Aktion für Frauenrechte | Abtreibung in Polen

"Die Illegalität ändert nichts am Bedarf"

03.07.2015

Eine Abtreibung ist für Frauen im katholischen Polen kaum möglich. Darauf hat die Organisation "Women on Waves" spektakulär aufmerksam gemacht. Mit einer Drohne haben die Aktivistinnen Abtreibungspillen über die deutsch-polnische Grenze geflogen.

Es geht auch darum, den Frauen zu zeigen: sie sind nicht alleine. – Sarah Diehl

Proteste und Ermittlungen

Abtreibungspillen aus der Luft – die Aktion hat ihr Ziel erreicht: Öffentlicheit. Die Aktivistinnen steuerten die Drohne von Frankfurt an der Oder aus in das polnische Slubice, dort nahmen zwei Frauen die Medikamente direkt.

Mit der Aktion möchte „Women on Waves“ auf das dortige Abtreibungsverbot aufmerksam machen. Auf polnischer Seite wurde sie von Protesten begleitet, in Deutschland ermittelt die Polizei. Es werde ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz geprüft. Die Organisation sieht keinen Gesetzesverstoß, der Flug sei legal gewesen und die Arzeneimittel auf die beiden Frauen verschrieben.

Abtreibung in katholischen Ländern

Schwangerschaftsabbrüche sind in Polen nur legal, wenn eine Vergewaltigung bewiesen werden kann oder der Fötus ohne Zweifel schwer deformiert ist. Dennoch bieten Ärzte illegale Abtreibungen zu hohen Preisen und unter gefährlichen Zuständen an. Wer es sich leisten kann, lässt den Eingriff im Ausland vornehmen. Ein Missstand, auf den die Aktion eine breite Öffentlichkeit aufmerksam machen soll.

Frauen, die abtreiben wollen, werden in Polen mit vielen Problemen und hohen Kosten konfrontiert. – Sarah Diehl

In drei europäischen Ländern ist eine Abtreibung noch immer illegal. Neben Polen sind das Malta und Irland – alle drei sind stark katholisch geprägt.

Über den Drohnenflug von Women on Waves sprach Karolin Döhne mit Sarah Diehl. Die Autorin und Dokumentarfilmerin engagiert sich für das Entscheidungsrecht von Frauen.

Foto: detektor.fm.Die Illegalität von Schwangerschaftsabbrüchen in Polen ändert nichts an ihrem Bedarf. Sarah Diehlengagiert sich für das Recht auf Abtreibung. 

Redaktion: Sandro Schroeder