Angriffe auf Rot-Kreuz-Mitarbeiter in Afghanistan

Die Helfer als Opfer

09.02.2017

Eigentlich ist das Rote Kreuz in Afghanistan, um der Bevölkerung zu helfen. Nach der Ermordung von sechs Helfern, legt es jetzt jedoch Teile seiner Arbeit nieder. Dabei steht es eigentlich als Hilfsorganisation unter besonderem Schutz.

Afghanistan ist vom Krieg zerrüttet. Explosionen, Missbrauch und Hinrichtungen gehören zum alltäglichen Leben. Die unschuldigen Zivilisten sind dabei meist die Opfer. In 2016 haben fast 11.500 Menschen bei den Kämpfen und Angriffen ihr Leben verloren.

Die roten Helfer in Afghanistan

Um den betroffenen Opfern zu helfen, sind mehr als 2.000 Helfer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Afghanistan. Diese besuchen unter anderem Häftlinge, Unterstützen Familien, deren Häuser zerstört wurden, oder stellen Zugänge zu Trinkwasser bereit.

Eigentlich stehen die Hilfsorganisationen zwischen den Konfliktparteien unter einem besonderen Schutz. Im vergangenen Jahr wurden aber auch sie vermehrt Opfer von gewalttätigen Übergriffen. Über 200 Angriffe auf Entwicklungs- und Nothelfer verschiedener Organisationen fanden im vergangenen Jahr statt. Davon hat man 15 getötet.

Überfall mit Folgen

Am Mittwoch dann der Schock: Sechs afghanische Helfer des IKRK sind wahrscheinlich von der Terrormiliz Islamischer Staat ermordet worden. Zwei weitere werden noch vermisst.

Als Folge dessen hat das Rote Kreuz beschlossen, erst einmal einige Arbeiten in Afghanistan niederzulegen. Zwar ist nicht geplant, nach mehr als 30 Jahren, Afghanistan ganz zu verlassen. Doch die Hilfsorganisation muss sich erst einmal wieder orientieren und bewerten, was der Angriff für zukünftige Einsätze bedeutet.

Die Schwere des Vorfalls zwingt uns, einen Schritt zurückzutreten. – Thomas Glass, Pressesprecher IKRK in Afghanistan

Geplant ist, die Arbeit bis kommenden Dienstag zu pausieren. Einzig die sieben orthopädischen Kliniken, die das Rote Kreuz über Afghanistan verteilt hat, bleiben weiterhin geöffnet.

Respekt vor Hilfsorganisationen

Menschen helfen, die in Not sind, ist dem Roten Kreuz immer noch am wichtigsten. Der Pressesprecher in Kabul, Thomas Glass, meint aber, die Konfliktparteien bringen ihnen nicht genügend Respekt entgegen. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Konrad Spremberg erklärt er, dass allen deutlich gemacht werden muss, dass sie als Hilfsorganisation unparteiisch und unabhängig sind.

Thomas GlassWir verlassen das Land nicht. Wir sind hier ununterbrochen seit 30 Jahren und wir werden so lange hier bleiben, wie humanitäre Hilfe benötigt wird.Thomas Glassist Rot-Kreuz-Helfer in Kabul, Afghanistan. 

Redaktion: Conny Poltersdorf