Commons-Bewegung

Das Ende des Geldes?

01.07.2016

Geld gegen Dienstleistung oder Ware – das Prinzip ist heute selbstverständlich. Die Commons-Bewegung setzt sich für ein komplett anderes Modell ein. Ein romantisches Hirngespinst oder die Gesellschaft der Zukunft?

Commons-Bewegung: Teilen ohne Geld

Schon lange gibt es die alte Idee der sogenannten Allmendewiese. Sie ist für alle zugänglich: Jeder Landwirt kann dort sein Vieh zum Weiden hinschicken. Noch heute gibt es solche geteilten Wiesen in den Schweizer und Bayerischen Alpen oder auf Gotland. Durchgesetzt hat sich das Modell nicht: Privatisierung führte zur Abgrenzung und zum Ausschluss.

Seit einigen Jahren wird das Thema wieder neu diskutiert und hat mit ,,Commons“ einen neuen Namen gefunden. Wissenschaftler wie der Ökonom Jeremy Rifkin fordern die Gesellschaft zum Umdenken auf nicht nur in der Landwirtschaft, sondern grundsätzlich:

Dieses direkte „auf ein Nehmen folgt auch ein Geben“ gilt es zu überwinden. – Silke Helfrich, Commons-Aktivistin

Die Idee: Eine Einzelperson gibt ihr Gut oder ihre Dienstleistung an die Gesellschaft und erwartet keine Gegenleistung, zumindest keine direkte in Form von Geld. Leben mehrere Einzelpersonen nach diesem Prinzip zusammen, ermöglicht die Gesellschaft den Austausch ganz ohne Geld.

Formen sind z. B. Umsonstläden, Fahrradverleihe oder die Online-Enzyklopädie Wikipedia, die Wissen als Allgemeingut teilt. Damit unterscheidet sich der Commons-Entwurf auch klar von der kommerziell getriebenen sharing economy des Silicon Valley.

„Commons muss man aktiv in die Welt bringen“

Aus der direkten Käufer-Verkäufer-Beziehung würde bei der Commensbewegung eine indirekte Beziehung zwischen Individuum und der gesamten Gesellschaft entstehen.

Commons muss man aktiv in die Welt bringen. Man muss Regeln aushandeln und einhalten. Das haben wir nicht gelernt. – Silke Helfrich

Erste Versuche der Commons-Bewegung hat es bereits gegeben. In einer Berliner Praxis ist das Prinzip ,,Medizin für alle“ ausprobiert und nach drei Jahren als gescheitert beendet worden. Zu groß war die Belastung, die Spenden reichten nicht aus.

Über die Idee der Commons-Bewegung und wie alltagstauglich die ist, hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt mit Silke Helfrich gesprochen. Sie ist Herausgeberin des Buches ,,Commons Eine Politik jenseits von Markt und Staat“, das von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben wurde.

SilkeHelfrichPortrait-privatesBildTeilen, was leicht ist – produzieren, was schwer ist. Dadurch könnte man die Open-Source-Kosten drastisch verringern.Silke Helfrichhat das Buch "Commons" der grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben.