Fortschritt | PlayStation 4

26.02.2013

Es ist modern geworden, neue Geräte in einer großen, aufwändigen Live-Show zu präsentieren. Zumindest, wenn man ein großer Konzern ist und Unterhaltungselektronik macht. Sony ist so einer und die neue PlayStation 4 ist ein solches Gerät.

Wird die PlayStation 4 ihrer Vorgängerin ähneln? Die PlayStation 3 ist seit 2006 im Handel. Foto: © Nigel Treblin/ddp

Die Spekulationen schossen im Vorfeld der Präsentation wie wild ins Kraut. Jetzt wurde die neue PlayStation 4 vorgestellt – aber nicht gezeigt. Trotzdem tut sich da einiges auf dem Markt der Spielekonsolen.

Was das ist, und wie toll – oder nicht so toll – die neue PlayStation denn nun ist, darüber sprechen wir mit Marcus Richter. Er beschäftigt sich seit Jahren als Journalist und Podcaster mit Spielen und Konsolen..


Das Interview zum Nachlesen

Hallo Marcus!

Hallo und guten Tag!

Du hast dir die Nacht um die Ohren geschlagen, um live zu verfolgen, wie Sony die neue PlayStation vorstellt. Hat es sich denn gelohnt für dich?

Journalist und PodcasterMarcus RichterJournalist und Podcaster 

Äh, nein, (lacht), also kann man wirklich sagen. Die Präsentation dauerte ja zwei Stunden, was schon richtig richtig lang ist, und sie war halt so als Spieler und direkt an Ergebnissen interessierter Mensch nicht so interessant, weil’s eher so war: „Ja, wir haben jetzt hier so ein Gerät und wir bringen das auch und da werden auch Spiele für gemacht.“ Aber viel mehr war jetzt auf der Präsentation direkt nicht wirklich zu sehen, sondern die wirklich interessanten Sachen kamen dann im Nachhinein von Leuten, die nach der Präsentation noch mit jemandem sprechen konnten, der irgendwas zu sagen hat. Und das waren die eigentlich interessanten Sachen, die dann in diesen Artikeln standen.

Was kann denn die neue PlayStation? Wie ist sie ausgestattet?

Auch das weiß man nicht so ganz genau, weil ja wie gesagt das Gerät selber nicht zu sehen war. Klar ist, dass der Controller, der seit ungefähr 30 Milliarden Jahren gleich aussieht, jetzt ein bisschen anders aussieht. Er ist nämlich größer, auch für Erwachsenenhände geeignet also, kann auch das, was der Xbox-Controller kann. Man kann nämlich ein Headset direkt dort anschließen, mit Kabel. Und die Konsole selber: weiß man gar nicht so genau. Sie soll halt eine x86-Architektur haben, das heißt, die ist ähnlich aufgebaut wie ein PC. Tatsächlich an einzelnen Daten wurden auf der Präsentation nur genannt, dass sie acht Gigabyte Speicher haben wird, was doppelt so viel ist, wie man erwartet hat. Aber ansonsten sind die Details eher unklar. Jemand hat das dann später noch auseinander genommen in einem Artikel und hat gesagt: Ja, das ist halt technisch cool, aber es ist halt irgendwie letztlich auch zu vergleichen mit: wir haben hier einen leistungsfähigen Rechner.

Also nicht ganz so überzeugend?

Es ist nicht mehr so, wie es früher war, dass eine neue Konsole halt jetzt – „Boah, krass“ – das neue große Ding ist. Also zum Beispiel bei der letzten PlayStation war es ja so. Das war erstmals die PlayStation, die HD konnte. Und so groß sind die Sachen nicht mehr. Es geht einfach nicht mehr so sehr um die Hardware, um die Rechen-Power, sondern es geht – und das war vielleicht auch das frustrierende für die Spieler – um die Sachen dahinter, also insbesondere um die Software, um die Benutzungsoberfläche, die zusammen mit der PlayStation dann verkauft werden soll. Und da ist dieser Wow-Effekt ausgeblieben und man weiß jetzt halt: es wird halt mehr Social-Networking-Features geben. Es wird mehr Streaming geben. Man kann Spiele sofort los spielen, es gibt so eine Art Ruhemodus, wo man draufdrückt und dann ist die Konsole sofort an. Man kann sofort weiterspielen, wo man war. Aber so richtig, dieses, „Guckmal!“, dieses große neue, tolle Gerät, gab’s tatsächlich nicht.

Bei der PlayStation war’s ja immer ein hübsches Gimmick, dass man die Spiele der älteren PlayStations auf den neuen spielen konnte. Wird das denn die PlayStation 4 auch können?

Nein, aber ja. Also nein, deswegen: es wird nicht so sein, dass man seine alten Spiele in die neue PlayStation reinlegen kann. Das ist mit dieser x86-Architektur, was ich gesagt habe, also damit verbunden, dass sie jetzt sozusagen eine völlig neue Art der Hardware quasi in ihrem Gerät haben. Das heißt es ist nicht mehr so einfach zu sagen, die Vorgängerspiele laufen auch da. Aber sie haben angekündigt, dass über einen Streaming Service die alten Spiele doch wieder spielbar sein sollen, das heißt: Man muss die wahrscheinlich nochmal neu kaufen, aber kann sie dann sozusagen aus dem Netz auf die Konsole streamen und dort soll man sie dann spielen können.

Was wohl aber mit an Bord sein wird, ist die Möglichkeit, das Spiel von der einen Konsole zu Hause loszulösen. Also die PlayStation 4 mit einer mobilen Konsole, mit der PS Vita zu synchronisieren, oder auch Spiele von einer anderen Konsole zu meiner Konsole zu streamen. Kann man das so sagen? Ich kann mir das schwer vorstellen.

Das sind zwei verschiedene Sachen, über die du gerade sprichst. Das eine ist: Es soll tatsächlich Streaming geben in dem Sinne, ich spiele etwas und andere Leute können mir dabei zugucken. Das heißt meine Spiele-Art und Weise wird in einen Videostream verpackt und ins Netz gestreamt. Andere Leute können dann sozusagen da draufglotzen. Tatsächlich soll’s da auch eine Art und Weise geben, dass man da eingreifen kann, aber bis jetzt hört sich das so an, dass man irgendwie einen Knopf drücken kann, aber nicht wirklich zusammen spielt in dem Sinne.

Das andere, was du meinst, mit der PS Vita. Das ist das, dass man sozusagen, was auf dem großen Bildschirm passiert, auch auf die kleine Konsole streamen kann. Das ist ja das, was die Nintendo Wii U jetzt schon macht, dass man quasi auch einen kleinen Bildschirm hat und darauf auch spielen kann. Aber das wird sich wahrscheinlich erstmal nur in den eigenen vier Wänden abspielen, also dass man das per W-Lan überträgt, weil Mobilfunknetze sind da, glaube ich, noch nicht gut und breitbandig genug. Und das wird auch eher so mit einem Lächeln bedacht diese Funktionaliät. Aha, man baut also Nintendo nach, und versucht irgendwo noch einen Verwendungszweck für die Vita zu finden, die ja eine Konsole ist, die man durchaus auch als grandios gescheitert bezeichnen kann.

Für all das braucht’s vor allem aber eines: das Internet. Machen die neuen Konsolen ohne Internet-Anbindung noch Sinn?

Es bewegt sich da langsam weg. Also ja, sie machen noch Sinn. Bei der PlayStation 4 war ja vorher die Frage: Wird das Ding überhaupt noch ein Laufwerk haben oder muss man alles runterladen? Aber nein, es wird noch ein Laufwerk haben, da kann man noch Spiele einlegen. Und tatsächlich ist, obwohl kaum noch darüber gesprochen wird, noch die Erfahrung: ich sitze auf meinem Sofa und starre auf einen großen Bildschirm und spiele dort ein Spiel, das ich gern spielen möchte und vor allen Dingen auch alleine, nach wie vor die wichtigste eigentliche Erfahrung vom Konsolenspiel. Es wird nur so sein, dass das Netz immer wichtiger wird. Einerseits um zu teilen, also zugucken zu lassen, wichtige Momente, irgendwie Fotos hochzuladen. Social Networking in allen seinen Ausprägungen. Und andererseits ist natürlich die Industrie total daran interessiert, so eine Online-Anbindung zu haben. Das heißt, irgendwie zu sagen, „Hey Leute, kauft mal die Spiele lieber im App-Store.“, also einem Download-Shop, weil dann kann man sie nicht kopieren und auch nicht gebraucht weiterverkaufen. Das heißt, die werden sich schon dahin bewegen, dass alles immer online ist. Aber Sinn macht eine Konsole auf jeden Fall noch, auch ohne Netzanschluss.

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