Was wichtig wird | Rundfunkstaatsvertrag: Ende für Let’s Plays?

TV vs. Internet

27.06.2017

Wer Gamern über die Schulter schauen will, klickt einfach auf die Let's Plays von Gronkh, PietSmith und Co. Die Medienaufsicht bewertet das als Rundfunk und will dafür eine Lizenz sehen. Schlägt jetzt das Fernsehen zurück?

Dienstags sind die Digitalthemen unser Thema. Graphik WIRED Germany | detektor.fm

Teil des Spiels

Beim „Let’s Play“ kommt es darauf an, dass Spielerinnen und Spieler ihre Züge durchweg moderieren beziehungsweise kommentieren. Wie gut sie oder er sich dabei anstellt, bestimmt wie viele Zuschauer am Ende einschalten. Die Let’s Plays können entweder auf Plattformen wie youtube veröffentlicht oder gleich live auf Plattformen wie Twitch gespielt werden. Welches Spiel gespielt wird, bleibt jedem selbst überlassen. Zu den erfolgreichsten Gamern gehören Gronkh und PietSmiet. Ihre Fangemeinde wächst täglich. Das wirkt sich gelichzeitig positiv auf die Werbeeinnahmen aus. Die erfolgreichen Stars der Szene leben davon.

Let’s Plays haben Fernsehstatus

Doch nun könnte es den Publikumslieblingen an den Kragen gehen, zumindest wenn es um Liveübertragungen geht. Bereits im März diesen Jahres hatte die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Medienanstalten ein Auge auf erfolgreiche Gamer geworfen. Denn sie erfüllen die Bedingungen, um als Fernsehsender zu gelten. Dazu gehört unter anderem eine regelmäßige Übertragung und eine redaktionalle Vorbereitung. Aber auch die Zuschauerzahl spielt eine Rolle oder zumindest die potentielle: Jeder der mehr als 500 Menschen erreichen könnte, kann als Rundfunkveranstalter gelten. Das bedeutet, die Gamer brauchen laut Rundfunkstaatsvertrag für ihre Liveübertragungen eine Lizenz. Diese kostet Geld.

Für erfolgreiche Spieler wie Gronkh oder PietSmiet dürfte so eine jährliche Gebühr bezahlbar sein. Doch Anfängern könnte so die Möglichkeit genommen werden, selbst einmal erfolgreiche „Let’s Plays“ zu produzieren. Ihnen fehlt quasi die Startmöglichkeit.

StreamingDas einzige, was im Endeffekt bleibt, ist nicht regelmäßig zu streamen. Aber so ist es schwer eine Fangemeinde aufzubauen.Dominik Schönlebenmacht sich mehr Sorgen um die kleinen "Let's Player". 

Angeschwärzt

Doch wer nun einfach den Medienanstalten die Schuld gibt, macht es sich möglicherweise zu einfach. Erst einmal gehen diese Behörden nur ihrer Pflicht nach. Und das passiert nur, wenn jemand Beschwerde einlegt. Das kann jeder auch anonym machen. Sobald das geschehen ist, muss die Kommission reagieren. Selbst wenn es sich dabei um einen Spieler mit gerade mal zehn Abonnenten handelt.

Über die Konsequenzen für „Let’s Plays“ und Möglichkeiten der Spieler sich zu wehren, hat detektor.fm-Moderatorin Carina Fron mit Dominik Schönleben von WIRED Germany gesprochen.


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