Gefahr von Wahlmanipulation

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02.09.2016

In den USA wächst die Sorge vor einer Wahlmanipulation. Das amerikansiche Wahlsystem ist anfällig für Cyberattacken. Wie sieht die Situation in Deutschland aus?

Cyberattacken im Trend

Weltweit werden immer mehr Prozesse digitalisiert und damit potenzielle Opfer von Cyberangriffen. Neben Banken, Kreditkarteninstituten und Cloud-Anbietern gerät nun auch vermehrt die Politik ins Visier von Angreifern. Vor allem die USA sehen sich in den letzten Wochen mit Attacken konfrontiert.

So wurden kurz vor dem Parteitag der Demokraten im Juli Tausende E-Mails der Parteispitze gehackt und auf der Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlicht. Sie sollen zeigen, dass im parteiinternen Kampf um die Präsidentschaftskandidatur Hillary Clinton ihrem Herausforderer Bernie Sanders von Anfang an vorgezogen wurde. Das Clinton-Lager machte anschließend Russland für die Attacke verantwortlich.

Neues Ziel: Wahlmanipulation

Ein weiterer Angriff erfolgte auf die Wahlsysteme der amerikanischen Bundesstaaten Arizona und Illinois. Dort haben Hacker versucht, Zugriff auf das Wählerverzeichnis zu erhalten. Das FBI fordert nun einen verstärkten Schutz der Computersysteme. In den USA wächst die Sorge vor einer möglichen Manipulation der Präsidentschaftswahlen im November.

Im Gegensatz zu Deutschland setzen einige Bundestaaten in den USA zudem auf elektronische Wahlmaschinen. Vor allem veraltete Modelle gelten als unzuverlässig und manipulierbar. Das Bundesverfassungsgericht verbot 2009 den Einsatz von Wahlmaschinen in Deutschland.

Analog ist sicher

Damals hatten die Kläger bemängelt, dass „die Ergebnis-Feststellung mit diesen Geräten […] einer geheimen Auszählung“ gleichkomme und die „öffentliche Kontrolle der Erfassung und Dokumentation der Stimmenabgabe“ durch die Bauart der Geräte unmöglich gemacht werde.

Das Urteil bezieht sich jedoch nur auf die Wahlmaschinen eines bestimmten Herstellers. Der zukünftigen Verwendung von elektronischen Wahlhelfern in Deutschland ist somit nicht grundsätzlich ein Riegel vorgeschoben.

Noch geben die Bürger bei Wahlen ihre Stimme auf Zetteln in Papierform ab. Das macht eine elektronische Wahlmanipulation umöglich.

Papier und Stift kann ich nicht hacken und auch das Auszählen kann ich nicht hacken. Das ist ein vollständig undigitalisiertes System und damit auch vollständig hackersicher. – Sandro Gaycken, IT-Experte

Über die Möglichkeit einer Wahlmanipulation durch Cyberangriffe in Deutschland hat detektor.fm-Moderatorin Sara Steinert mit Sandro Gaycken gesprochen. Er ist IT-Experte für Cyber Defence an der European School of Management and Technology in Berlin.

Computersicherheitsexperte vom Digital Society Institute, ESMT in Berlin.Wahlcomputer bleiben uns in Deutschland zum Glück wohl noch eine Weile erspart. Sandro Gaycken ist IT-Experte für Cyber Defence an der European School of Management and Technology in Berlin. 

Redaktion: Jonathan Gruber