Antisemitismus an deutschen Schulen

Wenn "Jude" zum Schimpfwort wird

26.10.2017

Jüdische Schüler werden immer häufiger durch ihre Mitschüler verbal angegriffen. Ist der aktuelle Antisemitismus an deutschen Schulen ein neues Phänomen? Viele Beobachter fordern nun konkrete Schritte, um das Phänomen zu stoppen.

Antisemitismus, ein grundlegendes Problem?

Wenn sich ein jüdischer Schüler an einer Berliner Gesamtschule gezwungen sieht, aufgrund von Mobbing seine Schule zu verlassen, dann ist das leider kein Einzelfall. Antisemitismus ist an deutschen Schulen ein wachsendes Problem. Es beginnt mit Sticheleien, Beschimpfungen und endet im schlimmsten Fall mit körperlicher Gewalt. Für die Opfer können böse Worte eine große Wirkung entfalten, auch wenn diese nur nachgeplappert werden. Der oft unüberlegte Gebrauch von antisemitischen Beleidigungen legt die Frage nach dem „Warum?“ nahe. Inwieweit spiegeln Wortgefechte auf dem Schulhof ein gesamtgesellschaftliches Problem wieder?

Wir blicken auf eine lange Tradition zurück, die den Antisemitismus als ein aktuelles Phänomen „entbenannt“ hat. – Marina Chernivsky, Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment

Zweifelslos spielt das Elternhaus eine Rolle, aber auch Lehrer sind teilweise mit Vorurteilen behaftet. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass sich jüdische Schüler für die isrealische Identitätspolitik rechtfertigen müssen.

Was können wir dagegen tun?

Mit dieser Frage befasste sich eine Fachtagung, die diese Woche in Berlin stattfand. Organisiert wurde sie von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. Antirassistische Maßnahmen und Programme, wie zum Beispiel Workshops, existieren bereits. Es besteht jedoch die Forderung, diese weiter auszubauen. Als Strategie schlägt Marina Chernivsky, die Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment, einen ganzheitlichen Ansatz vor. So sollen alle Menschen, die an einer Schule lernen und arbeiten, besser ausgebildet und für Antisemitismus sensibilisiert werden. Damit verbunden ist auch ein Appell an die Politik, gezielte Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung zu stellen.

Die Schule ist ein Ort an dem diese antisemitischen Narrative auf jeden Fall zum tragen kommen. – Marina Chernivsky

detektor.fm- Moderatorin Doris Hellpoldt hat mit Marina Chernivsky, der Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment, über Antisemitismus an deutschen Schulen gesprochen.

Redaktion: Lara-Lena Gödde