Riester-Rente – ein gescheitertes Modell?

Risse im Säulensystem

01.03.2016

Die Riester-Rente ist als die "größte Sozialreform der Nachkriegszeit" bezeichnet worden. Die staatlich geförderte Zusatzvorsorge sollte besonders Gering- und Normalverdienern bei der Altersvorsorge helfen – gilt aber mittlerweile als gescheitert. Doch was kommt nach der Riester-Rente?

Was dem einen die Horrorfilme, sind dem anderen seine Rentenbescheide. Oft fallen die zu erwartenden Rentenzahlungen erschreckend gering aus. Eigentlich sollte in solchen Fällen die betriebliche Rente und die Riester-Rente als zusätzliche Vorsorgemaßnahmen den nötigen Ausgleich schaffen.

Der ehemalige Arbeitsminister und Namensgeber Walter Riester war sich damals sicher: Die Bevölkerung steht vor der „größten Sozialreform der Nachkriegszeit“. Ziel war es, mehr Rente als nach altem Recht zu garantieren.

Riester-Rente ist gescheitert

Die kapitalgedeckten Säulen des Alterssicherungssystems bröckeln. Betriebliche Rente und Riester-Rente sollten vor 15 Jahren die ansteigenden Defizite in der Rentenkasse ausgleichen. Doch Kritiker sehen die Riester-Rente mittlerweile sogar als Ursache für die ansteigende Altersarmut, die sie verhindern sollte.

Schätzungsweise 25 Milliarden Euro hat der Staat für die Arbeitnehmer zur Verfügung gestellt, die bis zu vier Prozent ihres Einkommens in private Rentenfonds einzahlen. Doch entgegen der Prognosen der Wirtschaftspolitiker konnte die Riester-Rente ihrer Aufgabe nicht gerecht werden.

Als sozialpolitisches Instrument ist die Riester-Rente schon gescheitert. Einfach auch, weil man gar nicht so viele Menschen erreicht, wie man erreichen müsste. – Katharina Henrich, Redakteurin bei Stiftung Warentest

Reform der Rentenreform?

Die Kritikpunkte an der Riester-Rente scheinen ihr Scheitern zu belegen: intransparente Verträge, überteuerte Versicherungsabschlüsse, hohe Verwaltungskosten und die aktuellen Probleme durch die Niedrigzinspolitik. All das hat eine tiefe Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der Rentenreform gerissen. Ökonomen fordern nun vermehrt neue Alternativen.

Ich denke, die Riester-Rente war einfach zu unattraktiv. Allerdings nicht aus Rendite-Sicht, sondern für den einzelnen Verbraucher hat der Riester-Wettbewerb einfach überhaupt nicht funktioniert. – Katharina Henrich

Die Riester-Rente könnte durch die Deutschland-Rente abgelöst werden. Ähnlich wie beim Vorsorgekonto soll der Staat selbst aktiv in den Wettbewerb eingreifen und ein kostengünstiges Basisprodukt für die Altersvorsorge bereitstellen. Anders als bei der Riester-Rente soll die Deutschland-Rente allerdings obligatorisch für Arbeitnehmer werden.

Über die Riester-Rente und die aktuell diskutierten Alternativ-Vorschläge hat detektor.fm Moderator Alexander Hertel mit „Stiftung Warentest„-Redakteurin Katharina Henrich gesprochen.

Foto_Henrich_1 (2)Es spielen so viele Stellen bei der Riester-Rente mit. Und dieses Konstrukt ist aus meiner Sicht nicht wirklich massentauglich. Katharina Henrichist Finanzredakteurin bei Stiftung Warentest. 

Redaktion: Johanna Siegemund