Bufdis statt Zivis: “In der Pflege haben wir erstmal ein Loch”

01.07.2011

Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht ist auch der Zivildienst erstmal Geschichte. Für gemeinnützige Einrichtungen heißt das: 90.000 Arbeitskräfte weniger. Kann der Bundesfreiwilligendienst für sie eine echte Alternative sein?

Über 50 Jahren lang mussten Wehrdienstverweigerer ihren Ersatzdienst als Zivi antreten. (© Nigel Treblin / ddp)

Der neue Bundesfreiwilligendienst läuft nur langsam an, für Pflegeeinrichtungen wird die zum Jahresbeginn angekündigte Aussetzung der Wehrpflicht eine ernsthafte Herausforderung. Wohlfahrtsverbände warnten in den letzten Tagen vor Pflegeengpässen und Personalmangel.

ist seit 1999 Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.Dr. Ulrich Schneiderist seit 1999 Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.  

Das Loch wird bleiben, bis sich der neue Freiwilligendienst etabliert hat. Im Moment können also bestimmte, sinnvolle Arbeiten nicht verrichtet werden

sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Parititätische Wohlfahrtsverbands Dr. Ulrich Schneider. Für viele Pflegebedürftige kann das vor allem ein Verlust an Lebensqualität bedeuten. Schneider hofft, in ein paar Jahren die Hälfte der Zivildienstplätze mit Freiwilligen besetzen zu können. Bis dahin sehen sich die Pflegeeinrichtungen gezwungen, in kürzester Zeit attraktive Arbeitsplätze zu schaffen.

Wir sprachen mit Ulrich Schneider darüber, was der Wegfall des Zivildienstes für die sozialen Einrichtungen in Deutschland allgemein bedeutet. 500.000 Menschen arbeiten in den Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, darunter waren jährlich auch 15.000 Zivildienstleistende.

ist CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Unterausschusses "Bürgerschaftliches Engagement".Markus Grübelist CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Unterausschusses "Bürgerschaftliches Engagement". 

„Der Bundesfreiwilligendienst wird den Zivildienst nicht ersetzen“

Über den heute gestarteten Bundesfreiwilligendienst soll die fehlenden Zivilidienstleistenden mit Freiwilligen ersetzt werden. Bislang haben sich jedoch nur für etwa zehn Prozent der 35.000 Plätze Ehrenamtliche gemeldet. Sind das Startschwierigkeiten oder muss das Konzept des Bundesfreiwilligendienstes grundlegend geändert werden? Das fragten wir den Vorsitzenden des Unterausschusses „Bürgerschaftliches Engagement“, Markus Grübel. Er hofft, dass in einem Jahr alle Plätze besetzt sein werden. Jedoch ist bei einem Freiwilligendienst, im Gegensatz zu einem Pflichtdienst, auch die Einrichtung gefordert:

Jetzt müssen diejenigen, die Einsatzstellen anbieten, auch attraktive Stellen schaffen. Gerade für ältere Menschen und für Frauen ergibt sich hier ein neues Engagementfeld

ist der CDU-Abgeordnete Grübel überzeugt.