Fortschritt | Smartwatch – Die intelligente Armbanduhr

10.09.2013

Das Smartphone wird wohl häufiger in der Tasche bleiben, wenn sich der nächste große Trend durchsetzen sollte: Mit einer Smartwatch am Handgelenk können viele wichtige Funktionen, z.B. das Lesen von E-Mails, ganz unauffällig genutzt werden.

Dieses glitzernde Modell von Sony ist wohl eher für die Damenwelt gedacht. Aber auch Samsung bringt mit seiner “Galaxy Gear” ein vielversprechendes Gerät auf den Markt. Foto: © Kārlis Dambrāns / Flickr

Mit Hilfe seiner Uhr konnte sich James Bond schon oft aus brenzligen Situationen retten. Zum Beispiel mit einem eingebauten Fernzünder für Bomben, einer kleinen Kreissäge, um sich von Fesseln zu befreien oder einem integrierten Magneten, der Pistolenkugeln ablenkt.

Hightech für das Handgelenk

hat ein Faible für elektronische Gadgets.Tobias Költzschhat ein Faible für elektronische Gadgets. 

Im Vergleich mit den neuen Hightech-Smartwatches, die viele Hersteller jetzt auf den Markt bringen, wirkt die klassische James-Bond-Uhr aber fast wie ein nostalgisches Spielzeug.

Eine Smartwatch ist eine intelligente Computeruhr für das Handgelenk. Sie verspricht viele Funktionen und soll angeblich der nächste große Trend werden.

Wie praktisch eine Smartwatch tatsächlich ist und was die unterschiedlichen Modelle können, hat uns Tobias Költzsch vom Online-Computermagazin Golem.de im Interview erklärt.

 


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+++ Das Gespräch zum Mitlesen +++

Sie konnten auf der IFA verschiedene Smartwatch-Modell ausprobieren. Was ist Ihr Eindruck von den aktuellen Modellen?

Also ich habe einmal ausprobiert: die Galaxy Gear von Samsung und das neue Modell von Sony, die Smartwatch 2. Und man kann da schon so leichte Unterschiede bemerken. Einerseits in der Funktion, andererseits in der Kompatibilität mit Smartphones.

Erstmal so grundsätzlich: Finden Sie so eine Smartwatch am Handgelenk eigentlich praktisch?

Es gibt durchaus Situationen, in denen ich mir persönlich auch vorstellen könnte, so eine Smartwatch zu benutzen. Also ich hatte auch mal eine. Es ist schon praktisch, wenn man unauffällig E-Mails checken will oder mal eben neue Facebooknachrichten anschauen will. Das ist schon durchaus praktisch.

Man trägt diese Smartwatches ja eigentlich wie eine ganz normale Uhr. Wie auffällig sind die denn?

Da kommt es auch auf das Modell an. Zum Beispiel die neue Smartwatch von Sony ist eher dezent, sage ich mal. Nicht unbedingt sehr viel größer als eine normale Herrenarmbanduhr. Das Modell von Samsung kann ein bisschen mehr, hat einen größeren Bildschirm und ist dementsprechend auch ein bisschen größer und klobiger. Also die ist vielleicht für einen zierlichen Arm ein bisschen zu groß.

Wie schaut’s mit dem Gewicht aus?

Das geht. Also schwerer als eine normale Uhr, aber wenn man jetzt eine schöne mechanische Armbanduhr hat, wiegt die ja auch ein bisschen was. Also vom Gewicht her würde ich sagen – auch bei dem größeren Modell von Samsung – gibt’s da keine großen Trage-Einbußen. Also das ist eigentlich recht unauffällig am Handgelenk. Wie gesagt, die Größe ist da bei dem Gerät von Samsung eher ein Faktor, wo manche sagen: Ah, sowas will ich mir lieber nicht um den Arm schnallen.

Inwiefern unterscheiden sich Smartwatches von einem ganz normalen Smartphone?

Da kommt es auch wieder auf das Modell an. Im Grunde ist eine Smartwatch eine Erweiterung des Smartphones. Also die Smartwatch funktioniert ja auch – normalerweise – nicht ohne Smartphone. Es gibt auch welche, die haben eine eingebaute SIM-Karte, mit der man auch telefonieren kann. Die sind aber meistens von sehr preisgünstiger Natur und eigentlich mehr Spielereien.
Die ernsthaften Smartwatches, zum Beispiel von Sony oder Samsung, kosten ja auch ein bisschen was. Also die von Sony wird jetzt wahrscheinlich für 200 Euro in den Handel kommen, die von Samsung für noch ein bisschen mehr. Die sind aber mehr eine Erweiterung des Smartphones, die einfach dazu dienen, dass man das Smartphone nicht mehr aus der Tasche holen muss.
Das geht bei der Samsung Smartwatch soweit, dass man sie selbst zum Telefonieren benutzen kann. Also man kann über die Smartwatch nicht nur den Anruf annehmen, sondern auch durch einen eingebauten Lautsprecher den Gesprächspartner hören und ihm antworten. Das ist dann so ein bisschen wie bei „Knight Rider“, dass man mit seiner Uhr spricht. Auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber das funktioniert sehr gut. Das kann beispielsweise die Smartwatch von Sony nicht. Die kann zwar auch Anrufe annehmen, aber da bräuchte man dann ein Headset am Telefon. Im Grunde ist so eine Smartwatch eine Verlängerung des Telefons, dass man nicht immer, wenn man eine Nachricht kriegt, sein Telefon aus der Tasche ziehen muss.

Also im Grunde ein Begleitgerät zum Smartphone?

Genau.

Aber es gibt auch Smartwatches, die relativ eigenständig funktionieren, oder?

Ja, es gibt ein Modell, das kann man bei Pearl kaufen – das ist dieser Internet-Versand – die können zwar dann auch eigenständig telefonieren, mit einer eigenen SIM-Karte. Die sind aber ansonsten, ich sag‘ mal, qualitativ nicht so gut.
Also die Geräte von Sony und jetzt gerade auch das von Samsung sind sehr gut verarbeitet, sehr gute Materialien, auch ein gutes Display. Also das ist qualitativ nochmal ein anderer Schritt. Aber Samsung liegt natürlich auch daran, Zubehör für seine Smartphones zu verkaufen. So ist das von den großen Herstellern, glaube ich, auch eher gedacht, also als Accessoire für ein Smartphone.

Jetzt braucht eine Smartwatch ja auch Strom, das ist ja schon bei Smartphones so ein leidiges Thema. Wann und wie oft muss ich die denn so im Schnitt aufladen?

Das hängt natürlich einerseits von der Benutzung ab, was man mit dem Gerät macht, andererseits auch hier wieder vom Modell. Also da war die Erwartung beim Gerät von Samsung beispielsweise recht hoch und wurde jetzt ein bisschen enttäuscht, weil die wahrscheinlich nur eine Akkulaufzeit von ein bis zwei Tagen hat. Was jetzt, gerade wenn man auf Reisen ist, für manchen Nutzer schon ungünstig ist, wenn man die Uhr nach intensiver Nutzung direkt nach einem Tag wieder aufladen muss.
Die Smartwatch von Sony soll länger halten. Da sind es bei häufiger Nutzung – glaube ich – drei Tage und wenn man sie nicht so häufig nutzt, kann sie bis zu einer Woche halten. Aber im Vergleich mit einer normalen Uhr ist das natürlich eine deutlich geringere Laufzeit.

Im Moment schaut es häufig ja noch so aus, dass die Smartwatch einfach nur als zweites Display neben dem Smartphone genutzt werden kann oder solche Zusatzfunktionen wie eine Fitnessuhr übernimmt, also den Puls überwacht und so weiter. Das ist ja nicht besonders neu und das können andere Geräte auch. Wird sich denn in Zukunft bei den Funktionen noch was tun, was eine Smartwatch dann wirklich besonders macht?

Ich denke schon. Also das muss man Samsung lassen: So klobig das Gerät auch ist, hat Samsung zum ersten Mal auch wirklich neue Funktionen in eine Smartwatch eingebaut. Also die haben beispielsweise eine Kamera ins Armband eingebaut, dass man auch kleine Schnappschüsse mit der Uhr machen kann, die eine verhältnismäßig gute Qualität haben. Und eben die direkte Telefonie-Funktion, die auch, wie gesagt, sehr gut funktioniert. Ich denke, dass da in Zukunft auch mehr kommen könnte.
Ich vermute, dass sich die Hersteller auch erstmal primär darauf konzentrieren werden, die Geräte ein bisschen kleiner, ein bisschen weniger klobig zu machen. Sprich: die Elektronik, die eingebaut ist, noch ein bisschen zu miniaturisieren, um ein Gerät herzustellen, dass eher noch wie eine Uhr aussieht. Sony hat das ganz gut gemacht, aber auf Kosten von Funktionen. Wie gesagt: Eine direkte Telefonie-Funktion geht mit dem Sony-Gerät nicht und eine Kamera hat es auch nicht.

Alles in Allem – was ist Ihr Fazit? Für wen lohnt sich die Anschaffung einer Smartwatch?

Ja, das ist schwierig zu sagen… also, eine Smartwatch ist momentan, glaube ich, noch ein Accessoire, was man vielleicht nicht unbedingt braucht. Was aber für Leute, die viel unterwegs sind und häufig auf das Smartphone schauen müssen, häufig ihre E-Mails checken müssen, Twitter-Nachrichten überprüfen müssen, häufiger auch in Meetings sitzen, wo sie nicht auf’s Handy schauen können – für so jemanden kann ich mir schon vorstellen, dass das sehr praktisch ist, weil er unauffällig seine E-Mails beispielsweise abrufen kann. Was jetzt solche Sachen wie die Telefonie-Funktion angeht, da bin ich mir noch nicht so sicher, ob sich das momentan so durchsetzen wird, weil es einfach wirklich komisch aussieht, wenn man mit seiner Uhr spricht – fand ich.