Fortschritt | Tracking: Warum Internet-Riesen uns beim Surfen zusehen

22.05.2012

Was haben facebook, twitter, Apple, Microsoft und Google gemeinsam? Sie "tracken" Nutzer - das heißt, sie verfolgen unser Surfverhalten im Netz. Das Gesetz erlaubt das. Doch hinnehmen muss man das nicht.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen durch die Stadt. Über den Marktplatz. In eine Seitenstraße. Über einen Parkplatz in ein Café. Und überall, auf Schritt und Tritt, verfolgt sie eine Kamera.

Wenn Sie das gruselig finden, sollten Sie sich fragen, ob Sie facebook oder Produkte von Apple, Microsoft oder von Google benutzen. Denn die machen genau das. Die überwachen, wohin Sie sich im Netz bewegen. Auch dann, wenn Sie sich dort abgemeldet haben. Nun legte auch twitter seine tracking-Pläne offen.

Warum die das tun, darüber wollen wir heute in unserer Rubrik „Fortschritt“ sprechen – das sogenannte „Tracking“ ist heute unser Thema. Was da passiert und warum, das hören Sie hier:

Das Interview zum mitlesen

Dass facebook und Co. Daten über uns sammeln, das ist ja nichts Neues. Aber die meisten denken sicherlich, das geschieht nur, wenn man gerade angemeldet ist…?

Könnte man meinen, oder? So wie wenn ich ins Kaufhaus gehe, und weiß, da sind Überwachungskameras. Da werd ich gefilmt. Und gehe ich wieder raus, ist das aber vorbei. Tatsächlich aber Nutzen viele Netz- und Technik-Firmen Methoden, um unsere Bewegung im Internet auch dann zu beobachten, wenn wir gar nicht mehr auf deren Seiten sind.

Und wie machen die das?

Sie tun das, indem sie ein klitzekleines Programm in ihrem Webbrowser ablegen – also in dem Programm, mit dem sie surfen. Nämlich einen sogenannten Cookie. Wenn Sie sich zum Beispiel auf eine Seite besucht haben, und dann 14 Tage später da wieder online sind. Und die Seite sich ihre Einstellungen und alle möglichen Sachen gemerkt hat, dann war das so ein Cookie. Cookies zeichnen also Informationen auf, wie wir uns im Netz bewegen. Das kann praktisch sein – ich muss zum Beispiel nicht jedes Mal wieder „Krimi“ in die Suchmaske tippen, sondern bekomme gleich auf der Startseite Krimis angezeigt.

Das leuchtet ein. Aber jemand wie Facebook oder auch Apple oder Microsoft, warum wollen die denn wissen, was ich im Netz so tue.

Die verkaufen Werbung. Soziale Netzwerke wie facebook oder twitter leben davon, dass sie dir Werbung einblenden. Apple und Microsoft sind Anbieter von Browsern, auch die können Werbung einblenden. Diese Werbung ist natürlich noch effektiver, wenn sie sich mit deinen Interessen deckt. Und Google: nun, die können ihre Suchergebnisse genauer auf dich abstimmen und in diese Suchergebnisse auch Werbung einmischen – auch hier gilt: je genauer das deinen Bedürfnissen entspricht, desto eher bist du bereit das zu akzeptieren oder gar darauf zu klicken. Will sagen: desto höhere Preise können die Firmen für diese Werbung verlangen.

Das muss man nicht mögen, aber die Frage ist ja vielmehr, ob sie sich damit im Rahmen des Gesetzes bewegen. Ist das klar?

So richtig klar ist das nicht. Ob man das „mag“, das muss jeder mit sich ausmachen. Fakt ist natürlich auch, und das gehört zur Wahrheit dazu: facebook, twitter, die Suchmaschinen von Google oder Yahoo, die Browser von Apple oder Microsoft – die Sachen sind für alle kostenlos. Wir müssen nichts bezahlen, um die zu nutzen. Und sie funktionieren alle sehr gut. Die Entwicklung hat Geld gekostet, und irgendwie muss eine Firma die Menschen ja auch bezahlen, die das für uns entwickelt hat.

Nichts desto trotz, ganz reibungslos ist dieses Thema nicht. Eben weil keiner so genau weiß, was mit diesen Daten geschieht.

Und warum kann da nicht mal der Gesetzgeber für Klarheit sorgen?

Naja, zur Ehrenrettung muss man sagen: er hats versucht. Die Tatsache, dass diese ganzen Firmen aus den USA kommen, macht das mit den gesetzlichen Vorgaben nicht leichter. In Europa gibt es für so was eine Richtlinie. Die sollte eigentliche für alle europäischen Länder regeln, welche Maßstäbe für das Tracking gelten. Aber irgendwie ist das alles ein einziges Chaos geworden. Da gibt es einen Gesetzesentwurf, der ist aber viel krasser als das, was die Kommission eigentlich gefordert hat. Und die Staaten haben es nicht wirklich eilig, den in nationales Recht umzusetzen. Das hätte schon vor einem Jahr erledigt sein müssen. Auch in Deutschland ist das nicht passiert. Und weil das so ist, hat sich jetzt auch eine Initiative gegründet. „Do not Track“ heißt die. Sie kommt von der gemeinnützigen Mozilla Stiftung. Das Ziel: man will einen einheitlichen Standard für das gesamte Web definieren, mit dem dann Nutzer erklären können: nein, ich will das nicht – mein Surfverhalten soll nicht von irgendwelchen Werbenetzwerken protokolliert werden. Weil bisher eben das unklar ist.

Und bis dahin: muss ich zugucken, wie man mein Surfverhalten beobachtet?

Nein, muss man nicht. Es gibt Plugins, also Erweiterungen. Die kann man installieren. Und die geben dir dann die Möglichkeit, mit ein paar Klicks das selbst komplett auszuschließen. Also gar kein Tracking zuzulassen. Oder nur für manche Dienste. Oder nur manchmal. Oder wie auch immer. (siehe: die weiterführenden Links am Ende des Artikels)

 


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