da gilt: öfter ist besser. Am wohlsten fühlen sich diese Lithium-Ionen Akkus zwischen 40% und 80%. Wenn man also keine lange Zeit vor sich hat, wo man so gar nicht an Strom kommen kann, dann besser eher von der Steckdose abziehen und später nochmal ranstecken. Bei Elektro-Autos haben sich die Hersteller da schon drauf eingestellt. Logisch, dort ist ein Akku nämlich so richtig teuer. Der soll also möglichst lange halten. Und dort ist es oft so, dass die Lade-Elektronik den Akku eben nicht bis zum Schluss voll lädt, sondern eher abschaltet. Nicht ganz so gut für die Reichweite, aber eben gut für die Lebensdauer des Akkus.

Also, laden ist das eine. Was man da richtig und falsch machen kann, haben wir jetzt. Was kann ich denn während der Benutzung machen, damit der Akku möglichst lange hält?

Zunächst gibt es mal ein großes ABER. Eben haben wir ja gesagt, lieber öfter ein bisschen laden, und eher nicht auf 100%. Und jetzt das aber: ab und zu sollte man den Akku doch mal komplett entladen und aufladen. Nur selten zwar. Aber doch. Das hat damit zu tun, dass man dem Akku immer mal wieder beibringen muss, wie gut er noch ist. Die Akkus wissen ja, wie viel Power sie noch haben, wie viel sie gerade abgeben. Und daraus errechnen sie die Vorhersage, wie lang das Telefon oder Tablet noch läuft. Dieses Gedächtnis muss der Akku aber ab und zu mal auffrischen. Kalibrieren nennt man das. Muss nicht zu oft geschehen. So einmal monatlich bis alle zwei Monate reicht da vollkommen aus.

Und in der restlichen Zeit idealerweise zwischen 40% und 80% halten. Verstanden. Das war also das Laden. Wie siehts im Alltag aus, so im Betrieb?

Also, Temperatur ist wichtig. Hitze ist für die Akkus überhaupt nicht gut. Also: nicht in die Sonne, nicht auf die Heizung. Das Notebook nicht auf die Bettdecke. Und wenn das Gerät vom Betrieb selbst heiß wird: mal schauen, welche App da gerade so richtig Power braucht, und die eventuell ausschalten.

Was man ja schon oft genug gehört hat: Display nicht auf volle Helligkeit lassen. Und Wlan, Bluetooth und GPS nur anmachen, wenn man es wirklich braucht.

Genau so ist es. All das frisst so richtig Akku-Lebenszeit. Aber auch zwei andere Sachen sind recht hungrig, oder durstig, je nachdem:
a) Programme, die im Hintergrund immer daran arbeiten, stets aktuell zu sein, saugen den Akku leer. Chats, Spiele – auch das Mail-Programm, dass vielleicht so eingestellt wurde, minütlich nach Mails zu suchen. Also, da kann man mit den Einstellungen viel machen.
b) ist etwas, wo man auch über eine einfache Einstellung viel rausholen kann: wenn man ein Handy hat, das LTE bzw. 4G kann, aber einen Vertrag, der kein LTE beinhaltet. Dem Telefon kann man nämlich sagen, dass es erst gar nicht nach LTE-Netzen suchen soll. Da die bei so einem Vertrag ohnehin nicht genutzt werden dürfen, kann man die Suche danach auch abstellen.