Fortschritt | SSD-Festplatten: Worauf es beim Kauf ankommt

17.04.2012

Sie sind extrem schnell und verleihen Computern einen Turbo: SSD-Festplatten. Zwar immer noch teurer als normale Festplatten, pegeln sich die Preise allmählich ein. Worauf es beim Kauf ankommt: ein paar Tipps.

Ziehen immer häufiger ins Innenleben unserer Computer ein: SSD-Festplatten. / © Daniel Rennen pixelio.de

Bei den Festplatten gibt es seit geraumer Zeit ja ein neues Lieblingskind auf dem Markt. Die SSD-Festplatten. Die sind unwahrscheinlich schnell – aber so richtig viel Platz haben sie noch nicht. Und das führt dazu, dass viele Nutzer eine Kombination fahren. Das Betriebssystem, aufwendige Spiele und große Programme landen auf der SSD – und werden von dort sehr schnell ausgeführt. Und die eigentlichen Daten, wie Musik, Filme, Dokumente usw., die landen auf einer herkömmlichen Festplatte. Und werden von dort nur geholt, wenn sie gebraucht werden.

SSD-Festplatten werden immer beliebter. Und folglich gibt es auch immer mehr von ihnen auf dem Markt – natürlich alle mit Top-Leistungsdaten. Doch oftmals werden die gar nicht erreicht, weil keine gute Technik verbaut ist. Worauf kommts also an, beim Kauf einer SSD – ein paar Tipps für Jedermann.

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Wenn ich mir bisher eine Festplatte gekauft habe, dann hab ich im Prinzip nach drei Sachen geschaut: wie groß ist die? Wie schnell dreht sie sich? Und, natürlich, was kostet sie? Gilt das alles bei SSDs

Wie groß sie ist und was sie kostet, das sind schon wichtige Punkte. Aber nach den Umdrehungen pro Minute, also wie schnell sie ist, da wirst du lange suchen müssen. Denn eine SSD besteht ja nicht mehr aus einer sich drehenden Scheibe mit dem Speicher drauf und einem Lesekopf obendrüber. Sondern aus lauter kleinen Speicherbausteinen, so als hättest du dutzende USB-Stickes nebeneinander gesteckt. Also: keinerlei Mechanik mehr, die da am werkeln ist. Das macht den Datentransport so unfassbar schnell. Aber: Platten sind noch relativ teuer und von den Größen her nicht mit unseren bisherigen Platten vergleichbar. Es macht aber, wie du richtig gesagt hast, durchaus Sinn, in kleinen mobilen leichten Laptops die zu installieren. Oder eben als Festplatte, von der nur die wichtigsten Programm ausgeführt werden. Umso wichtiger ist also die hier verbaute Technik.

Das heißt also, mit Blick auf die Daten die außen am Karton stehen ist es nicht getan?

Vollkommen korrekt. Entscheidend für die Frage, wie gut eine SSD-Festplatte ist, ist die Kombination aus Controller und Cache. Controller: das ist ein Chip, der den Datenfluss regelt, zwischen Prozessor und Arbeitsspeicher. Und Cache ist ein Hintergrundspeicher oder Zwischenspeicher. Man kennt das vielleicht so vom Surfen: eine Seite, die vor kurzem schonmal geladen wurde, die liegt im Cache und wird beim zweiten Mal viel schneller geladen. Sowas gibts mit Daten im Rechner eben auch. Und da heißt die erste Regel: nichts kaufen, was keinen eigenen Cache besitzt. Vor allem bei besonders billigen Modellen ist es oft so, dass die SSD-Festplatten keinen eigenen Cache mit an Bord haben. Das bremst die Festplatte unnötig aus.

Und das zweite, meintest du eben, sei der Controller…?

Genau. Ein guter Controller ist wichtig. Welche da was taugen, welche nicht: das können wir hier nicht aufzählen. Wir verlinken die aber im Online-Artikel. Zu den Controllern ist noch zu sagen: nur, weil da ein besonders Guter eingebaut wurde, ist die SSD jetzt nicht automatisch total super. Die Controller an sich sind nämlich recht billig. Und so kommt es, dass auch mal ein sehr guter Controller in einer sehr billigen SSD steckt. Und dann kommt es mitunter vor, dass der Controller da künstlich eingebremst ist, um den Preisabstand zu teuren Modellen einzuhalten. Also da heißt es: erst informieren, welcher Controller steckt drin? Welcher ist gut? Und dann die Leistungsdaten prüfen. Wie gesagt: ausführliche Infos dazu verlinken wir.

Kann ich denn grundsätzlich jede SSD in jeden Rechner einbauen?

Ja, im Prinzip schon. Aber es gibt ein paar Punkte, wo man potentiell Leistung verschenkt und wo das einfach keinen Sinn macht. Also: Festplatten haben ja einen eigenen Anschluss, SATA heißt der. Und da gibt es SATA II und da gibt es SATA III. SATA III ist doppelt so schnell wie SATA II. Und jetzt muss man also schauen: was unterstützt mein Rechner. Wobei ich trotzdem immer dazu raten würden, eine SSD zu kaufen, die auch schon SATA III kann. Warum? Erstens kann SATA III auch an einem SATA II – Steckplatz total gut arbeiten. Zweitens ist der Preisunterschied zwischen beiden marginal und gering. Und drittens: wenn man später mal aufrüstet oder sich einen komplett neuen Rechner kauft, dann kann man SATA III gleich mitnehmen. Also da die paar Euro vielleicht nicht sparen.

Und die Festplatte läuft auch gut mit jedem Betriebssystem?

Im Prinzip schon, ja. Mit Windows XP läufts sich nicht so richtig gut, aber es geht schon auch. Aber mit Windows 7 passt das echt gut zusammen. Weil Windows7 mit den Speicherblöcken dieser SSD-Festplatten viel besser. Die Speicherblöcke haben nur eine begrenzte Anzahl an Schreibvorgängen, die sie aushalten. Also irgendwann sind die erreicht und dann fallen die Blöcke so nach und nach aus. Heißt also auch, mit der Zeit wird so eine SSD weniger leistungsfähig. Und Windows 7 hat da eine Funktion an Bord, Trim-Befehl nennt sich das, dass da viel effektiver arbeitet. Heißt für mich als Käufer natürlich wiederum: wenn ich Windows 7 habe und mir eine SSD ausgeguckt habe, muss ich auch mal nachschauen, ob da diese Trim-Unterstützung an Bord ist.

Wenn die nur eine begrenzte Anzahl an Schreibvorgängen haben: sollte ich als Nutzer mich denn da auch zurückhalten mit dem Bewegen von Daten?

Ja, klingt ein bisschen albern, aber es ist wirklich was dran: je intensiver man eine SSD benutzt – also Daten darauf speichert, löscht, verschiebt – desto eher wird sie unbrauchbar. Von den normalen Festplatten unter Windows kennen wir ja diese Funktion „Defragmentieren“. Also immer, wenn der Rechner etwas schwerfälliger wurde, hat man das gemacht, und dann hat das diese bunten kleinen Bausteine auf dem Monitor neu zusammengeschoben. Defragmentieren hat also dafür gesorgt, dass Daten, die zusammengehören, aber auf diesem runden magnetischen Festplattenspeicher sehr weit voneinander entfernt liegen, dass die schön nebeneinander gepackt wurden.

Bei SSD brauchen wir das überhaupt nicht, weil die einzelnen Speicherbausteine die Daten ja unendlich schneller transportieren. Im Gegenteil: das Defragmentieren ist Gift für die SSD. Also: unter Windows heißt es, Defragmentieren ausschalten. Und auch diese „Indizierung“ des Laufwerks. Indizieren ist eine Funktion, die immerzu Ausschau hält, ob irgendwelche neuen Dateien reinkommen. Dann schreibt das die in so eine Liste. Das ist für die Suchfunktion unter Windows sehr wichtig. Brauchen wir ebenfalls nicht unter SSD. Also: Defragmentieren und Indizieren abschalten.

Und der Einbau selbst? Ist der schwer?

Nee, nicht wirklich. SSD haben ein kleineres Gehäuse, 2,5 Zoll nämlich, als die üblichen Festplatten mit 3,5 Zoll. Aber die kommen meist mit so einem fertigen Einbaurahmen, so einer Art Adapter. Das lässt sich dann total einfach in den bestehenden Schacht einbauen.