Hacker stellen Politiker-Daten auf Twitter

Angriff auf die Privatsphäre

04.01.2019

Über einen Twitteraccount sind persönliche Daten von Politikern und Prominenten ins Netz gelangt. Noch ist unklar, wer hinter dem Angriff steckt – und was das Motiv sein könnte.

Im Dezember begonnen, erst heute aufgedeckt

Hacker haben die privaten Daten hunderter Politiker, aber auch Prominenter wie Jan Böhmermann gestohlen und veröffentlicht. Mit ihrer Tat haben die Angreifer sogar das nationale Cyber-Abwehrzentrum zu einer Krisensitzung gezwungen. Bereits seit Anfang Dezember 2018 haben die Täter persönliche Informationen der Geschädigten, darunter auch Angela Merkel, über einen Twitteraccount verbreitet.

In Form eines Weihnachtskalenders sind jeden Tag Unmengen an Adressen, Handynummern, Personalausweise oder Kreditkarteninformationen im Internet aufgetaucht. Dabei seien die Hacker laut Medienberichten ohne klares System vorgegangen. Dem widerspricht jedoch Linus Neumann, Sprecher des „Chaos Computer Clubs“:

Insgesamt in dieser Auflistung an Daten gewinnt man schnell den Eindruck, dass hier über längeren Zeitraum sehr systematisch und akribisch vorgegangen wurde. – Linus Neumann, Sprecher des CCC

Hacker und Motive weiterhin unklar

Dass von allen Bundestagsparteien die AfD als Einzige nicht betroffen ist, lässt sich laut Neumann nicht zwingend als einen Hinweis auf die Täter verwenden. Des weiteren distanziert sich der Sprecher der größten europäischen Hackervereinigung von derartigen Angriffen auf die Privatsphäre. Diese entsprächen absolut nicht den Werten der Hackerethik, bei der es darum ginge, öffentliche Daten zu nutzen und private Daten zu schützen.

Diese Veröffentlichung von Daten ist ein ganz klarer Verstoß gegen unsere ethischen Prinzipien. Wir halten die persönlichen Daten von Menschen grundsätzlich für schützenswert. – Linus Neumann, Sprecher CCC

Die Verantwortlichen der Tat werden weiterhin gesucht. Laut dem Münchener Merkur hat sich die Bundesregierung zur Klärung nun auch an den amerikanischen Geheimdienst gewendet.

Über das Ausmaß des Angriffs und mögliche Motive, hat sich detektor.fm-Moderatorin Bernadette Huber mit CCC-Sprecher Linus Neumann unterhalten.

arbeitet als Sprecher beim Chaos Computer ClubPrimär betroffen sehe ich private Accounts, private Kommunikation, private E-Mail Accounts. Das heißt, ich gehe nach einer ersten Sichtung dieses umfassenden Materials erstmal nicht davon aus, dass Regierungsnetze infiltriert waren.Linus Neumannist Sprecher für den Chaos Computer Club 

Redaktion: Matthias Müller