Fortschritt | Sicher ist sicher: Backup-Programme im Test

26.11.2013

Der Kaffee kippt über den Laptop und alles ist weg: Urlaubsfotos, die Abschlussarbeit und die digitale Musiksammlung. Mit einem guten Backup-Programm muss das nicht sein. Welche Programme sich am besten eignen und worauf Nutzer achten müssen.

Der Laptop geflutet, einen Virus eingefangen oder ein falscher Klick: Schon sind alle Daten weg. An Datensicherung denken die meisten Menschen erst, wenn es zu spät ist. Dabei empfehlen Expterten mindestens einmal in der Woche, Dateien und Programme zu sichern.

Der leichte Weg

Eine Variante: Einfach alle Dateien auf eine externe Festplatte ziehen. Dazu ist kein zusätzliches Programm nötig, es macht aber relativ viel Arbeit. Backup-Programme versprechen einen leichteren Weg: Automatische Sicherung und problemloses Wiederherstellen. Dann ist eine Havarie zwar immer noch ärgerlich, aber zumindest die Daten sind nicht verloren.

Backup-Programme im Test

hat Backup-Programme getestet.Christian Schlüterhat Backup-Programme getestet.  

Die Stiftung Warentest hat in der November-Ausgabe Backup-Programme getestet: Welche Backup-Programme sind sicher? Und sollte ich lieber auf einer externen Festplatte oder in der Cloud speicher?

Diese Fragen hat uns Christian Schlüter, Redakteur bei Stiftung Warentest, beantwortet.

Der häufigste Grund für Datenverlust sitzt vor dem Rechner. – Christian Schlüter

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+++ Das Gespräch zum Mitlesen +++

Wenn der Kaffee über den Laptop fließt und ich hab keine Datensicherung gemacht – gibt es dann überhaupt eine Möglichkeit, die Daten zu sichern?

Kaum, aber das kommt drauf an. Es gibt so ein paar Dienstleister, die sich auf Datenrettung spezialisiert haben. Das wird dann aber schnell sehr teuer und sehr aufwendig. Man muss dann auch schauen, wie die Daten vernichtet wurden. War das der falsche Klick des Nutzers, da ist vielleicht einfach was im Papierkorb gelandet, dann kann ich es sogar selber retten. Wenn jetzt die ganze Festplatte mit Kaffee oder Cola verschmiert ist, wird es deutlich schwieriger.

Was sind denn die häufigsten Gründe für Datenverlust? Ist man da wirklich immer selber schuld?

Leider ja. Der häufigste Grund sitzt vor dem Rechner – und ist nicht im Rechner. Also tatsächlich sind sich alle Experten einig, dass in der Regel der falsche Klick des Nutzers, das unbedarfte Löschen des Nutzers, für den Datenverlust verantwortlich sind. Das ist einerseits tröstlich, denn wenn ich wirklich aufpasse und mir Gedanken mache, ob ich diese Datei oder diesen Ordner löschen sollte, dann kann ich auch Datenverlust vermeiden. Auf der anderen Seite passiert das aber auch schneller als man denkt. So etwas wie technische Defekte, also eine kaputte Festplatte oder ein Virus, das sind auch Gründe, in den meisten Fällen ist aber der Nutzer verantwortlich.

Was gibt es für Backup-Programme und wie funktionieren sie?

Backup-Programme sorgen in der Regel dafür, dass regelmäßig eine Datensicherung auf dem Rechner durchgeführt wird. Der Vorteil bei Backup-Programmen ist, dass man den Vorgang automatisieren kann. Man kann zum Beispiel einstellen: „Mach jeden Donnerstag um 19 Uhr eine Datensicherung.“ Und dann macht das Programm das. Und die Backup-Programm haben noch einen Vorteil: Wenn es dann wirklich passiert ist und die Daten sind weg dann helfen sie mir auch dabei, diese Daten, die ich vorher gesichert habe, wiederherzustellen.

Was ist der Unterschied zu einer externen Festplatte, weil die Programme laufen ja auf den Rechner.

Das Programm ist auf dem Rechner installiert. Die externe Festplatte ist nur ein Speicherort. Natürlich kann ich die Daten auch manuell sichern, in dem ich die externe Festplatte anschließe und die Daten Stück für Stück herüberschaufel. Das ist aber sehr aufwendig. Man sollte also beides haben: Man hat das Backup-Programm, das auf dem Rechner installiert ist und als Speicherort hat man die externe Festplatte. Damit sind die Daten auch dann gesichert, wenn der Rechner kaputt gegangen ist.

Bei einem Backup-Programm muss man die Festplatte aber trotzdem selber anschließen, oder?

Genau. Also man sollte seine Sicherung auf einer externen Festplatte speichern. Die muss dann natürlich, wenn die Sicherung startet, an den Rechner angeschlossen sein und dann schreibt das Programm die Sicherung auf die externe Festplatte. Wenn das abgeschlossen ist, kann ich die Festplatte wieder abziehen, in den Tresor legen, in mein Bankschließfach legen oder einfach nur auf den Schreibtisch oder in die Schublade legen.

Für die faulen Menschen gibt es ja in der Zwischenzeit auch W-LAN-Festplatten. Ist das denn sicher?

Naja, wenn ich mich in meinem eigenen W-LAN-Netz befinde, dann ist das schon sicher. Ich muss dazu sagen, wir haben solche W-LAN-Festplatten noch nicht getestet, auch nicht im Rahmen dieses Backup-Tests. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Datenübertragungsraten dafür sorgen, dass so ein Backup einfach ziemlich lange dauert. Weil ich über W-LAN Daten nicht so schnell übertragen kann wie über einen USB 3.0-Anschluss, wo die Festplatte direkt am Rechner hängt.

Gibt es schon vorinstallierte Backup-Programme oder muss man die kaufen? Und was kosten diese Programme?

Teilweise sind die bei dem ein oder anderen Computer schon vorinstalliert. Wenn das nicht der Fall ist, dann muss man die kaufen. Also wenn ich jetzt wirklich eine vollständige Backup-Software haben will, dann kann man davon ausgehen, dass man die kaufen muss und die kostet dann so zwischen 15 und 60 Euro. So waren zumindest die Programme, die wir gestestet haben.

Es gibt aber ja auch integrierte Backup-Programme, wie z.B. „Time machine“ bei Apple. Wie sehen die bei den anderen Anbietern aus?

Also bei Apple gibt es die sogenannte „Time Machine“, das ist das Programm, das auf den Mac-Rechnern vorinstalliert ist. Dabei handelt es sich um eine Backup-Lösung, die schon gut funktioniert, die läuft die meiste Zeit im Hintergrund. Das heisst, sobald der Nutzer irgendwas ändert, sichert die „Time Machine“ sofort mit. Bei etwas älteren Rechnern könnte es dazu führen, dass die Performance ein bisschen leidet, bei neueren Rechnern ist das aber nicht der Fall. Was die „Time Machine“ von so einer vollständigen Software für Windows-Systeme – wie wir sie getestet haben – unterscheidet, ist dass ich als Nutzer nur sehr wenige Einstellungsmöglichkeiten vornehmen kann. Da mag der eine Nutzer sagen: Das finde ich gut, das Programm soll mich am liebsten in Ruhe lassen. Es gibt aber auch Nutzer, die wollen Einstellungen selber vornehmen. Also z.B. wie oft das Backup oder in welcher Kompressionsstufe das Backup stattfinden soll. Diese Möglichkeiten habe ich bei der „Time Machine“ nur sehr eingeschränkt. Bei Windows ist es ein bisschen anders. Da habe ich bei Windows-8 nur eine Datei-Sicherung vorinstalliert. Wenn ich jetzt aber auf das Windows-8.1 aktualisiere – das steht Windows-8.0 Nutzern kostenlos zur Verfügung – dann habe ich auch die Möglichkeit das Betriebssystem selber zu sichern.

Es gibt noch die Möglichkeit, seine Daten auf eine Cloud auszulagern. Ist das zu empfehlen?

Die Cloud-Sicherung hat einen Vorteil, aber auch viele Nachteile. Der Vorteil ist: Das Ganze ist dezentral gelagert. Das heisst, ich habe den Speicher nicht selber zu Hause. Die Cloud-Sicherung hat aber auch viele Nachteile. Zum einen hat man bei so einem Backup ziemlich große Datenmengen. Das geht dann vielleich so in 30, 40 vielleicht auch 100 Gigabyte. Bis ich die auf einen Cloud-Speicher mit einem normalen Internetanschluss hochgeladen habe, vergehen Wochen. Und dann gibt es bei Cloud-Diensten datenschutzrechtliche Bedenken. Also gerade bei US-Anbietern ist das Datenschutzniveau nicht so hoch wie bei europäischen Anbietern. Das heisst, man sollte sich darüber im klaren sein, dass der Anbieter und vielleicht auch Ermittlungsbehörden diese Daten einsehen können. Das wollen viele Nutzer nicht und deswegen raten wir bei der Datensicherung, gerade auch bei großen Datenmengen, von der Cloud-Sicherung ab.