Fortschritt | Handy im Frost – wenn das Handy einfriert

Wenn Smartphone, Laptop und Tablet im Frost waren

07.02.2012

Alle reden über den eiskalten Winter. Der macht auch Smartphones und Handys zu schaffen. Was genau die Probleme verursacht, was man dagegen tun kann, und welche Geräte besonders gut oder schlecht abschneiden - ein paar winterliche Tipps.

Mobiles Telefonieren im Winter - eine ungemütliche Angelegenheit / Foto: © David Hecker / dapd

Sie stecken in unserer Tasche, und gehen mit uns vor die Tür. Sie frieren mit uns, sie schwitzen mit uns. Und wenn es Ihnen zu blöd wird, dann gehen sie einfach aus: unsere Handys und Smartphones. Im Moment reden ja alle über den Frost und den Winter. Und genau der kann für Handys auch zum Problem werden. Warum, und was man dagegen tun kann, das ist das Thema heute bei uns im Fortschritt. Marcus Engert im Gespräch mit Katja Schmidt.


Handy im Frost – Das Interview zum Mitlesen

Frost und Smartphone, dass das gefährlich werden kann, klingt ja schon ein wenig wie ein Witz. Nicht?

Stimmt, aber es ist absolut kein Witz: elektronische Geräte generell finden schnelle Wechsel von Warm zu Kalt nicht so gut. Und das gilt für Handys auch. Für einfache Handys, erst recht aber für Smartphones mit großen berührungsempfindlichen Displays: da sind Flüssigkristalle drin, und die können einfrieren. Und wenn es richtig kalt wird, besteht auch die Gefahr von Rissen im Display.

Was passiert denn mit einem Handy, wenn es im Frost ist oder war?

Das Problem ist der Temperaturwechsel. Also der Moment, wo man wieder ins Warme kommt. Diese abrupten Temperaturwechsel sind der größte Feind des Handys. Da bildet sich nämlich gern mal Kondenswasser im Gerät, und richtet dann Schäden an. Solche Schäden übrigens, die nicht von der Gewährleistung abgedeckt werden. Die Geräte haben einen Fehlerspeicher, der Hersteller kann dann auslesen, dass ein Wasserschaden vorgelegen hat. Das kann also sehr ärgerlich werden. Das heißt natürlich auch, dass man nicht unbedingt lang telefonieren sollte, wenn es heftig schneit – auch dann droht Feuchtigkeit ins Handy zu gelangen.

Heißt das im Umkehrschluss, wenn ich draußen unterwegs bin, ist mein Handy weniger gefährdet als wenn ich zurück ins Warme komme?

Leider nein. Es gibt unzählige Bericht von Nutzern, dass ihr Handy im Winter buchstäblich einfriert. Mechanische Bauteile gehen härter, werden bruchempfindlicher. Das Display, haben wir schon erwähnt, dem droht Ausfall. Das größte Problem ist aber eigentlich der Akku. Deren Laufzeit nimmt bei Kälte drastisch ab, die Nutzungszeit der Handys sinkt dann auf wenige Minuten. Das gilt übrigens auch, wenn man das Handy im Auto lässt. Auto-Innenräume kühlen stark aus.

Was kann ich denn also tun, wenn ich all das vermeiden möchte?

Die einfachste Lösung ist, das Handy nah am Körper tragen. Nicht in eine Handtasche oder die Außentasche der Jacke, sondern möglichst innen. Zweitens, das Gerät immer trocken halten. Hierfür sind Handytaschen gut: die halten Stöße und Feuchtigkeit ab, gegen Kälte selbst nutzen sie nix. Der dritte Tipp ist, das Handy nicht schnellen Temperaturwechseln auszusetzen. Also langsam aklimatisieren ist besser. Viertens, und das bezieht sich auf den Akku: Den erst laden, wenn das Gerät Zimmertemperatur angenommen hat. Kalt laden mögen die Akkus gar nicht. Und schließlich kann man auch in der Nutzung selbst vorbeugend sein: kurz telefonieren, das Gerät nur einschalten wenn man es wirklich braucht – das alles hilft schon viel.

Betrifft das denn alle Geräte, also alle Handys gleich? Oder gibt’s da Unterschiede?

Zu der Frage gibt es ganz aktuelle Erkenntnisse. Eben hat nämlich ein finnisches Computermagazin beliebte Smartphones bei extremer Kälte getestet. Die meistverkauften Handys haben die Tester da mit in die Kältekammer genommen. Bei den meisten Smartphones war zwischen minus15 und minus20 Grad Schluss. Das iPhone von Apple gibt schon eher den Geist auf: bei minus 10Grad ist da Schluss. Und jetzt wird’s noch schlimmer für die Apple-Fans: der Konkurrent, das Samsung Galaxy S2, hält bis minus 35 Grad aus. Das deckt sich auch mit den Hersteller-Angaben: Apple gibt für seine Geräte an, dass die zwischen null und 35 Grad funktionieren. Samsung nennt für seine Smartphones einen viel größeren Bereich: zwischen minus20 und plus50 Grad. Wichtig sind diese Angaben, wenn es um Garantiefälle geht nachher. HTC und Nokia übrigens geben hierzu nix an.

Jetzt gibt es ja noch ein ganz anderes Problem. Im beißendsten Frost die Smartphones bedienen?

Das stimmt. Die Finger aus den warmen Taschen oder Handschuhen herausholen, das kann schnell weh tun. Aber auch hier gibt’s Abhilfe. Man kann sich zum einen am Telefon selbst ein wenig behelfen. So kann man z.B. einstellen, dass Anrufe mit jeder Taste angenommen werden sollen – dann muss man nicht friemeln. „Rufannahme mit jeder Taste“ nennt sich diese Funktion meistens. Und ein Headset hilft sehr viel, dann kann das Telefon in der Tasche bleiben. Und wer jetzt einen Touchscreen hat und keine Tasten, der wird das kennen: Mit Handschuhen reagiert der einfach nicht. Das liegt daran, dass diese Materialien meist nicht leitfähig sind, so wie unsere Haut das ist.

Es gibt inzwischen aber spezielle Handschuhe aus leitfähigem Material – auf die auch die Touchscreens reagieren, quasi: Smartphone-Handschuhe. Und wer sich nicht zu blöd dabei vorkommt, kann auch auf die koreanische Lösung setzen. Dort gab es 2010 im Winter einen Hype: iPhone-Besitzer hatten damals nämlich herausgefunden, dass ein Würstchen mit dem Touchscreen des iPhones funktionierte. Also, man könnte auch einfach schauen, welches Würstchen für das eigene Telefon und geht und statt Finger mit Wiener tippen.