Berlin | Auflagen für foodsharing

Lebensmittel retten verboten?

31.05.2016

Die Initiative Foodsharing e.V. hat sich in Deutschland mittlerweile einen Namen gemacht. Das Projekt setzt sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln ein. Ihr wichtigstes Instrument sind die sogenannten Fair-Teiler. Die Berliner Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz will nun strengere Auflagen für diese öffentlichen Essensregale durchsetzen – mit großen Folgen für die Initiative.

Sogenannte Fair-Teiler sind in Deutschland nichts ungewöhnliches mehr. Dabei handelt es sich um öffentliche Regale oder Körbe, in denen die selbsternannten Foodsaver nicht mehr benötigte Lebensmittel ablegen können – andere holen sich die Leckereien anschließend kostenlos und unkompliziert ab. Foodsharing nennt man das.

Ärger in Berlin

Angefangen hat das Projekt 2012 in Berlin. Zunächst als lebensmittelretten.de, dann unter dem Namen foodsharing e.V. Doch gerade in der Geburtsstadt, dem eigentlich doch recht alternativen Berlin, gibt es nun Ärger an der Lebensmittelretterfront.

Die entscheidenden Auflagen sind die, wo es darum geht, dass wir eine Dokumentationspflicht erfüllen sollen. Dazu wären wir einfach nicht in der Lage. – Frank Bowinkelmann von foodsharing e.V.

Foodsharing in ganz Deutschland

Zweck des Projektes sei es vor allem, gegen Lebensmittelverschwendung anzukämpfen. Natürlich soll mit den Essensspenden auch Bedürftigen geholfen werden, allerdings sei der Anspruch auf die Ware nicht an Not gebunden. Jeder soll sich ohne schlechtes Gewissen bedienen können. Die Gründe für die neuen Regeln seien für die Initiatoren kaum nachvollziehbar.

Mittlerweile sind es in ganz Deutschland über 350 Fairteiler und bis jetzt liegt uns nicht eine einzige Beschwerde vor, dass sich irgendjemand den Magen verrenkt hätte. – Frank Bowinkelmann

Gegen Verschwendung international

International geht es vorwärts im Kampf gegen die Verschwendung. Länder wie Frankreich verbieten Supermärkten, Lebensmittel wegzuschmeißen, und Containern ist auch außerhalb Deutschlands verbreitet.

Nur in Berlin scheint die Zeit momentan still zu stehen. Die Behörden begründen ihre Entscheidung damit, dass sie Verbraucher vor Keimen und Bakterien schützen wollen. Die Aktivisten von foodsharing.de bezweifeln diese Motive.

Die Fairteiler sind quasi von der Schließung bedroht. Wir hoffen aber immer noch, dass eine Kompromisslösung gefunden werden kann. – Frank Bowinkelmann

Über die neuen Anforderungen an die Fairteiler hat detektor.fm-Moderatorin Sara Steinert mit Frank Bowinkelmann von foodsharing.de gesprochen.

Bowinkelmann2 CDDas ist ja das Verrückte: dass die Bundesregierung uns im Grunde genommen unterstützt und dass in Berlin aber die Politiker gar nicht mitbekommen, dass der Zug politisch längst weitergefahren ist.Frank Bowinkelmannist Vorstandsvorsitzender der Initiative foodsharing e.V. 

Redaktion: Ines Gerber