Benachteiligung ausländischer Pflegekräfte

Gewollt und doch unerwünscht?

07.08.2018

Pflegekräfte mit Migrationshintergrund müssen in Deutschland ein höheres Arbeitspensum leisten. Teilweise werden sie auch rassistisch angegriffen. Was muss sich ändern, damit ausländisches Personal in deutschen Pflegeheimen willkommen ist?

Rassismus von Pflegebedürftigen

Pflegekräfte mit Migrationshintergrund werden in Deutschland benachteiligt. Eine Drei-Länder-Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass ausländisches Personal in Deutschland mehr unbezahlte Überstunden leistet und häufiger körperlich erschöpft ist. Zudem seien sie seltener an Absprachen mit Mitarbeitern oder Vorgesetzten beteiligt. Insgesamt wurden Befragungsdaten von 2.500 Beschäftigten aus Deutschland, Japan und Schweden gesammelt. In Deutschland gaben 15 Prozent der ausländischen Pflegekräfte an, Erfahrungen mit rassistischen Kommentaren gemacht zu haben.

Derzeit ist ein ganz großer Teil [an Pflegkräften], die bei uns tätig sind, als Spätaussiedler aus Russland, Kasachstan und Polen gekommen. – Prof. Hildegard Theobald, Autorin der Studie

Wir brauchen ausländische Pflegekräfte

In Deutschland fehlen bis zu 50.000 Pflegekräfte. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte im Juli an, gezielt Fachkräfte aus dem europäischen Ausland anwerben zu wollen. Zwar will Spahn mit seinem Sofortprogramm zum Pflegenotstand 13.000 neue Stellen schaffen, doch die Unbeliebtheit des Berufs erschwert es, offene Stellen zu besetzen. Schon jetzt haben 14 Prozent der stationären Pflegekräfte einen Migrationshintergrund. Hinzukommen elf Prozent in der ambulanten Pflege.

Ich denke, unser Hauptpunkt muss schon darin bestehen, dass wir hier versuchen, die Bedingungen zu verbessern, ansonsten sind wir auch nicht attraktiv für Pflegekräfte aus dem Ausland. Dann können natürlich Personen aus anderen Ländern noch etwas beitragen, aber es kann nicht die erste Strategie sein. – Hildegard Theobald

Schweden macht es vor

Studienautorin Hildegard Theobald hat auch die Pflegesysteme der untersuchten Länder verglichen. Während in Japan nur 0,5 Prozent der Pflegekräfte einen Migrationshintergrund haben, ist der Anteil ausländischen Personals in schwedischen Pflegeheimen mit dem in Deutschland übereinstimmend. Die Abneigung gegenüber ausländischen Pflegekräften konnte Theobald in Schweden allerdings nicht feststellen.

Es ist eben nicht ein Selbstläufer, dass ich jetzt Pflegekräfte integriere, die fangen dann an zu arbeiten und alles läuft ohne Fragen. Es muss de facto ein Stück begleitet werden und Probleme müssen auch aufgearbeitet werden. – Hildegard Theobald

Was muss sich ändern, damit Menschen mit Migrationshintergrund in der Pflege willkommen sind? Gesprochen hat darüber detektor.fm-Moderatorin Sara Steinert mit Hildegard Theobald, Autorin der Studie zum deutschen Pflegesystem.

Ausländisches PflegepersonalPflegekräfte, die bei uns keine Ausbildung gemacht haben, müssen viel häufiger Zimmer reinigen, obwohl sie eigentlich Pflegekräfte sind.Prof. Hildegard Theobaldist Autorin der Studie zum deutschen Pflegesystem. 

Redaktion: Yannic Walther