Fortschritt | Rückfahrhilfen für das Auto zum Nachrüsten

18.09.2012

Bei neueren Autos gehören sie fast zur Grundaustattung - die Einparksensoren. Doch wie so oft gilt: wer Zeit und etwas Ahnung hat, kann Geld sparen und sein Auto auch selbst damit ausstatten.

Einparksysteme gibt es vom Autohersteller dazu. Man kann sie aber auch selbst einbauen. Foto: © Jens-Ulrich Koch/dapd

ist technischer Berater der ADAC-Fahrzeugtechnik.Arnulf Volkmar Thiemelist technischer Berater der ADAC-Fahrzeugtechnik. 

Es gibt so manch schmale Parklücke oder hohe Bordsteinkante, bei der Autofahrer dankbar für jemanden sind, der sie kurz per Handzeichen einweist. Inzwischen funktioniert das selbstverständlich auch elektronisch.

Was aber, wenn diese Einparksensoren oder Rückfahrkameras nicht von Anfang an im eigenen Auto eingebaut sind? Inzwischen ist das kein Problem mehr, denn meistens kann man die Pakete im Fachhandel nachkaufen.

Dabei können die Käufer zwischen optischen oder klassisch piependen Ultraschall-Einparkhilfen wählen.

Ob allerdings auch der Einbau so einfach ist, das haben wir Arnulf Thiemel vom Automobilclub ADAC gefragt.

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Das Gespräch zum Mitlesen:

Wir reden über Einparkhilfen und Rückfahrkameras zum Nachrüsten – wie funktionieren die denn?

Die Ultraschall-Einparkhilfen haben Sensoren, die Schallwellen aussenden, die man üblicherweise nicht hören kann. Aus dem Echo können Sie errechnen, wie weit ein Hindernis entfernt ist. Bei Rückfahrkameras geht es um optische Systeme, die auf einem Monitor im Fahrzeug anzeigen, wie die Fahrzeugumgebung aussieht. Da kann ich dann auch einigermaßen ermessen, wie weit ein Hindernis entfernt ist.

Krieg ich den Einbau selbst zuhause hin?

Ein engagierter Hobbybastler kann ein Einparksystem durchaus auch selbst einbauen. Wichtig ist aber, dass er sich auch wirklich gut mit seinem Auto auskennt und vor allem, dass es insbesondere für die Einparksenoren eine fahrzeugspezifische Einbauanleitung gibt. Denn die besten Sensoren sind wirkungslos, wenn sie auch nur um wenige Grad verkippt, also nach unten oder oben montiert werden, und es dann dauernd Bodenechos und somit Fehlalarme gibt. Wichtig ist also, dass ich genaue Angaben vom Anbieter des Einparksystems habe, wo die Sensoren zu montieren sind, damit sie nachher auch ordentlich funktionieren.

Es eignen sich also auch nicht alle Sets für alle Autos?

Es gibt meist universelle Einbau-Sets. Aber von den guten Herstellern gibt es fahrzeugspezifische Einbaublätter, da sind einfach die Maße enthalten, wo ich die Sensoren platzieren muss. Dadurch vermeide ich auch, dass ich dann plötzlich ein Crash-Profil anbohre, das ist verboten, denn da würde die Sicherheit drunter leiden. Oder das ich gar nicht weiß, wo ich die Leitung zu verlegen habe. Diese Informationen sollten für mein Auto speziell vorliegen, denn sonst wird es wirklich extrem schwierig.

Wie gut sind diese Nachrüst-Sets im Vergleich zu den ab Werk verbauten?

Ein korrekt eingebauter Ultraschall-Parkwarner kann auch in der Nachrüstung eine ähnlich hohe Qualität haben wie ein ab Werk montiertes Set. Allerdings ist meist die Einbindung in die Fahrzeug-Bordelektronik nicht so tiefgreifend. Das heißt, ich habe oftmals keine Grafik im Radio-Display und andere Annehmlichkeiten mehr, doch die sind teilweise durchaus verzichtbar.

Erkennen die Nachrüst-Sets auch dünne Verkehrsschilder oder Eisenstangen?

Ja, auch ein nachgerüsteter Parkwarner kann solche Hindernisse erkennen, aber wieder mit der Betonung: er muss korrekt eingebaut sein, denn wenn die Abstände nicht stimmen, dann kann selbst der beste Sensor nicht alles erkennen. Es bleiben Lücken und damit kommt es schlimmstenfalls zu einer Kollision, wenn ich das nicht bemerkt habe.

Wie sieht es mit den Kosten aus? Was muss man investieren, damit man nicht zweimal kauft?

Ultraschall-Parkwarner gibt es ab etwa 200 Euro in ordentlicher Qualität, vor allem von Anbietern, die fahrzeugspezifische Einbauanleitungen bieten. Ich muss dann schon mit mehreren Stunden Einbauzeit rechnen, vor allem, wenn ich noch nicht geübt bin, wie man den Stoßfänger abnimmt. Bei Rückfahr-Kameras wird es meistens deutlich teurer, denn da muss ich noch eine Leitung nach vorn ziehen, wo dann der Monitor befestigt wird. Man muss auch daran denken, dass es für viele Personen oft ungewohnt ist, wenn man rückwärts fahren soll, vorn auf den Monitor zu gucken. Das widerstrebt manchen Leuten, das sollte man sich vorher wirklich überlegen. Da sind oft Parksensoren, die einfach piepen und die ich immer hören kann, auch wenn ich rückwärts fahre – und das ist eigentlich auch sinnvoll, damit ich für alle Fälle auch sehe, wer von der Seite eigentlich kommt – wenn es piept, ist es leichter, diese Information zu verarbeiten.

Jedenfalls, wenn man sich nicht davon kirre machen lässt.

Das ist richtig. Wobei heutzutage Systeme oft angenehmere Tonlagen haben. Beispielsweise dann wieder Ruhe geben, wenn das Fahrzeug stehen bleibt, also wenn sich keine Veränderung ergibt. Da haben die Systeme heutzutage durchaus schon mehr Intelligenz.

Wie ist das denn eigentlich mit der Haftung, falls doch etwas beim Einparken schief geht? Haftet dann der Hersteller dieses Nachrüst-Sets?

Nein. Der Fahrzeugführer ist stets für sein Auto verantwortlich und für alle Schäden, die es verursacht. Er kann sich nie auf ein technisches System herausreden. Es ist auch mal möglich, dass der Sensor beschädigt ist, was die Systeme alle meist auch erkennen und anzeigen. Oder aber das Eis drauf ist, oder wie auch immer – es ist immer der Fahrzeugführer für sein Auto verantwortlich, er kann es nie auf den Hersteller von solchen Nachrüstprodukten abschieben.