Fortschritt | Smart-TV-Boxen: Die Revolution im Fernseher?

22.01.2013

Die berühmtesten Vertreter heißen "Google TV", "Apple TV" - doch es gibt auch alternative Anbieter: Smart-TV-Boxen bringen soziale Netzwerke, die eigene Musik- und Filmsammlung und auch das Internet in den Fernseher. Ein Überblick.

Smart-TV könnte das Leben im Wohnzimmer revolutionieren. Foto: © Sigrid Rossmann / pixelio.de

Ein typisches Szenario an einem Abend in der Woche: man sitzt bereits bequem auf der Couch und freut sich auf einen gemütlichen Fernsehabend. Und dann das: im Fernsehen läuft mal wieder nur langweiliges Programm.

Wie gut wäre es da, sich einfach schnell den Film vom Laptop oder ein paar Live-Mitschnitte des Lieblingskünstlers bei Youtube anzuschauen. Wenn der Laptop nur nicht im Arbeitszimmer liegen würde, so weit entfernt von der Couch.

Eine kleine Box, die Smart-TV ermöglicht, kann nun diese Probleme lösen. Sie holt per Knopfdruck alle Daten auf den Fernseher, bzw. kann über den Fernseher auf den Computer zuzugreifen. Und Apps, Netzwerke und Co. kommen gleich mit.

Was im ersten Moment wie eine Spielerei für etwas zu faule Internet-Fans klingt, könnte tatsächlich eine kleine Revolution in unseren Wohnzimmern werden.

Mit „Google TV“ und „Apple TV“ verkaufen zwei der ganz großen Player eine solche Box. Doch es gibt auch Alternativen. Welche diese sind und wie gut sie bereits funktionieren, klären wir mit Peter Stelzel-Morawietz, Redakteur bei PC Welt.

Fortschritt | Neue Smart-TVs von Apple und Google im Vergleich

Das Interview zum Mitlesen:

Herr Stelzel-Morawietz, können Sie uns zuerst mal erklären: Was können diese Smart-TV-Boxen? Was für einen Mehrwert bringen die tatsächlich in unsere Wohnzimmer?

Es gibt keine richtige Definition von Smart-TV, auch keine Mindestanforderung. Was man sagen kann: sie bringen Internet ins Wohnzimmer, aber Internet ist eben nicht definiert.

Also es ist auf jeden Fall Youtube, Facebook, Twitter, die Mediatheken der TV-Sendeanstalten, Skype, aber auch eine Media Center-Funktion: also dass ich meine eigenen Videos, Musik und Bilder auf dem Fernseher sehen kann. Onlinevideotheken sind auch ganz wichtig, dass ich also Filme ausleihen kann gegen eine geringe Gebühr, vielleicht noch Internetradio und Bilderdienste, beispielsweise Picasa.

Sie haben sich ja sowohl die Google TV Box als auch das Apple TV angeschaut. Bevor wir uns auch mal den Alternativen widmen, lassen Sie uns mal die beiden anschauen. Apple ist ja dafür bekannt, dass die Sachen – wenn sie einmal auf dem Markt sind – relativ komfortabel funktionieren. Ist das hier auch so?

Ja, das ist auch bei Apple TV so. Da ist jetzt inzwischen die dritte Generation von Apple TV auf dem Markt. Das Gerät ist vergleichsweise günstig, kostet nur 100 Euro und ist – wie Sie sagen – richtig komfortabel. Allerdings nur dann, wenn man eben auch ein weiteres Apple Gerät hat, sprich ein iPhone oder ein iPad. Die Fernbedienung, die es dazu gibt, ist wenig komfortabel.

Das heißt also, wenn ich jetzt einen Laptop habe, der von Samsung ist oder ein anderes Betriebssystem hat, ein Windows-Betriebssystem, dann ist das nicht so richtig gut?

Auf den Rechner kommt es gar nicht an. Man muss schon iTunes installieren, um seine eigenen Videos und Musik zu hören. Wichtig ist, dass man noch ein mobiles Gerät hat, also ein iPhone oder ein iPad, das man eben als Fernbedienung benutzen kann, weil diese Fernbedienung, die dabei ist beim Apple TV, die hat nur ein paar Knöpfe und da ist auch die Bedienung ziemlich mühsam.

Kommen wir mal zum Gerät von Google. Das ja, wenn man es genau nimmt, schon deren zweiter Anlauf hier ist. Wie gut funktioniert das?

Richtig ist, Google hat schon 2010, also vor knapp drei Jahren einen Anlauf genommen. Das Gerät ist richtig gefloppt. Das neue Gerät ist eine Hardware von Sony. Es ist nicht schlecht, muss ich zusammenfassend sagen.

Insbesondere gelungen ist wirklich die Fernbedienung, weil sie auf der einen Seite Tasten hat, wie man das vielleicht kennt, und auf der anderen Seite, und das ist wirklich revolutionär und funktioniert auch gut, ein Touchpad – so dass ich wie mit der Maus am PC eben auch über den Fernseher scrollen kann.

Allerdings – und da ist der ganz große Haken – das Gerät ist nicht nur relativ teuer, mit gut 150 Euro im Internetpreis, sondern auch die Apps sind stark eingeschränkt. Was ich also insbesondere von Google erwartet hätte, dass ich im sogenannten Playstore, also dem Internetangebot, wo ich meine Apps kaufen kann, wirklich auch sämtliche Apps, die dort verfügbar sind, auf dem Google TV Gerät nutzen kann. Das ist aber leider nicht der Fall. Ganz wichtige Apps, wie beispielsweise Facebook und Co., kann ich nicht installieren.

Das heißt, wahrscheinlich wäre die optimale Mischung Apple TV und die Fernbedienung von Google TV dazu. Es gibt ja aber auch Alternativen. Also auch andere Hersteller bauen solche Boxen. Wie gut sind die dann?

Die Alternativen der anderen Hersteller müssen sich hinter den beiden großen Namen Apple und Google gar nicht verstecken. Ein meines Erachtens guter Hersteller ist Videoweb aus Karlsruhe in Deutschland. Die bieten auch eine Box an. 120 Euro kostet die und ist sehr komfortabel zu bedienen. Und auch was das App-Angebot angeht ist eigentlich alles dabei, also die Mediatheken der Fernsehsender, aber auch ein Live-TV, Zattoo TV kann ich dort schauen, installieren. Die wichtigsten anderen Apps sind eigentlich auch dabei – wirklich eine komfortable Sache.

Aber so eine Box, die man sich auf den Fernseher stellt, das gefällt ja auch nicht jedem? Zumal ja auch alles immer kleiner wird, in der Technik-Welt. Gibt’s da keine, sagen wir mal, platzsparenderen Möglichkeiten?

Doch, es gibt auch noch kleinere Alternativen. Im Prinzip kann man das, was ich jetzt sage, vergleichen mit Google TV. Es gibt nämlich – ähnlich wie ein USB-Stick – Minirechner in dieser Größe, nur haben die keinen USB-Anschluss, sondern einen HDMI-Anschluss. Das ist der Standardanschluss für den Fernseher und den kann ich einfach hinten oder an der Seite an den Fernseher einstecken und habe dann im Prinzip die gleichen Funktionen wie beim Google TV. Insbesondere läuft dort auch das Google-Betriebssystem für Handys, also Android. Die Geräte, die laufen unter dem Namen HDMI-Stick oder HDMI-Dongle. Die gibt es schon für 60 Euro plus im Internet.

Jetzt mag mancher vielleicht sagen: meine Musik, meine Filme, Youtube, auch mal Mails oder Facebook – das hab ich alles auch auf dem Tablet oder Smartphone. Macht so eine Smart-TV Box da denn Sinn?

Meines Erachtens macht das schon Sinn, weil wenn ich die Sachen nur auf dem Tablet habe, möchten viele Menschen ja doch die Sachen auf dem großen Screen, also sprich auf dem Fernseher im Wohnzimmer, sehen. Da gibt es zwar auch schon Kombinationen, aber dafür braucht man wirklich einen moderneren Fernseher, der dann schon smart ist. Dann könnte man sich eigentlich die Smart-TV Zusatzbox ganz sparen.

Dann, unabhängig vom Gerät, für das ich mich entscheide – was brauche ich an Voraussetzungen, wenn die Smart-TV Box auch richtig Spaß machen soll?

Man braucht einen hightech-schnellen Internetanschluss, also einen DSL-Anschluss. Da genügt DSL 16000, auch für Full HD, das ist die nächste Voraussetzung, über die wir sprechen müssen. Full HD, also eine Auflösung von 1920 mal 1080 Pixel, hat sich so einfach durchgesetzt. Das bietet aber jeder halbwegs moderne Fernseher oberhalb von 300 Euro im Neupreis. Eine weitere Vorraussetzung ist natürlich ein HDMI-Anschluss, aber auch über die verfügt jeder moderne Fernseher.

Mit Smart-TV Boxen kommt die Musiksammlung, die eigenen Filme, soziale Netzwerke – kurzum: das Internet – in den Fernseher. Dazu braucht es eine Smart TV Box. Wie die Dinger funktionieren, was sie können, was man dafür braucht: das haben wir besprochen mit Peter Stelzel-Morawietz, Redakteur bei PC Welt. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben für das Gespräch!

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