Fortschritt | Handy im Wasser – was tun?

Wasserschaden bei Elektronik: Wie das Handy zu retten ist

20.03.2012

Wenn Wasser, Tee, Wein oder Limo auf Handy, Smartphone oder Laptop treffen, droht der Totalschaden. Föhnen, auf die Heizung legen, gar nichts machen? Wie man nass gewordene Elektronik retten kann.

Gehören Sie auch zu der Sorte Mensch, die ihr Smartphone, ihren Laptop oder ihr Tablet am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen wollen? Dann wird das folgende Bild für Sie ein Horror sein: Handy im Wasser!

Wenn das Smartphone ins Waschbecken oder das Glas Wasser über den Laptop gefallen ist, ist der Schock groß. Doch wer schnell und besonnen reagiert, kann das Gerät retten.

Was die richtigen Schritte sind, wenn Elektronik nass geworden ist, erklärt Marcus Engert.


Handy im Wasser – Das Interview zum Mitlesen:

Egal wie: das Handy oder der Laptop ist unter Wasser gesetzt. Was nun?

In der Regel folgt ja erst mal die Schockstarre bei einem selbst. Man steht daneben, fassungslos und weiß überhaupt nicht, was mache ich jetzt und kann sich nicht vorstellen, dass einem das selbst passiert. Und genau das ist schon der erste Fehler. Es heißt nämlich wirklich ganz schnell und ganz rabiat und ganz rücksichtslos handeln. Also: Gerät sofort raus dem Wasser und nehmen und unmittelbar danach Akku raus! Hier zählen wirklich Sekunden. Überhaupt keine Sorgen machen, um fehlerhaftes Herunterfahren oder so was. Es geht einfach nur darum, möglichst schnell den Kurzschluss zu vermeiden.

Was ist, wenn ich den Akku nicht rausnehmen kann?

Ist ja tatsächlich ein Problem bei manchen neuen Geräten. Beim neuen iPhone zum Beispiel ist das der Fall. Da kann ich den Akku nicht selbst rausnehmen – und das ist dann eine ganz doofe Situation. Da bleibt nur: das Gerät sofort ausschalten und hoffen, dass das fürs erste jeden Stromfluss unterbindet. In jedem Fall: ab sofort das Gerät mit dem Display nur nach oben halten. Jetzt haben wir also ein nass gewordenes Telefon vor uns liegen und was wäre dein nächster Reflex?

Irgendwie muss das Ding auf jeden Fall trocken werden und ich neige dazu viele Sachen zu föhnen zum Beispiel, oder eine Heizung…

Ja, das wäre auch mein erster Reflex gewesen und das ist genau falsch. Denn mit einem Föhn würde der Luftdruck nur dafür sorgen, dass das Wasser noch in Ecken des Gerätes gedrückt wird, wo es vorher überhaupt noch nicht war. Der nächste Schritt ist erstmal: alle SIM-Karten raus, alle Speicherkarten raus, Akku und Gehäuse abtrocknen, soweit es denn von Außen geht. Dann kann man an den Stellen, wo man jetzt noch Wasser sieht, schon mal mit dem eigenen Mund oder mit dem Staubsauger absaugen. Wichtig ist wirklich immer: Luftzug vom Gerät weg. Also, saugen, nicht pusten. Und jetzt als nächstes heißt es, Geduld mitbringen.

Weil das Gerät an der Luft trocknen muss?

Genau so ist es. Mitunter liest man, dass Menschen ihr Gerät mit dem Föhn oder im Backofen auf ganz niedriger Stufe oder auf der Heizung oder so getrocknet haben. Ich rate davon ab, weil man wirklich irgendwie Gefahr läuft, da etwas zu überhitzen. Lufttrocknen ist einfach sicherer. Dazu das Handy so weit man kann auseinander bauen, so weit man es sich auch zutraut, das ist ja nicht ganz so einfach immer. Und dann das Gerät auf eine luftige Stelle legen, mit dem Display immer schön nach oben.

Dann solange abwarten, bis man sicher sein kann, dass die gesamte Feuchtigkeit raus ist: mindestens zwei oder drei Tage. Wenn wirklich viel Wasser reingekommen ist, auch mal etwas länger warten. Was übrigens hilft ist ein ganz putziges Bild, und ich habe das auch selbst probiert: das Teil, das Telefon oder was da auch immer nass geworden ist, einmal komplett in Reis einlegen. Oder in eine Tüte mit diesen kleinen Silikat-Päckchen, die bei jeder Neu-Verpackung mit drin sind, diese kleinen, knisternden Dingern – auch die ziehen stark Feuchtigkeit ab.

Jetzt hab ich zwei, drei Tage tatsächlich gewartet. Hab wirklich die Geduld aufgebracht. Hab vielleicht in der Zeit auf mein uraltes Handy von 2001 zurückgegriffen, was noch eine Akkulaufzeit von fünf Tagen hat. Ab wann weiß ich, ob ich jetzt endlich wieder auf mein geliebtes Smartphone zurückgreifen kann, oder ob das Gerät es überstanden hat?

Ohne den Test wirst du es überhaupt nicht herauskriegen. Das heißt: wenn du der Meinung bist, jetzt ist vermutlich die Feuchtigkeit raus, dann alles wieder sorgsam zusammenbauen, Akku rein, Speicherkarten rein, und das Ding mal anschalten. Wenn es jetzt nicht angeht: den Akku mal raus und das Gerät ans Stromkabel stecken. Wenn es hier jetzt angeht, weißt du schon mal, dass erstmal nur der Akku kaputt ist.

Wenn nicht und das Gerät bleibt immer noch aus?

Dann bist du mit den Möglichkeiten, die sich die meisten Laien noch zutrauen, tatsächlich schon am Ende angelangt. Es gibt jetzt natürlich noch andere Wege. Generell geht es ja darum, das Wasser von aller Elektronik und der Hauptplatine wegzubekommen. Wer es sich also zutraut, kann das Gerät komplett noch mal auseinander bauen, so weit es geht, die Hauptplatine ausbauen und die noch mal baden schicken. Und zwar: komplett in 100%igen Isopropanol-Alkohol, also sehr reinen Alkohol, den gibt es in der Apotheke. Der hat folgenden Vorteil: er verdrängt Wasser, und er verdampft danach auch extrem schnell von selbst wieder. Also die Platine in solchen Alkohol tunken.

Oder ein zweite, ähnlich krasse Idee: das Handy komplett in destilliertem Wasser noch mal baden, damit das später dort nicht korrodiert. Das ist natürlich ein ziemliches Schockerlebnis. Man nimmt das Teil und legt es tatsächlich noch mal in eine Schüssel und es wird noch mal nass. Aber es geht eben wirklich darum, sämtliche Rückstände vom Leitungswasser von den ganzen Elektro-Teilen wegzubekommen.

Diese beiden Sachen, Alkohol und destilliertes Wasser, sind übrigens auch die erste Wahl, wenn nicht Leitungswasser sondern irgendetwas mit Zucker oder Farbstoffen in das Gerät gekommen ist: Cola, Tee, Wein – ganz egal. Diese Dinge hinterlassen furchtbare Rückstände, pures Gift für die Elektronik. Und da heißt es wirklich: nachspülen. Aber, wie gesagt: Iso-Alkohol oder auch destilliertes Wasser, das Handy darin baden, das ist schon was für Wagemutigere.

Und für absolute Chemie-Freaks, kann man schon sagen. Und wenn ich das nun tatsächlich nicht bin, was dann?

Dann gibt es für Menschen wie dich und mich spezielle Dienstleister, die das übernehmen. Das sind manchmal die Elektro-Läden um die Ecke, aber auch im Netz findet man solche Portale, die extra darauf spezialisiert sind, nach Wasserschäden dein Gerät zu retten. Die können das wirklich besser als jeder Laie. Und man muss wirklich sagen, preislich ist das meistens immer noch sehr viel günstiger als Neuteile.

Und das Gerät einfach einschicken an den Hersteller und auf Garantie pochen?

Du kannst es probieren, aber deine Chancen stehen vermutlich nicht sonderlich gut. Im Inneren der Geräte kleben kleine Aufkleber, die sich bei Feuchtigkeit verfärben. In der Regel dann irgendwie rosa oder lila, da sind dann so kleine Xe zu sehen. Die zeigen jedem Techniker: hier gab es mal einen Wasserschaden. Und ab dem Moment ist sämtliche Garantie dahin.

Jetzt gibt es auch Fälle – man liest das immer mal wieder – wo diese Aufkleber im Inneren sich sehr früh verfärbt haben. Zum Beispiel: jemand ist in den Regen gekommen, hatte das Handy in der Hosentasche, das Gerät ist ein bisschen klamm geworden und dann hat sich das Ding halt verfärbt. Da muss man vielleicht ein bisschen diskutieren und auf Kulanz hoffen.

Handy im Wasser – die Tipps im Schnelldurchlauf

  1. Akku raus oder Gerät ausschalten.
  2. Alle Speicherkarten raus.
  3. Ab sofort das Gerät nur noch mit dem Display nach oben halten: damit das Wasser nicht an das Display läuft.
  4. Alles auseinanderbauen, was geht.
  5. In Reis oder noch besser Trockenmittel (Beutel mit Silizium) einlegen und einige Tage trocknen lassen.
  6. Nach ein paar Tagen versuchen, das ganze wieder anzuschalten.
  7. Bringt es nichts, das Gerät gut und ausführlich in Alkohol oder destilliertem Wasser baden. (Keine falsche Zurückhaltung: nass war das Gerät ohnehin, nur sorgen andere Flüssigkeiten als reiner Alkohol oder destilliertes Wasser für Korrosion)
  8. In jedem Fall: die Garantie ist weg!

Ob man gewonnen hat, weiß man erst nach ein paar Monaten: weil man dann sicher sein kann, dass auf der Platine nirgendwo etwas korrodiert hat.

Wenn man all das aber berücksichtigt, stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass das Gerät danach wieder läuft.