Memes | Netzkultur vs. Urheberrecht

"Wir leben in einer Remix-Kultur"

08.09.2015

Socially Awkward Penguin, Success Kid und Advice Duck. Solche Memes sind die Running Gags des Internets und elementar für die Netz- und Popkultur. Sie verstoßen zeitgleich aber oft gegen das deutsche Urheberrecht. Das darf auf keinen Fall so bleiben, findet der Journalist Thilo Kasper. Warum das Urheberrecht eine Überarbeitung für das Netz braucht.

Ein Pinguin verbreitet sich als Meme Socially Awkward Penguin durchs Netz. Er wird er geteilt, verändert und verfremdet. Auch ein deutscher Blog greift den Pinguin auf – und wird von der Bildagentur Getty Images abgemahnt.

Dabei ist der Pinguin im Netz schon seit Jahren Symbol für peinliche Alltagssituationen – und wurde weltweit bereits millionenfach verbreitet. Die Abmahnung zeigt: In Deutschland befinden sich die digitalen Running Gags mindestens in einer rechtlichen Grauzone.

Memes: Internet und Popkultur in a nutshell

Memes wie der Pinguin sind eine ureigene Kunstform des Internets – und die Netzgemeinde ihre Künstler. Der Reiz der Memes besteht im kreativen Umgang mit dem Ursprungsmaterial. In sozialen Netzwerken oder Plattformen wie 9gag, 4chan oder reddit entstehen sie eher spontan, entwickeln dann aber eine dem Internet ganz eigene Dynamik.

Denn trifft ein Meme erst einmal den Nerv und Humor der Netzgemeinde, gibt es schnell zahllose neue Variationen im Netz – und Variationen der Variation.

Das Meme gehört der Netzgemeinde und das sollte auch jeder teilen dürfen. In Deutschland kann das aber noch nachverfolgt werden. – Thilo Kasper, Journalist und Meme-Experte

„Fair use“ in USA, Urheberrecht in Deutschland

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In den USA ist so eine Verwendung möglich, weil die Fair-Use-Regelung solche nicht-kommerziellen Nutzungen und Variationen erlaubt. Für ein vergleichbares Remix-Recht in Europa setzt sich daher nicht nur die EU-Abgeordnete der Piratenpartei Julia Reda ein.

Auch die Intiative Recht auf Remix fordert eine Neuregelung des Urheberrechts, um der Netzkultur auch in Deutschland gerecht zu werden.

Wir leben in einer Remix-Kultur. Ein Großteil der Welt kann daran auch rechtlich mitmachen. Es ist ein kulturelles Problem, wenn wir in Deutschland an einer weltweiten Popkultur nicht mitmachen dürfen, weil wir verklagt werden. – Thilo Kasper, Journalist und Meme-Experte

Über den Widerspruch zwischen internationaler Netzkultur und deutschem Urheberrecht hat detektor.fm-Moderator Hendrik Kirchhof mit Thilo Kasper gesprochen. Der Journalist beschäftigt sich unter anderem  in „15 Minutes of Fame“ mit Memes und Popkultur im Netz.

ThiloKasper-c-nawaz-kleinLangfristig bin ich sehr hoffnungsvoll, weil die Generation der Unter-30-Jährigen so natürlich mit Remix-Kultur aufwächst, dass es langfristig sicher eine Veränderung im Urheberrecht geben wird.Thilo Kasperwurde auch schon als "Mr. Meme" bezeichnet. 

Redaktion: Sandro Schroeder