Play
Herkömmliche Radios können die Mittelwelle, meist als AM für Amplitudenmodulation abgekürzt, noch empfangen. Ab 2016 ist damit zumindest in Deutschland Schluss. Foto: Dad’s Radio. CC BY 2.0 | Alan Levine / flickr.com

Mittelwelle wird abgeschaltet

Ende einer hundertjährigen Radiogeschichte

Die Mittelwelle wird abgeschaltet. Bis zum 31. Dezember 2015 werden jetzt auch die letzten Frequenzen eingestellt. Dann ist Ruhe auf der Mittelwelle. Schuld ist eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2012. Ein Rückblick auf fast 100 Jahre Radiogeschichte.

Langes Siechtum der Mittelwelle

Die Mittelwelle gehört wie die Antenne zum Radio. Aber genauso wie ausziehbare Drahtkonstruktionen bald komplett der Vergangenheit angehören könnten, stirbt die Amplitudenmodulation aus. In einem Nachruf würde vermutlich etwas wie „nach langer Krankheit von uns gegangen“ oder ähnliches stehen. Fast 100 Jahre lang ist die Mittelwelle Übertragungsweg für das Radio gewesen. 1923 ist über sie auf Welle 400 das erste deutsche Hörfunksignal überhaupt ausgestrahlt worden.

EU fällt „Todesurteil“

Ende 2015 ist nun in Deutschland Schluss. Denn eine EU-Richtlinie von 2012 sieht vor, dass alle analoge Rundfunksignale eingestellt werden. Nachdem mehrere öffentlich-rechtliche Anstalten bereits ihre Frequenzen eingestampft haben, kommt nun auch das Ende für die letzten verbliebenen Mittelwellensender des Deutschlandfunks.

Auch die meisten Sendemasten sind bereits abgerissen worden. Der Sendebetrieb hat viel Energie gekostet und ist deshalb zu teuer geworden. Manch ein Sendemast verbraucht zwei Megawatt und mehr. Die frei werdenden finanziellen Ressourcen sollen hauptsächlich für die Etablierung und den Ausbau des umstrittenen Digitalradios, DAB + genutzt werden.

In Europa passé, woanders Alltag

In Australien, Nord- und Südamerika und auch in den Balkanstaaten erfreut sich die Mittelwelle jedoch noch immer großer Beliebtheit. Hauptgrund dürfte die größere Reichweite gegenüber den gängigen Ultrakurzwellen-Signalen (UKW) sein. Die punktet zwar mit besserem Stereoklang. Für den braucht man aber wesentlich mehr Sender, um die gleiche Fläche zu bespielen. In Sachen Reichweite lief die Kurzwelle (KW) der Mittelwelle bereits in der Nachkriegszeit den Rang ab, jedoch bei schlechterer Klangqualität.  So existierte die Mittelwelle irgendwo dazwischen weiter bis heute weiter.

In den 1960er Jahren benutzten niederländische und britische Radiomacher und Aktivisten den Übertragungsweg für die Ausstrahlung ihrer Piratensender, wie Radio Caroline. Sie haben mit ihren Sendern damals neuen Wind in die Radiolandschaft gebracht. Das ist vielleicht der letzte große Auftritt der Mittelwelle gewesen. Denn nach dem Ende der Piratensender ging es in Europa langsam aber sicher bergab mit der Mittelwelle.

detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt hat mit dem Hörfunkjournalisten und Rundfunktechniker Joachim Dresdner über die Geschichte der Amplitudenmodulation gesprochen. Sie ist lange auch sein berufliches zu Hause gewesen.

Achim Dresdner - für ihn liegt die Zukunft des Radios im Internet.

für ihn liegt die Zukunft des Radios im Internet.Foto: privat
Im Internet kann man sich grenzenlos – wie einst auf der Mittelwelle – die Vielfalt reinholen. Sie können alle musikalischen Färbungen und alle Informationen dort bekommen.Achim Dresdner
Ein Abgesang auf die Mittelwelle 07:09

Redaktion: Andre Beyer

Volles Programm, (aber) null Banner-Werbung

Seit 2009 arbeiten wir bei detektor.fm an der digitalen Zukunft des Radios in Deutschland. Mit unserem Podcast-Radio wollen wir dir authentische Geschichten und hochwertige Inhalte bieten. Du möchtest unsere Themen ohne Banner entdecken? Dann melde dich einmalig an — eingeloggt bekommst du keine Banner-Werbung mehr angezeigt. Danke!

detektor.fm unterstützen

Weg mit der Banner-Werbung?

Als kostenlos zugängliches, unabhängiges Podcast-Radio brauchen wir eure Unterstützung! Die einfachste Form ist eine Anmeldung mit euer Mailadresse auf unserer Webseite. Eingeloggt blenden wir für euch die Bannerwerbung aus. Ihr helft uns schon mit der Anmeldung, das Podcast-Radio detektor.fm weiterzuentwickeln und noch besser zu werden.

Unterstützt uns, in dem ihr euch anmeldet!

Ja, ich will!

Ihr entscheidet!

Keine Lust auf Werbung und Tracking? Dann loggt euch einmalig mit eurer Mailadresse ein. Dann bekommt ihr unsere Inhalte ohne Bannerwerbung.

Einloggen