Was wichtig wird | Hackbacks und Cyberkrieg

Das Ministerium hackt zurück

24.07.2018

Infrastruktur ist immer ein strategisches Ziel im Krieg. Deshalb ist auch das Internet Zielscheibe von Angriffen. Wie soll und wie kann ein Staat reagieren, wenn er von Hackern attackiert wird? Bundeswehr, NATO und EU bereiten sich auf den Cyberkrieg vor.

Digitalgipfel

Hackbacks – militärische Antwort auf Hackerangriffe

Die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium wollen Kapazitäten für so genannte Hackbacks, also für Gegenangriffe, aufbauen. Aktuell geht es dabei allerdings erst einmal darum, Angriffe abzuwehren. So soll Deutschland für Attacken auf die staatliche Infrastruktur vorbereitet sein. Zum Beispiel auf den Regierungshack Anfang des Jahres. Allein die Nachverfolgung der Eindringlinge bedeutet schon enormen Aufwand. Und eine schnelle Reaktion ist nicht immer möglich:

Man muss immer rauskriegen: Was passiert überhaupt? Wo kommt das her? Und dann fängt es überhaupt erst an, richtig schwierig zu werden. – Jürgen Kuri, Chefredakteur von heise online

Ein weiterer Knackpunkt ist die Zuordnung – die so genannte Attribution. Selbst die Ermittler in den USA, die den Einfluss von Hackern auf die US-Wahlen 2016 verfolgen, sind sich zwar sicher: Russland hat die Angriffe in Auftrag gegeben. Aber stichhaltige Beweise haben sie bislang nicht vorgelegt.

Alle tun es

Derweil rüsten alle Staaten im Netz auf. Um Krieg auch auch informationeller Ebene führen zu können.

Klar ist, dass jeder Staat Cyberkriegs-Kapazitäten aufbaut. Um zum Beispiel in Systeme eindringen zu können. – Jürgen Kuri

Dabei stehen die Verantwortlichen schon wieder vor gleich mehreren Problemen: Ab wann handelt es sich um Spionage? Und ab wann um echte kriegerische Handlungen? Darauf versuchen die internationalen Bündnisse wie EU, NATO und G7 eine Antwort zu finden. Die Auffassungen beim Thema Cyberkrieg gehen dabei durchaus auseinander.

Die Probleme beim Zurückhacken

Echte Hackbacks, also eigene Attacken als Gegenschlag, sind zudem nicht nur rechtlich umstritten. Sie müssen auch lange vorbereitet werden. Zudem stehen Bedrohungen durch andere Weltmächte im Vordergrund. Das gilt für die Berichterstattung ebenso wie für die Begründung, warum für den Cyberkrieg aufgerüstet wird. Dabei verüben auch die westlichen Länder Angriffe.

Man erfährt immer von den Cyberwar-Aktivitäten in China, Russland und Nordkorea. Dass die NATO-Staaten sowas auch machen, wird meistens ein bisschen unter der Decke gehalten. – Jürgen Kuri

Spektakulärstes Beispiel ist sicher der Trojaner, der iranische Atom-Zentrifugen lahmlegte. Ähnlich große Cyberattacken können künftig auch echte militärische Auseinandersetzungen bedeuten. Bisher blieb uns eine solche aber erspart.

Die Bundeswehr will mit Hackbacks auf Cyberattacken antworten können.Einen richtigen Cyberwar gab es bislang noch nicht. Das würde tatsächlich eine militärische Auseinandersetzung bedeuten, die dann in den Netzen stattfindet. Und darüber hinaus geht.Jürgen Kuri ist stellvertretender Chefredakteur bei heise online. 

detektor.fm-Moderator Christian Erll spricht mit Jürgen Kuri von heise online über die Frage, wann ein Cyberkrieg zum echten Krieg werden kann. Außerdem geht es um die noch ungelösten Probleme des autonomen Fahrens.


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