Was wichtig wird | EU-Urheberrechtsreform

Wirklich zufrieden ist keiner

15.01.2019

Das EU-Parlament hat die neue Urheberrechtsreform verabschiedet. Jetzt wird über den genauen Gesetzestext diskutiert. Wie die Reform das Internet beeinflusst, erklärt Jürgen Kuri von heise online.

WWDC

Die letzte EU-Urheberrechtsreform stammt aus dem Jahr 2001. Das zählt fast noch zu der Zeit vor dem Internet. Mit der aktuellen Reform sind aber weder Nutzer noch Konzerne oder Verleger so ganz zufrieden.

Artikel 11 – Das Leistungsschutzrecht

Ein Leistungsschutzrecht gibt es in Deutschland seit 2013. Hier ist es Unternehmen wie Google News erlaubt, einzelne Wörter und kleinste Textabschnitte aus Artikel bei den Suchergebnissen anzuzeigen. Auf EU-Ebene soll das Leistungsschutzrecht jetzt so weit gehen, dass Elemente aus Artikeln nur noch gegen eine Honorierung angezeigt werden dürfen. So ist es aktuell schon in Spanien, wo sich Google News bereits zurückgezogen hat. Auch Verlinkungen könnten unter das neue, EU-weite Leistungsschutzrecht fallen und somit kostenpflichtig werden. Denn URLs enthalten oft schon die Überschrift für die Artikel.

Warum man glaubt, dass es [EU-weit] erfolgreich sein kann, das erschließt sich mir nicht wirklich. – Jürgen Kuri, Chefredakteur heise online.

Artikel 13 – Honorierung von Urhebern

Dass dieser Artikel unter dem Stichwort „Upload-Filter“ diskutiert wird, ist eigentlich schon das Problem, sagt Jürgen Kuri. Im Artikel 13 ist von Upload-Filtern nicht die Rede. Hier soll lediglich geregelt werden, dass Schöpfer von Inhalten von den Portalen, auf denen ihre Inhalte zur Verfügung gestellt werden, angemessen honoriert werden. Das geschieht zum Teil auch schon. Plattformen wie Spotify oder YouTube zahlen Lizenzgebühren an die Urheber. Dafür nutzt Google das System Content ID, das honorierungspflichtige Inhalte erkennen kann. Allerdings ist dieses System noch fehleranfällig.

Google sperrt Huawei ausDas ist ein völliges Durcheinandern geworden, in dem berechtigte Interessen untergehen und auch die Diskussion untergeht, wie solche Interessen durchgesetzt werden könnten. Wie das vernünftig aussehen könnte, dass Urheber tatsächlich für ihre Sachen richtig honoriert werden. Jürgen KuriChefredakteur von heise online, über die Diskussion der EU-Urheberrechtsreform 

Wie der Streit um das Urheberrecht für alle Seiten gerecht ausgehen könnte, erklärt Jürgen Kuri von heise online im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Anja Bolle.


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