Fortschritt | Solar-Ladegeräte: Nie wieder Steckdose?

07.08.2012

Akku leer und keine Steckdose in Sicht? Das muss nicht sein. Solar-Ladegeräte nutzen die Kraft der Sonne um Handy und Co. aufzuladen. Doch was können diese Geräte?

Wer in den Achtzigern groß geworden ist, der erinnert sich vielleicht noch an den guten alten Solartaschenrechner, dessen Batterien fast nie leer waren. Mittlerweile ist die Angst vor einem leeren Akku zur Smartphone-Nutzer-Neurose Nummer eins geworden. Doch was, wenn die nächste Steckdose zu weit weg ist?

Solar-Ladegeräte sollen Abhilfe schaffen. Das sind Solarzellen zum mitnehmen, die aussehen wie kleine Photovoltaikanlagen und einfach ans Handy oder den Laptop angeschlossen werden. Mittlerweile gibt es einige solcher Geräte – und der Gedanke seinen Akku überall mit sauberem Strom aufladen zu können scheint verführerisch.

Marc Gruebel ist einer der beiden Köpfer hinter dem Podcast Sunpod und kennt sich aus mit der Kraft der Sonne. Mit ihm haben wir darüber gesprochen, ob Solar-Ladegeräte für Handy und Laptop im Alltag eine Lösung sein können.

Das Gespräch zum mitlesen

Marc, du bist ja ein Experte für Solarkraft und dort im speziellen für Mobilität. Wenn man mit Sonnenkraft fahren kann, sollte das ja auch klappen, dass man mit der Sonne sein Handy auflädt. Klappt das?

Ja, prinzipiell funktioniert das. Ich denke mal, man muss sich zuerst überlegen, was man möchte. Im Normalfall trägt man ja sein Handy mit sich herum und möchte dieses dann Nachts laden. Das bedeutet, ich brauche irgendeinen Puffer, einen Akku – um die Sonnenenergie zwischenzuspeichern. Dieser sollte normalerweise auch zu dem Gerät, was man laden möchte, passen, und circa zehn Prozent mehr Leistung haben als das Gerät, was man haben möchte.

Das heißt, wenn ich jetzt ein ganz normales Handy habe, wie lange braucht das dann um aufzuladen?

Genau das ist erstmal die Frage. Das Handy kann ich damit erstmal nicht laden, sondern dieser Akku-Pack muss natürlich tagsüber geladen werden. Und hierzu ist es natürlich notwendig, dass das Solarmodul es schafft, das Akku-Pack zu laden. In dem Beispiel würde ich vorschlagen, dass man ein 5-Watt-Modul nimmt, weil die Tagesleistung eines Moduls ist ca. das Vierfache seiner Maximalleistung. Also: die Sonne scheint ja meistens über acht Stunden, davon vielleicht eine intensiv und den Rest nicht so intensiv. So ein 5-Watt-Modul würde als so um die 20 Wattstunden liefern. Das bedeutet, in dem Beispiel könnte ich den Akku zu achtzig Prozent laden. In diesem konkreten Beispiel könnte ich sicherlich einen mp3-Player oder ein konventionelles Handy laden, wenn ich dafür einen kleinen 12-Volt-Auto-Adapter habe.

Das heißt aber: mit so einem 5-Watt-Modul, so einem etwas kleineren Modul, kann ich einen Laptop zum Beispiel überhaupt nicht laden?

Doch, durchaus. Du kannst ja auch die Sonnenenergie in einem Zwischenpuffer speichern. Das heißt, wenn du jetzt nicht täglich laden willst, sondern nur ein sagen wir mal 10 Watt Modul hättest, dann kommst du auf ca. 40 Watt-Stunden im Verlauf eines Tages. Wenn der Akku groß genug ist, kommst du in zwei Tagen auf 80 Wattstunden. Und kannst damit auch ggf. ein Notebook laden.

Worauf sollte man denn grundsätzlich achten, wenn man tatsächlich überlegt, sich selbst so ein Solad-Ladegerät zu bauen?

Die Leistung des Puffers muss mit der Leistung, die man nachher haben will, übereinstimmen. Das ist das wichtigste. Generell kann man sagen: wenn ich zum Beispiel ein iPad laden möchte, was zum Beispiel 42 Wattstunden hat – da merkt man schon, das ist richtig viel. In diesem Beispiel hier müssten wir also zwei Tage lang oder zwei dieser Akku-Packs laden. Das kommt vermutlich an ungefähr fast drei Tagen zusammen, um dieses Ding auch aufladen zu können. Das heißt, die Komponenten müssen miteinander übereinstimmen. Prinzipiell sollte man sich keine fertigen Module kaufen, wo die Watt-Zahl des Moduls nicht explizit mit angegeben wird, wo die Volt- und Ampere-Zahl oder alternativ die Watt-Zahl fehlt. Es gibt häufig da Pakete, wo ein „leistungsstarkes Solarpanel“ angeboten wird – von sowas in der Art sollte man die Finger lassen.

Gibts eigentlich auch Bedenken im Winter, also wenn die Sonne tatsächlich weniger scheint. Muss ich dann noch länger warten, um die Leistung zu erreichen?

In jedem Fall. Solche Module erreichen Ihre Höchstleistungen im Frühjahr, Sommer und Herbst. Im Winter, wenn ich wirklich immer einen bedeckten Himmel habe und indirekte Strahlung, gibt es auch bestimmte mono-kristalline Module, die dort ihre Stärken ausspielen. Aber die Gesamtleistung ist sicherlich geringer.

Wie sieht denn der Markt insgesamt für diese Solar-Ladegeräte aus? Gibts viele Angebote, oder muss man wirklich gucken? Wie sieht die Gesamtsituation aus?

Es gibt eine große, große Vielzahl. Wenn man bei Google mal Solar + Ladegerät eintippt, kriegt man sehr sehr viele Treffer angezeigt. Je nachdem, was ich laden will. Wenn es jetzt wirklich etwas mehr als ein Handy oder mp3-Player ist, würde ich von Angeboten, die ein Solarpanel haben was die Größe von nem halben Din-A4-Blatt unterschreitet, die Finger lassen. Und auch ansonsten müssen die Geräte vernünftig umschrieben sein. Idealerweise ist ein Verwendungsbeispiel mit angegeben.

Also, ein bisschen groß sollten sie schon sein?

Ja, genau das ist jetzt einer der Punkte, die natürlich auch mobile Geräte in Nachteil bringen. Groß heißt ja immer: nicht transportabel. Wenn ich so ein Gerät irgendwo in einem Gebäude betreibe und nochmal ne Fensterscheibe dazwischen habe, oder vielleicht nicht den idealen Winkel zur Sonne finde, dann hab ich immer Leistungsverluste mit. Das bedeutet: im Idealfall sollte das Modul so ausgerichtet sein, dass sich hinter dem Modul der maximale Schatten ausbreitet. Dann hab ich einen optimalen Winkel zur Sonne gefunden.

Wird sich denn da preislich in Zukunft auch noch etwas tun? Im Moment klingt es noch ein wenig kompliziert und vielleicht ein ein bisschen teuer. Wird sich das tatsächlich vielleicht zu einem Massenmarkt entwickeln, dass wir irgendwann eines Tages mit Solarmodulen durch die Gegend laufen und unsere Handys damit laden?

Das glaube ich nicht, einfach weil auch die Nutzungszeit von diesen Solarmodulen zu gering ist. Es wird nicht der Standardfall sein, dass du nach Hause kommst, und dann dein Handy oder iPhone an ein mobiles Ladegerät anhängst. Das wird vielleicht passieren, wenn du Fahrradtouren machst, dann hast du vielleicht irgendwo am Fahrrad ein Modul mit installiert, der Zwischenakku lädt sich im Laufe der Zeit auf. Und abends, wenn du dein Zelt aufbaust, dann lädst du auch dein mobiles Gerät auf. Und unter finanziellen Aspekten muss man sich überlegen, ob einfach ein Zweitakku die bessere Alternative ist.

Es gibt aber bestimme Situationen, wo sich ein solches System durchaus lohnt. Zum Beispiel, wenn du in einem Gartenhaus eine Beleuchtung haben möchtest, aber kein Stromanschluss im Gartenhäuschen liegt. Wenn du jetzt sagst: ich möchte aber nicht meinen gesamten Garten aufbuddeln, um dort den Stromanschluss zu machen, kann man sicherlich für rund 200 Euro ein kleines Solarmodul installieren, mit drei Lampen dran und irgendwo noch nen Puffer, wo man ne Beleuchtung von vier Stunden problemlos sicherstellen kann. Da machts dann wieder Sinn, wenn keine Alternative vorhanden ist.

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