Neue Datenbrille aus Deutschland

Handbuch auf der Nase

01.10.2014

Die Zukunft ist jetzt. Das zeigen die Forscher am Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Denn sie entwickeln eine Datenbrille, die schon bald Handbücher ersetzen soll.

Obwohl es Googles intelligente Gläser noch nicht auf den Massenmarkt geschafft haben, ist die Datenbrille des kalifornischen Internetkonzerns schon längst Alltag geworden. Verwunderung gibt es kaum noch und Zauberei ist das schon längst nicht mehr. Mit der Google Glass wird Internet-Technik noch eleganter mit dem Alltag vernetzt als bisher. Sie verschwimmt mit unserem Sichtfeld, die Elektronik bildet mit der Umgebung eine Einheit. Das, was in Wirklichkeit nicht da ist, liefert die Elektronik: den Wegweiser zum nächsten Postkasten etwa oder Eckdaten zum Baudenkmal vor einem. Augmented Reality (AR) heißt die Idee, erweiterte Wirklichkeit zu deutsch. Die machen sich nicht nur Navigationslösungen auf der Nase oder Reiseführer im Smartphone zu Nutze, auch Videospielentwickler haben das Konzept für sich entdeckt. Wenn die Realität nicht spannend genug ist, kann man schließlich ein bisschen dran schrauben.

AR: Nicht nur Spielerei

Augmented Reality ist also ein großer Spaß. Für Geeks, Nerds und Technikbegeisterte. Und künftig auch in der Industrie. Für die Wissenschaftler am Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern steht dabei ein Bereich im Vordergrund, der zugegebenermaßen nicht gerade der naheliegendste ist: Die Arbeit der Servicetechniker – jene, deren Aufgabe es ist, große und kleine, vor allem aber komplexe Maschinen in Ordnung zu bringen, die leider den Geist aufgegeben haben. Dafür sind normalerweise kiloschwere Handbücher von Nöten. Bis jetzt.

AR-Handbook_DFKIAus Sicht des BenutzersDie Datenbrille erkennt Objekte und zeigt, an welcher Stelle der Schraubenzieher angesetzt werden muss.  

Das AR-Handbook soll das Studieren solcher Werke künftig überflüssig machen. Einmal auf einem Server gespeicherte Arbeitsschritte können von der Brille abgerufen werden. Der Techniker sieht dann – durch die Gläser – wo er schrauben muss oder welche Kabel miteinander verbunden werden sollen. Die Objekte werden dabei von der Datenbrille erkannt.

Datenbrille kein Ersatz für echtes Handwerk

Die Idee dürfte nicht nur für Servicetechniker interessant sein. Büroangestellte können auf diese Art und Weise Handgriffe wie das Wechseln eines Druckertoners schnell selbst erledigen – Wegweiser zur Toneraufbewahrung inklusive. Auch die Einrichtung von Haushaltselektronik dürfte einfacher werden. Nur eines wollen die Forscher am DFKI in Kaiserslautern nicht erreichen: Echte Fachkräfte zu ersetzen. Eine unvorhergesehene Situation könnte so schnell unberechenbar werden. Der Tonertausch am Drucker kann warten, im medizinischen Bereich hätte das aber ernste Konsequenzen.

Das sieht auch Nils Petersen so. Er ist Leiter der Forschungsgruppe AR-Handbook. Wir haben mit ihm über sein Projekt gesprochen.

Nils_Petersen_DFKIWenn ein Krankenhause damit wirbt, das AR-Handbuch für Gehirn-OPs zu benutzen, würde ich Ihnen dringend raten, ein anderes Krankenhaus aufzusuchen.Nils Petersen ist Forschungsgruppenleiter am DFKI