Fortschritt | USB-große Mini-PCs für den Fernseher

19.03.2013

Was Smartphones und Tablets können, bringen kleine HDMI-Sticks auch auf Fernseher und Monitore. Sogenannte Mini-PCs von der Größe eines USB-Sticks machen es möglich. Wie das geht, erklären wir im Fortschritt.

Mini-PCs bringen Internet und Apps auf ältere Fernsehgeräte – per HDMI-Anschluss. Foto: © Sigrid Rossmann / pixelio.de

Sonntagabend, 20.15 Uhr: Es läuft der Tatort – und in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter geht’s um nichts Anderes. Die Menschen sitzen vor dem TV und reden mit ihren Freunden online darüber. Da laufen also zwei Geräte: der Fernseher – und dazu ein Laptop, ein Smartphone oder ein Tablet.

Aber das bleibt womöglich nicht so: Smart TV ist das Schlagwort. Das war bisher ein Thema für Technik-Fans und auch nicht so ganz billig. Doch seit kurzer Zeit gibt es da Bewegung. Kleine Sticks für ein paar wenige Euros machen jeden alten Monitor zu einem Multimedia-Gerät: Mini-PCs werden sie gelegentlich genannt.

Warum und was diese Mini-PCs können, haben wir mit Alexander Zollondz besprochen, Technik-Journalist bei der Redaktion Netzwelt.


Das Interview zum Mitlesen

Klären Sie uns eingangs mal bitte auf: was sind denn diese kleinen Sticks für Dinger? Was können die, was bringen die an Mehrwert?

Technik-Redakteur bei «Netzwelt».Alexander ZollondzTechnik-Redakteur bei «Netzwelt». 

Ja, diese Android-Sticks, die werden ja auch in die Geräteklasse der Media-Player oder Mini-PCs gebracht und die haben im Grunde ein Android-Betriebssystem installiert und besitzen einen HDMI-Anschluss. Und dieser HDMI-Anschluss dient eigentlich dann als Schnittstelle für den Fernseher. Und sie bringen jetzt alle Android-Apps oder einen großen Teil an Android-Mini-Programmen, die es halt für diese Plattformen gibt, auf die Mattscheibe und sind natürlich, weil sie sehr handlich sind, eben auch mobil einsetzbar. Das heißt, man kann sie einfach in die Handtasche packen, in den Koffer und wenn man auf Reisen ist, im Hotel oder beim Freund, eben auch einfach anschließen und damit dann auch das Internet auf den Fernseher holen, weil die meisten oder alle Geräte dieser Art einen Funkchip integriert haben.

Und was kostet der Spaß?

Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt recht günstige Android-Sticks zu Preisen so ab 40 Euro und das geht dann rauf bis zu so 130 Euro. Also das ist so die Preisspanne.

Und das stöpsele ich einfach an irgendeinen Monitor an und dann kann ich Internet, Apps, Soziale Netzwerke, Youtube und so weiter, alles über den Fernseher nutzen?

Genau. Was sie natürlich benötigen, ist natürlich ein Internetanschluss und einen Router und der Router muss WLAN unterstützen. Wenn das so ist, dann haben Sie quasi den Stick und der besitzt auch einen Funkchip und kann Ihren Fernseher mit Internet ausstatten. Und die Hersteller dieser Sticks haben dann einen Shop installiert, den es ja auch auf Smartphones für Android-Apps gibt, und das ist am besten der Google Play Store, weil der wirklich viele, viele Mini-Programme vorrätig hält. Alternativ gibt es dann andere Einkaufsläden, die auch eine Reihe an Programmen anbieten.

Könnte ich da nicht auch einfach einen PC oder eine Festplatte anschließen, wenn ich das will? Also: es gibt ja so fertige Lösungen, für kleine Multimedia-Server zuhause. Was ist der Unterschied von diesen kleinen Sticks hierzu?

Also an diesen Sticks kann man auch eine Festplatte anschließen, weil die auch noch einen USB-Stick haben. Man kann auch einen USB-Verteiler anschließen. Dann kann man neben der Festplatte auch noch eine Tastatur oder Maus anschließen, per Kabel. Der Unterschied zu Multimedia-Servern im Heimnetzwerk ist zum einen die Kapazität, die Multimedia-Server bieten. Die ist weit größer. Also man kann jetzt nicht unendlich viele Festplatten anschließen, weil so viele Anschlüsse bieten sich dann doch nicht an. Dann ist natürlich die Leistung dieser Multimedia-Server größer als die von diesen kleinen Miniatur-Sticks. Und der Komfort und die Bedienung ist besser, weil viele Protokolle werden von diesen Sticks nicht unterstützt. Man müsste das nachrüsten. Das ist dann eher was wirklich für sehr versierte Anwender und schon Entwickler. Das ist bei diesen Netzwerkspeichern und Multimedia-Servern weit einfacher gelöst für den herkömmlichen Anwender.

Wie sieht denn der ideale Anwender aus?

Zum einen sind das mit Sicherheit Android-Fans, die da große Freude daran haben, dass sie eben ihr Lieblingsbetriebssystem auch auf dem Fernseher nutzen können. Zum anderen sind das aber auch alle, die einfach wirklich ihren Fernseher mit Internet ausrüsten wollen und einfach schnell mal ein paar Videos aus dem Heimnetzwerk, von ihrem Rechner oder von irgendeiner Festplatte, die im Heimnetzwerk steht, oder eben ein Youtube-Video abspielen wollen, und mit ihrem jetzigen Fernseher nicht können, weil der eben nicht Internet-fähig ist. Das ist würd ich sagen eine Anwendergruppe, die sich für diese Produkte interessieren könnte. Und eine andere ist die, die Wert darauf legen auch unterwegs so eine Lösung parat zu haben. Da diese Android-HDMI-Sticks sehr handlich sind oder sehr klein, lassen sie sich wie gesagt sehr einfach in einer Handtasche oder im Koffer verstauen.

Also, wenn ich mir so ein Ding kaufen will: worauf sollte ich da achten?

Es sind mobile Chips, die in den Geräten verbaut werden. Es gibt Geräte, die haben jetzt eine CPU, es gibt aber auch welche mit zweien, und auch Quadcore, also auch Modelle mit vier Chips sind im Kommen. Achten sollte man auf jeden Fall auf Modelle mit Dualcore-CPU, also mit zwei Chips, weil die besser geeignet sind für hochauflösende Videos. Also das ist ja heute Standard. So ein Flachbildfernseher besitzt dann eine Full-HD-Auflösung und dann sollte eigentlich so ein Zuspieler, der praktisch Videos weiterleitet eben auch dafür sorgen, dass so ein Video ruckelfrei abläuft. Und dafür empfiehlt es sich schon, auf so Dualcore-Sticks zu achten.

Außerdem ist es relativ angebracht, das neuste oder Android in der Version 4.1 installiert zu haben. Auf dem Markt sind allerdings viele Modelle auch mit Android 4.0 erhältlich. 4.1 ist aber besser, weil das flüssiger läuft als das 4.0er-System.

Interessant dürfte für viele auch sein, dass ein Teil der Sticks auch Bluetooth unterstützt. Dann kann man eben auch Bluetooth-Geräte, wie eine kabellose Tastatur, eine kabellose Maus anschließen. Für solche Anwender, die darauf Wert legen, ist es eben dann schon wichtig. Da sollte man darauf achten, das Bluetooth unterstützt wird.