Otfried Jarren über den Medienwandel

Gefahr für den professionellen Journalismus?

19.07.2018

In den Neuen Medien werden Nutzer selbst zu Produzenten. Einige bezeichnen diese Veränderungen im Ergebnis sogar als demokratischer im Vergleich zum professionellen Journalismus. Der Kommunikationswissenschaftler Otfried Jarren im Gespräch.

Informationen aus den Neuen Medien

Früher konnte man nur auf Zeitungen, die Fernsehnachrichten oder das Radio als Informationsquelle zurückgreifen. Heute gibt es durch das Internet vielfältigere Möglichkeiten. Immer öfter greifen wir auf Informationen aus den Neuen Medien wie Instagram, Facebook, Twitter und Co. zurück. Dabei konsumieren wir die Informationen nicht mehr linear, erklärt der Kommunikationswissenschaftler Otfried Jarren.

Das bedeutet, wir nehmen Informationen nicht mehr gebündelt auf und nur dann, wenn sie da sind. Stattdessen würden wir gezielt nach dem suchen, was wir wissen wollen. Das wirkt sich nach Otfried Jarren nicht nur auf die Gesellschaft aus, sondern auch auf den professionellen Journalismus.

Der professionelle Journalismus verliert an Kraft

Wie diese Auswirkungen aussehen, damit beschäftigt sich der Kommunikationswissenschaftler Otfried Jarren, der aktuell am Institut für Publizistik der Universität Zürich forscht. Aus seiner Sicht ist die Nachrichten- und Themenauswahl durch professionelle Journalisten nach wie vor wichtig.

Professionalität brauchen wir, um sichere, zuverlässige Informationen zu haben, die belastbar, vertrauenswürdig und glaubwürdig sind. – Otfried Jarren, Kommunikationswissenschaftler

Er sieht außerdem als problematisch an, dass sich diejenigen, die vermeintlich „eigene“ Inhalte produzieren, sich bloß an journalistischen Produkten bedienen. Diese werden in den Neuen Medien zur freien Verfügung bereitgestellt. Den traditionellen Medien fallen dadurch die Werbeeinnahmen weg. Auf Dauer können sie sich so nicht mehr finanzieren.

Inwiefern vor allem sogenannte „Intermediäre“ einen Einfluss auf die Veränderungen in unserer Gesellschaft haben und ob die neuen Medien wirklich demokratischer sind, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Sara Steinert mit Kommunikationswissenschaftler Otfried Jarren gesprochen. Für seine Forschung zu diesem Themengebiet wurde er in diesem Jahr mit dem Schader-Preis ausgezeichnet.

Otfried JarrenWir müssen immer wissen: Social Media ist mehr oder minder der größere Stammtisch. Ein privater wie öffentlicher Stammtisch. Das ist aber nicht Demokratie [...] mit dem Ziel, für alle oder für die Gesellschaft oder für die Gruppe gute Ziele zu finden. Otfried JarrenKommunikationswissenschaftler und Schader-Preisträger 

Redaktion: Marisa Becker