Fortschritt | Was tun, wenns blitzt? Über Mythen und reale Gefahren

26.09.2012

Wenn der Laptop durchgebrannt ist, ist es zu spät: wenn es blitzt, sollten alle Geräte vom Netz. Oder doch nicht? Sicherungen raus? Und was ist mit Telefonieren? Oder in die Badewanne legen? Fragen über Fragen - Antworten gibts vom Experten.

Es sieht immer wieder toll und beeindruckend aus: wenn es gewittert und es am Himmel blitzt.

Doch lernt man schon früh, dass das so ungefährlich nicht ist. Und bei der Frage, was man eigentlich genau machen soll, wenn es blitzt, weiß irgendwie auch jeder etwas anderes.

Spätestens wenn es um teure Geräte zuhause geht – Laptops, Fernseher, Handys – kann Unwissen allerdings richtig teuer werden. Darum wollen wir im „Fortschritt“ einmal klären, was man denn wirklich tun sollte. Und das fragen wir einen ausgewiesenen Experten: Thomas Raphael vom „Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung“ des Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik VDE.


Das Expertengespräch zum mitlesen

Das nächste Herbstgewitter kommt bestimmt. Was mache ich denn, wenn ich zuhause bin, am klügsten? Alle Geräte aus, alles aus der Steckdose ziehen, die Sicherung raus? Oder gar nix machen?

Am klügsten ist es natürlich, wenn man einen Überspannungsschutz installiert. Denn dann bin ich sicher, egal ob ein Gewitter kommt oder nicht, dass meine elektrischen Geräte vor Überspannungen und Blitzen geschützt ist.

Kann ich das selber einbauen?

Jein. Man muss hier unterscheiden. Wenn man den Strom betrachtet, da muss man ein zusätzliches Gerätchen einbauen, in den Stromkasten. Das macht der Elektriker. Und da gibt es auch zwei Varianten. Eine, ich sage mal, „light version“, nur gegen Überspannungen. Die ist dann etwas günstiger. Aber die schützt nicht, wenn es bei einem nahen Blitzeinschlag Blitzströme gibt, die über die Leitungen in das Gebäude reinkommen. Dafür gibt es sehr robuste Schutzgeräte, die energiereiche Ströme dort abhalten können. Und die werden auch an derselben Stelle eingebaut.

Darüber hinaus gibt es kleinere Schutzgeräte, zum Beispiel fürs Telefon, für die Antennenleitung – die werden in eine Steckdose reingesteckt, dann mit der Antennendose verkabel, und dort stecke ich dann zum Beispiel einen Fernseher rein. Das kann ich dann alles selber machen.

Angenommen heute abend gewittert es und ich habe so ein Gerät noch nicht. Bin ich da jetzt ganz richtig mit meiner Strategie: ich stecke alle elektronischen Geräte aus. Hilft das?

Das hilft natürlich sehr. Denn wir haben es hier in der Regel mit leitungsgebundenen Störungen zu tun. Das heißt, die Überspannung kommt über die Leitung. Und wenn ich die Leitung unterbreche, durch Herausziehen des Steckers, dann kann mein Gerät auch nicht zerstört werden.

Das heißt, für Fernseher, Stereoanlage, Laptop usw., da kann das schon gefährlich werden, wenns blitzt?

Vor allen Dingen für die empfindlichen elektrischen Geräte, und das sind genau die, die Sie genannt haben. Darüber hinaus würde ich noch unbedingt den Computer und die Telefonanlage dazu nennen. Denn ich höre immer wieder Schäden an diesen Bereichen.

Wichtig ist, alle Leitungen zu ziehen, nicht einfach nur die Stecker aus der Steckdose herauszuziehen, sondern auch beim Computer beispielsweise vom Netzanschluss, also von der Telekomm-Leitung. Oder bei der Antenne auch das Breitbandkabel, was von draußen reinkommt. Oder natürlich erst recht, wenn ich ne Sat-Schüssel auf dem Dach habe.

Vielleicht können Sie nochmal erklären: was passiert eiegentlich, wenn ein Blitz in ein Haus einschlägt?

Man kann einen Blitzeinschlag nicht vermeiden. Das heißt, der Blitz schlägt auf jeden Fall ein, und sucht sich seinen Weg Richtung Erde. Und die Blitzströme laufen jetzt alle möglichen Wege und finden natürlich auch elektrische Leitungen. Entweder vom Strom, oder aber eben Antenne oder vom Telefon. Die springen dann auf diese Kupferleitungen über und breiten sich großflächig aus. Und das ist eben das fatale: nicht nur in dem Gebäude selber. Sondern wir haben ja auch in der Regel Verbindungen nach außen, außerhalb des Gebäudes. Das heißt, diese Störungen breiten sich dann von dem eigentlichen Gebäude, wo es den Blitzeinschlag gab, aus in die Nachbarschaft, bis zu einige hundert Meter. Und das ist das fatala an Überspannungen: ich kann einen Schaden haben im großen Umkreis um den eigentlichen Einschlag herum.

Wie ist denn das mit der Versicherung? Zahlt die bei Blitzschaden? Oder muss ich dann nachweisen, dass ich dann zum Beispiel so eine Steckdosenleiste mit Überspannungsschutz hatte, oder so ein Gerät, wie Sie das eben genannt hatten. Zahlt die Versicherung?

Das ist eine einfache Frage, die nicht so ganz leicht zu beantworten ist. Zum einen gibt es Versicherungen, die Elektronikschäden inklusive haben. Dann zahlt die Versicherung auf jeden Fall. In der Regel ist es so, dass nur Schäden bezahlt werden bei einem direkten Einschlag in das Gebäude. Wenn es also schon beim Nachbarn oder noch weiter weg einschlägt, dann sind meine elektronischen Geräte nicht versichert. Wenn ich jetzt eine Steckdosenleiste habe mit einem Überspannungsschutz, und da steht auf der Verpackung: „Schäden werden getragen bis zu einer Million Euro“ – dann ist nicht mehr die Versicherung meines Gebäudes gefragt, sondern dann muss ich mich an genau diese Versicherung wenden, die hinter dem Hersteller von dieser Steckdosenleiste steht. Und da habe ich noch keine Erfahrungen gehört, ob das erfolgreich ist oder nicht.

Man hört ja immer wieder von Dingen, die man keinesfalls machen soll, wenn es blitzt. Da würden wir von Ihnen auch gern einmal hören, was da nun dran ist. Nummer eins: Telefonieren. Ist das gefährlich, wenns blitzt?

Ja, wenn ich ein schnurgebundenes Telefon habe. Also ein klassisches Telefon sollte ich nicht benutzen. Es gab schon durchaus Unfälle beim Telefonieren während eines Gewitters. Handy oder auch DECT-Telefone können gefahrlos genutzt werden. Bei DECT-Telefonen geht halt unter Umständen die Basistation kaputt.

Nummer zwei: Wenn es blitzt, soll man sich auf keinen Fall in die Badewanne legen. Stimmt das?

Stimmt im Prinzip auch, wenn ich ein älteres Gebäude habe und nicht sicher bin, ob mein – man sagt da Potentialausgleich – also ob alle metallenen Leitungen auch wirklich miteinander gut zusammengebunden sind, dann sollte ich duschen und baden vermeiden.

Und drittens: das Fahrradfahren. Das soll auch nicht ganz ungefährlich sein bei Gewitter und Blitzen. Was wissen Sie dazu?

Jeder Aufenthalt im Freien während eines Gewitters ist gefährlich und sollte beim Aufziehen eines Gewitters, beim Hören des ersten Donners, unterbunden werden. Man sollte Schutzbereiche aufsuchen: also Gebäude mit Blitzschutz oder Autos.

Dann zum Abschluss vielleicht doch nochmal eine Einordnung für alle, die jetzt furchtbare Angst vor Gewittern bekommen haben oder die sowieso vorher schon hatten: wie wahrscheinlich ist es, dass ein Blitz bei mir im Haus einschlägt?

Ja, das nimmt erstmal von Norden nach Süden zu in Deutschland. Wir haben im Süden Deutschlands deutlich mehr Blitzeinschläge als im Norden. Aber so typisch kann man sagen: fünf bis sechs Blitzereignisse pro Quadratkilometer und Jahr.

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