Fortschritt | Smartphones mit Vertrag – oder doch besser einzeln kaufen?

23.07.2013

Schon jeder dritte Deutsche soll eins haben: Smartphones. Die Provider verkaufen die Geräte gleich mit den Verträgen - man zahlt sie über die Vertragslaufzeit hinweg ab. Lohnt sich das? Oder ist man besser beraten, Handy und Vertrag separat zu kaufen?

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Bringt die Fusion Handynutzern Vor-oder Nachteile? Foto: © Jung Yeon-Je/AFP

ist Test-Redakteur bei der Stiftung Warentest.Christian Schlüterist Test-Redakteur bei der Stiftung Warentest. 

Smartphones sind ja kaum noch wegzudenken. Egal ob auf dem Weg nach Hause, im Restaurant oder in einer freien Minute, egal ob die sozialen Netzwerke oder die Mails checken – mit dem Smartphones geht das mobil und in Sekundenschnelle.

Dass diese Wunderwerke der Technik wahnsinnig praktisch sind, kann wohl keiner ernsthaft bezweifeln. Aber wenn es ein aktuelles und leistungsstarkes Gerät sein soll, steht schonmal schnell ein hoher dreistelliger Preis dran.

Weil das auf einmal dann doch etwas weh tut, bieten Mobilfunkunternehmen Smartphones zum nach und nach abbezahlen an – allerdings in Kombination mit einem Vertrag.

Doch wie klug ist das? Ist man vielleicht besser dran, Handy und Vertrag separat zu kaufen? Und muss es immer der „Original-Provider“ sein?

Fragen, die wir der Stiftung Warentest gestellt haben. Christian Schlüter hat uns erklärt, wer wo wie viel sparen kann.


+++ Das Interview zum Nachlesen +++

Also, was können Sie raten? Sollte man Handy und Tarif zusammen bestellen?

Also, in der Regel zeigen unsere Untersuchungen, dass sich das in vielen Fällen nicht lohnt. Wir haben das zuletzt in Kombination mit einer sogenannten All-Net-Flatrate angeschaut für zwei aktuelle, hochpreisige Handys. Nämlich dem iPhone 5 und dem Samsung Galaxy S3. Dort haben wir festgestellt, dass sich die Finanzierungsangebote bei den meisten Anbietern innerhalb von zwei Jahren nicht rechnen. Man fährt günstiger, wenn man das Handy einzeln kauft und den Vertrag extra dazu wählt. Es gibt ein paar Ausnahmen, besonders wenn man zu den Netzbetreibern geht – Telekom und Vodafone zum Beispiel – dort zahlt man dann in zwei Jahren wirklich deutlich mehr, als wenn man das Handy einzeln gekauft hat und den Vertrag dann so dazu bucht.

Über wie viel reden wir da?

Also wir haben in unserer Untersuchung festgestellt, dass man bei dem iPhone 5 bei T-Mobile zusammen mit einem Vertrag 860 Euro, eigentlich 861 Euro, mehr bezahlt, als wenn man das günstigste Angebot wählt. Das wäre in dem Fall die All-Net-Flatrate von Mobilcom Debitel und dann die angebotene Handyfinanzierung. Bei dem Samsung Galaxy S3 kann sogar noch mehr sparen, fast 1000 Euro. Auch hier wieder der Vergleich zu dem Angebot von T-Mobile: Da war das Angebot mit der All-Net-Flatrate von Mobilcom Debitel wesentlich günstiger.

Ist das bei allen Anbietern gleich? Oder zahlt man bei manchen besonders viel drauf, wenn man das Handy zum Vertrag mit nimmt?

Wir konnten feststellen, dass es besonders bei der T-Mobile und Vodafone wesentlich teurer ist. Das liegt aber nicht an der Handyfinanzierung selbst, sondern weil die Verträge, die wir uns in Kombination damit angeschaut haben, eben deutlich teurer sind. Also, so eine All-Net-Flatrate gibt es bei einem günstigen Discounter ab 25 Euro und bei T-Mobile und Vodafone ist die dann eben deutlich teurer. Das ist der Punkt, der die Kosten auf zwei Jahre gerechnet eben immens in die Höhe treibt.

Wie gestaltet es sich da bei den Discounter-Flatrates?

ist Test-Redakteur bei der Stiftung Warentest.Christian Schlüterist Test-Redakteur bei der Stiftung Warentest. 

In der Regel hat man bei den All-Net-Flatrates, die wir uns angeschaut haben, unbegrenztes Telefonieren in alle Netze inklusive und auch unbegrenzte SMS. Und dann hat man ein Rund-um-Sorglos-Paket.

Man muss da eine Menge Dinge beachten. Erstens ist es so, dass es bei den Flatrates eine 24-monatige Vertragsfrist gibt. Das heißt ich kann den Vertrag nicht monatlich kündigen. Und dann beinhalten diese All-Net-Flatrates auch noch eine Datenflatrate zum mobilen Internetsurfen. Die ist aber begrenzt auf 300 bis 500 Megabyte Datenvolumen. Da muss man sich als Nutzer eben überlegen, ob einem das ausreicht. Für die normale Smartphone-Nutzung mit Immer-Mal-Wieder-Surfen bei Facebook reicht das sicher aus. Aber wenn ich jetzt jemand bin, der sich zehn bis 15 YouTube-Videos anschaut, dann habe ich das Volumen relativ schnell gesprengt. Und dann überlege ich, ob ich das Datenvolumen aufstocke und dann wird es wieder teurer.

Aber auch bei den normalen Providern ist das Datenvolumen begrenzt. Stellt sich die Frage, kann man auch bei den Drittanbietern in diesem Punkt aufsatteln?

Ja, man kauft dann einfach ein extra Paket, das schließt man in der Regel für zwei Jahre ab, auch mit einer monatlichen Kündigungsfrist. Dann habe ich zwar nicht mehr die 500 MB zur Verfügung, sondern 1000 MB inklusive und dann zahle ich zwischen fünf und zehn Euro mehr im Monat.

Das heißt: die klügste Strategie, laut Ihrem Test, ist, den Vertrag nicht direkt mit dem Provider machen. Und das Handy auch nicht dort kaufen?

Ich bin als Kunde flexibel, wo ich mein Handy kaufe. Wenn ich das Handy unabhängig vom Provider kaufe, habe ich natürlich den Vorteil, dass ich mir den Netzbetreiber aussuchen kann. Viele Handys sind gebrandet oder gesimlocked – also nur auf den Provider zugelassen.

Und was die Preise an sich angeht: Wir haben da jetzt keine Übersicht gemacht, ob das iPhone 5 ohne Vertrag günstiger ohne Vertrag ist als zum Beispiel direkt bei Apple oder einem Gravis-Store. Aber normalerweise ist es so, wenn ich das Handy ohne Vertrag kaufe, dann sind auch die Provider an die normale Preisempfehlung gebunden, die auch vom Anbieter selbst ausgeht.

Jetzt haben Sie auch die Tarife verglichen. Da kosten die von den Drittanbietern bei gleicher Leistung teilweise nur ein Drittel, im Vergleich zum Netz-Provider. Wie kann das denn sein?

Die Netzbetreiber haben das Netz, was sie selber betreiben. Die argumentieren auch gerne damit, das sie den Netzausbau voran treiben und die Investitionskosten für das Netz tragen – das tun die Discounttöchter ja nicht. Die wählen sich ja in eines der vier großen Handynetze in Deutschland ein und sind nicht verantworlich, das Netz selber zu betreiben. Ein anderer Punkt ist, dass viele der Discounttöchter keine eigenen Shops betreiben. Da bekomme ich die Tarife nur online. Viele Kunden stört das nicht, die wollen nur den günstigeren Preis. Aber für viele Kunde ist es wichtig, dass sie einen Ansprechpartner im Laden haben.

Ein anderer Punkt ist, dass es hier und da Services gibt, die bei den Netzbetreibern angeboten werden, aber nicht bei den Discountern. Wir haben das letztens festgestellt, dass das zum Beispiel die Anklopf-Funktion ist. Das haben viele Discounter nicht. Das gleiche gilt für die Mailbox: Wenn ich telefoniere, geht die Mailbox ran. Das sind so Dinge, wo man hier und da mit Abstrichen rechnen muss.

Und sind die dann auch irgendwo schlechter? Beim Service? Bei der Netzabdeckung?

Die Netzabdeckung ist unabhängig davon, ob ich beim Netzbetreiber oder beim Discounter bin. Denn die Discounter wählen sich ja in eines der Netze ein. Ansonsten muss man sagen, dass wir lange keine Untersuchungen mehr zur Netzabdeckung gemacht haben. Zuletzt war es so, dass ist aber schon zwei Jahre her, dass das E-Plus-Netz in den ländlicheren Regionen eher zu Problem neigte. Auch das o2-Netz hatte dort leichte Probleme mit dem Datenverkehr.

Grundsätzlich gilt: Jeder Nutzer sollte sich vor einem Handyvertrag überlegen, welches Netz er benutzen möchte. Man findet auf den Internetseiten der Netzbetreiber Informationen darüber, wie stark die Netze in den einzelnen Regionen ausgebaut sind. Und man kann auch rumfragen in der Gegend, in der man sein Handy viel benutzen will. Zum Beispiel am Arbeitsplatz die Kollegen fragen oder zu Hause oder in der Nachbarschaft. Oder man kann Freunde fragen, welche Netzabdeckung sie haben. Also, da sollte man sich vorher schlau machen. Man sollte nicht unbedingt auf den Preis achten, wenn man merkt, man hat zu Hause in dem und dem Netz gar keine Empfang. Da macht der schönste Handyvertrag und das tollste Handy keinen Spaß, wenn man keinen Empfang hat.

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