Fortschritt | Smart Home: Das intelligente vernetzte Zuhause – dank Hausautomation

16.01.2013

Die Heizung von unterwegs anmachen, das vergessene Fenster schließen und mit der Kamera nachschauen, ob alles okay ist. Die Zukunft des Wohnens soll Energie sparen und viel Komfort bringen.

Vielleicht bald nicht mehr nötig: Lichtschalter, die “nur” das Licht an- und ausschalten können. / © Steffi Loos (dapd)

Sie kennen das ja: man fährt ein paar Tage weg – und nicht nur, dass die Angst mitfährt, ob jemand in die Wohnung einsteigt. Wenn man wieder kommt, ist auch noch alles ausgekühlt. Oder aber man hat die Sicherungen rausgedreht, und aus Versehen auch den Kühlschrank mit ausgemacht. Oder das Fenster aufgelassen, obwohl man nur mal schnell lüften wollte.

Wie praktisch wäre es da, von unterwegs Heizung an und Fenster zu machen zu können, oder mal mit einer Kamera nachzuschauen, ob alles OK ist. Was lange Zukunftsmusik war, wächst inzwischen zu einem ernstzunehmenden Bereich. „Smart Home“, „intelligentes Wohnen“ oder „Hausautomation“ sind Schlagworte dafür.  Marcus Engert und Christoph Dziedo im Gespräch über die Zukunft des Wohnens.

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Also, „Smart Home“, „Hausautomation“ – was ist darunter denn zu verstehen?

Da geht es darum, dass unsere Wohnungen und Häuser intelligent werden sollen. Zum einen, weil die Geräte und Anlagen darin miteinander vernetzt arbeiten. Und zum anderen, weil ich sie steuern kann – auch von unterwegs.

Darunter ist also relativ viel zu fassen: Haustechnik (Licht, Alarm, Rolladen), Smart Metering (digitale Zähler für Energie, Wasser, Gas), Elektrogeräte (Herd, Waschmaschinen, Geschirrspüler) Multimedia und Kommunikation (zum Beispiel auch Durchsagen ins ganze Haus), Sicherheit (Bewegung, Kameras, Gas- und Wassersensoren).

Und was brauch ich dafür an Ausrüstung?

Das braucht schon einen Batzen Computertechnik: Sensoren, intelligente Lichtsteuerung, vernetzte Unterhaltungselektronik. Und für all das dann eben einen Weg, dass online zu bekommen, damit es über das Internet anwählbar ist.

Das klingt aber komplizierter, als es ist. Verschiedene Hersteller arbeiten an modularen Systemen. Es gibt da inzwischen relativ überschaubare und fertige Pakete. Die sehen dann meist alle gleich aus: es gibt eine Art Basisstation – nd es gibt Module für die verschiedenen Geräte. Ob die dann eine Lampe steuern, eine Heizung anschalten oder eine Kamera anwählen, ist eigentlich unwichtig. Gesteuert wird alles über diese eine Zentrale.

Und das kann jeder nutzen und bedienen?

Inzwischen schon, ja. Vor allem bei den Überwachungskameras wars lange so, dass man da schon was von Netzwerktechnik verstehen musste, wenn man das einrichten wollte.

Jetzt wandert all das auf Smartphones und Tablets – und deren Vorteil besteht ja genau darin, dass sie intuitiv und grafisch bedienbar sind.

Und das hat eben zur Folge, dass diese Smart Home Systeme für die Hausautomation inzwischen nicht nur frei skalierbar sind in ihrer Größe. Weil man je nach Menge der zu steuernden Teile einfach Module hinzufügt. Sondern ich kann es auch selbst mit Regeln versorgen, nach denen es arbeiten soll.

Das Zauberwort heißt IFTTT. Das steht für „If this, then that“ – ein Internetdienst, der bei bestimmten Situationen Aktionen auslöst. Und da kann ich dann in mein Smart Home eben so Sachen einstellen wie: immer wenn der Süßigkeitenschrank aufgemacht wird, poste in meinem Facebook-Profil „ich bin schon wieder schwach geworden“.

Das heißt, das ist schon mehr als nur eine bessere Fernbedienung?

Manche der Anwendungen basieren durchaus darauf, dass man zwischen Steckdose und Gerät ein Teil dazwischensteckt, dass dann einfach „nur“ fernsteuerbar ist. Das ist aber nicht alles. Der Punkt ist eben, dass diese Einheiten intelligent arbeiten können. Also nach bestimmten Regeln. Oder auch in Kombinationen.

Also, am Beispiel: morgens zu einer Zeit X soll das Licht langsam hochdimmen. Dann sollen irgendwann die Rollos hochfahren. Die Heizung soll im Bad schonmal angehen. Etwas später auch in der Küche. Und die Kaffeemaschine soll einen Kaffee machen.

Mit so einem Smart Home System können all diese Sachen, die wir hierfür brauchen, intelligent miteinander arbeiten. Also auch mal das Fenster schließen bevor es die Heizung anmacht. Oder bemerken: da hat schon wer von Hand Kaffee gekocht. Und dann kommt natürlich noch der Punkt dazu, dass ich das über Smartphones und Tablets steuern kann.

Was genau heißt das, ich kann das steuern?

Die meisten Systeme haben eine eigene App, also ein eigenes Programm. Das installiert man z.B. auf dem Handy. Und damit kann ich dann eben diese Regeln steuern.

Zum Beispiel für den Kreislauf, den ich eben beschrieben habe. Wenn ich Urlaub habe, stelle ich da einfach ein: diese Woche bitte alles zwei Stunden später. Vorteil eins: ich muss eben nicht an jedes Gerät einzeln gehen. Vorteil zwei, diese besagte Intelligenz: wenn der Lichtsensor, der mein Licht hochdimmt, merkt „Ha, es ist ja schon hell“, dann fällt diese Aufgabe eben aus.

Und das klappt alles schon heute?

Also, die meisten Sachen aus dem Bereich „sinnvoll“ klappen heute schon gut. LED-Lampen mit dem Smartphone steuern, Heizung, Waschmaschine oder Geschirrspüler von unterwegs anmachen. Und auch diese ganzen Sachen aus dem Bereich Heimkino und Multimedia.

Wofür es auch gut funktionierende Systeme gibt, ist alles rund um „Sicherheit„. Kameras, Bewegungsmelder, etc. Die haben wir vor einer Weile im Fortschritt schonmal vorgestellt.

Was das „Energie sparen“ angeht, muss man sagen: da ist ja die Vision, dass sich gewisse Geräte genau dann anschalten, wenn der Strom günstiger ist. Da viele Tarife billigeren Nachtstrom nicht oder noch nicht haben, bzw. keinen digitalen Zähler haben, der zwischen Tag und Nacht unterscheiden könnte, geht das nicht immer. Aber die Vision ist schon, dass eine Software ermittelt, wann genau der Strom am günstigsten ist. Und gewisse Geräte eben genau dann anschaltet. Da sind wir noch ein paar Jahre von entfernt.

Was aber sehr gut funktioniert, ist die Heizungssteuerung. Also: ich klemme ein kleines Gerät an den Heizkörper. Und das senkt die Temperatur, wenn ein Fenster geöffnet wird, oder tut das nachts. Oder es hebt eben die Temperatur, wenn ich das von unterwegs über die App meines Systems so steuere – zum Beispiel, weil ich in einer halben Stunde zuhause sein werde.

Und dann gäbe es da noch so Beispiele aus dem Bereich „Zukunftsvision“.

Das ist dann sowas wie in Star Trek oder was? Dass ich mit meinem Haus rede?

Sprachsteuerung wird integriert werden in diese Smart Home Systeme, mit Sicherheit. Aber das ist nicht die Science Fiction. Das sind eher solche Projekte wie dieses hier von IBM: ein Multitouch-Fußboden. Also der Fußboden ist integriert in dieses vernetzte Haus. Ein Computer überwacht dann eben die Signale, die vom Fußboden kommen, und führt je nach Situation bestimmte Befehle aus. Alarmanlage bei Einbruch ist das, was auf der Hand liegt.

Aber es geht viel mehr: einen Arzt rufen, wenn jemand gestürzt ist. Ein Signal geben, wenn ein Kind zu nah an den Pool läuft. Den Eltern eine Nachricht aufs Handy geben, dass der Nachwuchs sicher nach Hause gekommen ist. Oder auch, wie viele Personen denn grad im Haus sind – spätestens dann fliegt jede nicht erlaubte Party auf.

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