Fortschritt | Scanner-Apps: So gut wie herkömmliche Scanner?

13.03.2012

Wer unterwegs ist und ein Dokument scannen will, kann das mit dem Smartphone machen. Doch wie gut sind Scanner-Apps?

ist Redakteur beim Computermagazin c't.Rudolf Opitzist Redakteur beim Computermagazin c't. 

Erinnern Sie sich noch daran, wie es vor ein paar Jahren war, wenn man mal was einscannen wollte? Da lag neben dem PC ein riesiger Kasten mit einem schweren Deckel. Und der begann surrend und sehr gemütlich langsam, über das Dokument zu fahren – das wiederum Streifen für Streifen auf dem Monitor erschien.

Die Geräte wurden schneller, dünner, schöner – aber so richtig viel änderte sich auf dem Scanner-Markt nicht. Doch wer denkt, das Scannen sei am Ende seiner Evolution angekommen, der irrt: einmal mehr wandert eine Funktion ins Smartphone.

Scanner-Apps sollen genau das können, was auch die Flachbettscanner können. Wie gut funktioniert das? Dieser Frage ist Rudolf Opitz, Redakteur beim Magazin für Computertechnik c’t, nachgegangen.


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Bevor wir ins Detail gehen, die Frage aller Fragen: Können Scanner-Apps fürs Handy den Flachbettscanner tatsächlich ersetzen?

Nein, dass können sie nicht so ganz. Denn wie gut so ein Smartphone scannt, hängt natürlich stark von seiner Kamera ab. Die Kameras haben zwar eine sehr hohe Auflösung, aber auch die gute Optik spielt eine Rolle. Und die vermisst man bei den meisten Smartphones. Da muss man auf Platz achten und die Optiken sind sehr, sehr klein, das bedeutet, dass man oft Probleme am Rand von Dokumenten hat, dass es da unscharf wird oder zu Verzerrungen kommt.

Wie sich die Funktionsweise unterscheidet, kann jeder erkennen: Beim Scanner fährt eine Art Lesebalken über das Dokument und tastet das ab. Beim Smartphone macht die Kamera des Handys, wenn man so will, einfach ein Foto. Aber was passiert danach? Wie unterscheiden sich Scanner-Apps von Scannern in der Funktionsweise?

Alles was der Flachbettscanner von Haus aus kann, also gleichmäßig ein Dokument abscannen, das funktioniert beim Fotografieren nicht, denn man hat ja nur einen Blickwinkel direkt über dem Dokument und das bedeutet, dass die Ränder oft perspektivisch verzerrt sind, eventuell hält man auch die Kamera etwas schräg, weil man das meistens aus der Hand macht. Diese ganzen Verzerrungen oder Verschiebungen können Scanner-Apps, also Programme, hinterher begradigen. Das versuchen sie mit gemischtem Erfolg. Es gibt da Apps, die das sehr gut können und es gibt Apps, die da mehr Probleme mit haben. Aber insgesamt sind die Ergebnisse schon ganz beeindruckend.

Wo liegen denn da die größten Fehlerquellen beim Scannen mit dem Handy? Falsches Licht, wackeln beim Aufnehmen – worauf sollte man achten?

Ja, wackeln beim Aufnehmen ist eines der Probleme, aber das kann man schon minimieren, indem man – falls das Smartphone so etwas hat – einen Verwackelschutz aktiviert, wie man ihn auch von digitalen Kameras kennt. Das wird ja auch öfter eingebaut. Dann sollte man zusehen, dass das eingebaute Blitzlicht, meistens gibt es da so eine kleine LED, abgeschaltet ist und man sollte dann eher auf das Umgebungslicht vertrauen. Denn diese Blitzlichter, die blitzen direkt das Dokument an, was zu sehr unschönen Highlights, zu Reflexionen auf dem Dokument führt, das kann man dann später schlecht lesen.

Was man ja gerne können möchte mit dem Scannen, ist das automatische Einlesen eines Textes, also Texterkennung, das man dann nachher noch ein bisschen an dem Text arbeiten kann. Beherrschen das die Scanner-Apps genau so gut wie stationäre Geräte?

Nein, eigentlich nicht. Denn das ist schon eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die man entweder besser auf dem PC hinterher zu Hause macht oder man kann sie mittlerweile auch direkt im Internet machen – auf Neudeutsch auch die Cloud genannt, was manche Apps direkt anbieten. Es gibt allerdings auch wenige Apps, die sogar eine eigene OCR, also eine Texterkennung, mitbringen und dabei mäßige bis brauchbare Ergebnisse liefern.

Also der Text wird dann auch nicht immer erkannt?

Nein, er wird nicht immer erkannt, man muss auf jeden Fall nacharbeiten. Es kommt natürlich immer sehr stark darauf an, wie gut die Vorlage ist, wie das Licht ist, ob man wenig oder viel gewackelt hat. Die Hauptaufgabe der meisten Scanner-Apps ist, das Foto vom Dokument so aufzubereiten, dass man es hinterher mit einer OCR gut bearbeiten kann und dann möglichst sauberen Klartext bekommt, den man wenig nachbearbeiten muss.

Eine Ausnahme ist eine Scanner-App, die „Perfect OCR“ heißt und die es nur für das iPhone gibt. Die hat tatsächlich eine eigene OCR und die bedient sich da eines Tricks: Um möglichst gute Vorlagen zu haben, fotografiert man das Dokument nicht nur einmal, sondern gleich dreimal und die App rechnet daraus ein möglichst optimales Bild. Das heißt, sie hat mehr Daten zur Verfügung und kann dadurch dafür sorgen, dass die Kontraste zwischen Papier und Buchstaben schärfer sind und schafft es damit immerhin eine einigermaßen gute Qualität der hinterher durchsuchbaren Texte zu liefern. Nur man muss immer damit rechnen, dass es spätestens bei Satzzeichen doch zu Fehlern kommt. Probleme bereiten oft auch Umlaute, das also die ö-Pünktchen nicht so sauber erkannt werden. Ein kleines i wird schnell mal für ein kleines l gehalten. Manchmal fehlen auch Abstände zwischen den Wörtern.

Und wahrscheinlich ist dann auch ein bisschen lästig, wenn man dreimal ein Dokument einscannen muss?

Das geht relativ schnell, denn wie schnell man mit einem Smartphone ein Foto machen kann, das ist gar nicht mal so schlimm. Schlimmer ist eher sich anzugewöhnen, möglichst seitlich vom Dokument zu stehen, die Kamera dann darüber zu halten. Seitlich deswegen, wenn man direkt davor steht, wirft man ja selbst einen Schatten auf das Dokument, was dann die Qualität wieder deutlich beeinträchtigt. Solche Sachen, die stört eine OCR meist mehr als wenn man es leicht schräg hält, damit kommt eine OCR meist besser klar.

Wenn es jetzt um hochwertige Scans geht, sprich Bilder, Fotos – immerhin haben Smartphone-Kameras heute auch schon teilweise acht Megapixel – können die das auch?

Hochwertig? Nein, muss ich ganz klar sagen. Denn das Problem, wie eben schon angedeutet, sind sehr kleine und meistens relativ günstige Optiken. Es nützt nichts möglichst viele Megapixel dahinter zu setzen, wenn die Optik dann doch wieder Farbverzerrungen produziert, Farbverschiebungen, wenig Licht durchlässt, wodurch dann die Kontraste nicht sehr schön sind.

Die Smartphones versuchen allgemein diese Mankos durch Software und Filter und alles so was wieder auszugleichen, was dann aber wiederum, wenn man genau auf diese Bilder guckt, zu bestimmten Artfakten führt. Da findet man dann plötzlich Kanten, die dann Doppelkanten zeigen oder dass es dann irgendwelche Pixel gibt, da wird versucht das Rauschen rauszurechnen, was meistens zu unschönen Flecken führt. Also, wirklich begeisternd ist es nicht. Wenn man einen guten Fotoscan haben möchte, da bleibt einem dann doch nichts übrig, als zu einem Foto-Flachbettscanner zu greifen, die liefern einfach eine bessere Qualität.

Nun kann ja kein Mensch so einen Flachbettscanner mit in die Bibliothek schleppen. Was man aber in den letzten Jahren schon hier und da gesehen hat, waren Scannerstifte, mit denen die Menschen dann über die Textzeilen gefahren sind. Diese Dinger dürften ja mit dem Smartphone jetzt ihr Todesurteil erfahren haben. Oder würden Sie sagen, Scannerstifte haben noch einen Sinn, weil sie irgendeine Technologie haben, die Smartphones nicht haben?

Scannerstifte waren eine ganz spezielle Art von Scannern, die immer mal wieder gebaut wurden, aber nie große Verbreitung gefunden haben, denn es gibt da gute Alternativen. Das ist also nicht nur das Smartphone und die Smartphone-App, sondern es gibt auch sehr kompakte Handscanner. Wenn Sie vielleicht von ganz früher noch diesen mäßig breiten Scanner, denn man dann langsam per Hand über das Dokument ziehen musste, teilweise noch in mehreren Streifen, die Zeiten sind teilweise perdú. Es gibt aber auch neuere Modelle, die da besser scannen, die auch nur daumenbreit sind und die sehr gut geeignet sind, um kleine Textpassagen schnell aus einem Buch zu scannen. Ein kleines Notebook hat ja meistens jemand in der Tasche, dass man es direkt anschließen kann. Dann gibt es auch solche Handscanner, die eine ganze DIN-A4-Seite in einem Rutsch einscannen können und die Daten dann gleich auf eine Speicherkarte schreiben, sodass man noch nicht einmal ein Notebook braucht.