Ernährungsminister fordert TÜV fürs Schulessen

Schmeckt nicht, gibt's nicht mehr

03.01.2017

Immer mehr Schüler essen mittags in der Schule. Doch Nudeln mit Tomatensauce und Matschspinat mit Kartoffelbrei war gestern. Zumindest wenn es nach Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) geht. Der fordert nämlich einen TÜV fürs Schulessen.

Chicken Nuggets, Pommes und zum Nachtisch Pudding. Obwohl die meisten Kinder das gerne essen, genießt Kantinenessen in der Regel einen schlechten Ruf. Im Gegensatz zum Vegan- und Bio-Hype an Uni-Mensen gibt es an Schulen oft nur Fertiggerichte. Da sich Ganztagsschulen bundesweit immer mehr durchsetzen, spielt es eine immer wichtigere Rolle, wie sich Kinder in der Schule ernähren.

Im heute veröffentlichten Ernährungsreport haben sich deshalb etwa 90 Prozent der Befragten für verbindliche Standards für Essen in Kitas und Schulen ausgesprochen. Um diese Standards durchzusetzen, fordert Bundesernährungs- und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU seit mehreren Jahren eine TÜV-Plakette für Schulessen.

Schulessen: Mal vom Koch, mal auf Rädern

Der Caterer-TÜV soll einheitliche und verbindliche Vorgaben für die Zulieferer festlegen. Bisher gibt es lediglich die Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Diese sind für die Schulen und ihre Versorger aber nicht verbindlich.

An manchen Schulen und Kindertagesstätten bereiten angestellte Köche das Essen zu, an anderen wird das Essen von der Großküche geliefert. Die Qualität kann sehr gut, aber auch sehr schlecht sein. Wer künftig für oder in einer Schule kochen will, soll also nachweisen, dass sein Essen gewissen Standards genügt.

Struktur und guter Wille vorhanden

Um das Zertifikat vergeben zu können, hat das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung bereits das Nationale Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) gegründet. Die Standards zu prüfen und Gütesiegel vergeben zu lassen, wird Geld Kosten und Bürokratie verursachen. Die Kosten für bessere Qualität lassen sich aber auch als Investition verstehen.

Wir haben so hohe Kosten durch Übergewicht und Fehlernährung. Da ist es doch eine unglaubliche Chance, Kindern in der Schule vernünftiges Essen beizubringen. – Dagmar von Cramm

Dagmar von Cramm ist sich sicher, dass Kosten durch die verbesserte Ernährung anderswo eingespart werden. Sie hat die Qualitätsstandards der DGE mitentwickelt und schreibt ein Kochbuch für Kinder. Was sich an Schulen und Kitas verbessern lässt und wie das TÜV-Siegel funktionieren kann, erklärt sie im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt.

portrait2014_2Gerade Kinder, die es zu Hause vielleicht nicht so leicht haben, für die verbessert das die Bildungschancen enorm.Dagmar von Crammsieht großes Potenzial in gutem Essen.