Fortschritt | Wie gut funktioniert denn mobiles Bezahlen bereits?

22.10.2013

Mit Handy oder Tabletcomputer unterwegs zu bezahlen ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Wie praktikabel die Technik im heutigen Alltag ist, hat Maik Klotz zwei Wochen lang im Selbstversuch getestet.

In manchen Cafés ist es schon möglich, mit dem Handy zu bezahlen. Foto: litouch flikr.com

ist unter anderem Fachjournalist für Mobiltelefon-Entwicklung.Maik Klotzist unter anderem Fachjournalist für Mobiltelefon-Entwicklung. 

Wenn man in einem Café oder beim Bäcker bezahlt, macht man das in der Regel mit Bargeld oder EC-Karte. Mittlerweile kann man theoretisch auch mit dem Smartphone oder Tabletcomputer bezahlen, praktisch ist das aber noch längst nicht überall möglich.

Theoretisch kann man mit dem Handy zahlen

Per Apps, Add-Ons oder „Near Field Communication“, kurz NFC, könnte das Bezahlen schon bald revolutioniert werden. Bis die Technik jedoch im Alltag angekommen ist, scheint es noch eine Weile zu dauern.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Maik Klotz hat in einem Selbstversuch zwei Wochen versucht, ausschließlich mobil zu bezahlen. Wie das so genannte Mobile Payment funktioniert und wie er die zwei Wochen erlebt hat, hat er uns im Interview geschildert.


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+++ Das Gespräch zum Mitlesen +++

Wie gut kommt man denn im Alltag zurecht, wenn man ausschließlich mobil bezahlen kann?

Die positive Formulierung dazu wäre mittelgut, also eigentlich kommt man gar nicht zurecht. Wenn man sich wirklich auf Apps oder kontaktloses Zahlen via NFC verlassen möchte, dann sieht das noch sehr, sehr mau aus. Das hat verschiedene Gründe, das liegt gar nicht so sehr an der Verbreitung draußen beim Händler. Dort findet man sehr oft die Möglichkeit der kontaktlosen Bezahlmöglichkeit. Hier ist es aber so, dass sowohl die Personen, die hinter der Kasse stehen nicht wissen, wie das Bezahlen kontaktlos funktioniert und letztendlich weiß auch der Endanwender gar nicht, dass er eine EC – oder Kreditkarte zu eigen hat, die dieses Bezahlen heute ermöglicht.

Wenn ich Sie frage, in welchen Fällen Ihr Versuch zum Problem geworden ist, dann werden Sie sagen, wahrscheinlich fast immer. Das höre ich jetzt schon raus. Wo hat sich das ganz besonders bei Ihnen gezeigt?

Es hat sich eigentlich ganz besonders gezeigt, wenn ich im Restaurant bezahlen wollte, bei einer großen Kette. Die bieten das kontaktlose Zahlen heute schon an. Da war es tatsächlich so, dass die Kassierer und Kassiererinnen meistens nicht in der Lage waren, den Bezahlvorgang einzuleiten. Oder aber, das kam ebenfalls genauso häufig vor, dass die Technik schlichtweg gestreikt hat. Weil es müssen bestimmte technische Voraussetzungen geschaffen sein, eine bestehende Internetverbindung usw. Und das hat dann einfach nicht funktioniert. Ich hatte eine schöne Geschichte an der Tankstelle, die das kontaktlose Bezahlen angeboten hat. Ich habe also mein Portemonnaie herausgeholt und es einfach nur an das Gerät gehalten. Ich musste ihr dann erklären, wie das Gerät funktioniert. Sie hat dann den Bezahlvorgang auch einleiten können, hat sich dann aber danach mein Nummernschild notiert, weil sie sich nicht sicher gewesen ist, ob das alles mit rechten Dingen zuging, da ich schließlich ja keine Kreditkarte oder EC durch das Terminal gezogen habe.

Also man sieht schon, das ist noch sehr sehr ausbaufähig, um es mal nett zu sagen. Wie konnten Sie denn dann solche blöden Situationen wie zum Beispiel im Restaurant auffangen?

Naja gut, ich hatte mir selber als Regel gemacht, dass ich auf keinen Fall bar bezahlen werde. Und auch nicht mit der normalen EC-Karten Funktion, nicht wahr? Ich war zu dem Zeitpunkt mit meinem Bruder unterwegs, der musste dann immer herhalten und für mich einspringen. Das hat dazu geführt, dass er das dann später als Masche mir vorgeworfen hat. Ich hätte das extra machen wollen. Ich habe ihm natürlich das Geld dann jedes Mal wiedergegeben. Aber selbst das Überweisen per Smartphone oder per Mobiltelefon ist ja heute auch nicht so wirklich charmant möglich. Man spricht von der sogenannten „Peer to Peer“-Zahlung. Also wenn ich Ihnen Geld mit dem Smartphone überweisen will, dann kann das schon eine kleine Herausforderung sein. Es gibt hier Apps, die das unterstützen, aber komfortabel ist das alles noch nicht.

Wie genau soll dann Mobile Payment eigentlich funktionieren?

Am besten mit so wenig User-Interaktion wie möglich. Wenn ich mir anschaue, wie wir heute bezahlen, sei es jetzt bar oder mit EC-Karte, dann ist das alles relativ problemlos möglich. Ich ziehe meine EC-Karte, sehe das Terminal, gebe meine PIN ein und bin fertig. Da ist jetzt ein Vorgang der per se schon sehr vereinfacht ist. Deswegen ist es schwierig, wenn heute Apps auf den Markt kommen, die diesen Vorgang letztendlich komplizierter gestalten. Das heißt, es gibt eine große Lebensmittelkette, die bietet die Möglichkeit mit einer speziellen App zu bezahlen. Ich muss erst das Smartphone herausholen, ich muss es entsperren, ich muss die App starten, ich muss mich in der App oft noch einmal authentifizieren, dann den Bezahlvorgang einleiten und das alles an der Kasse, während hinter ihnen drei, vier Leute stehen, die vielleicht noch zwei kleine Kinder an der Hand haben. Das muss alles letztendlich viel viel einfacher gehen.

Welche Vorteile kann denn das kontaktlose Bezahlen dem Nutzer bieten, wenn es denn mal funktionieren würde?

Naja, wir haben auf der einen Seite natürlich den Geschwindigkeitsvorteil. Es ist natürlich so, dass wenn ich meine Karte nur noch dranhalte und ich mich nicht mehr authentifizieren muss, dann ist das natürlich ein schneller Vorgang. Wenn wir jetzt einmal vom kontaktlosen Bezahlen absehen und wir einmal die App-Welt anschauen, dann kann ich natürlich sogenannte Mehrwertdienste daran anbinden. Ich kann zum Beispiel dem Anwender seinen Einkauf, den er gerade getätigt hat, in Form einer Einkaufsliste zukommen lassen. Den elektronischen Kassenzettel zum Beispiel. Das sind natürlich Möglichkeiten, die ich, wenn ich mit EC- Karte einfach so bezahle, nicht habe. Hier muss ich mir meinen Kassenzettel, wenn ich hier in den großen Elektronikfachgeschäften einen Fernseher gekauft habe, den muss ich abheften, beiseite legen – dass könnte alles automatisch gehen.

Und können Sie sich nach Ihrem Versuch vorstellen, dass Mobile Payment irgendwann, ich betone irgendwann, doch noch einmal zum ausschließlichen Zahlungsmittel und Bargeld ein Relikt der Vergangenheit werden wird?

Wenn wir uns mal anschauen, wie lange es das Bezahlen mit der EC- und Kreditkarte gibt und wenn wir uns darüber hinaus anschauen, wie viel wir heute noch bar bezahlen, dann ist es schwierig oder momentan zumindest schwer denkbar, dass wir kurzfristig nur noch mobil bezahlen. Mittelfristig mache ich auch ein Fragezeichen da dran, langfristig bestimmt. Und dann muss man sich natürlich die Frage stellen: mobile Payment – wie bezahle ich damit? Zahle ich dann tatsächlich mit dem Smartphone oder zahle ich dann vielleicht irgendwann nur noch biometrisch, mit zum Beispiel meinem Fingerabdruck. Das sind natürlich Sachen, bei denen ich denke, ja, das ist denkbar. Bis wir da sind, ist aber noch ein langer Weg.