„Critical Mass“: Radeln für mehr Rechte

Unmut dank Schlupfloch: Rad-Protest auf der Straße

01.07.2015

"Wir sind der Verkehr": Unter diesem Motto radeln die Teilnehmer der "Critical Mass" durch die Innenstädte und wollen auf ihre Rechte als Radfahrer aufmerksam machen. Sie nutzen dabei ein Schlupfloch in der Straßenverkehrs-Ordnung - zum Unmut so einiger Autofahrer.

Symbolische Ausfahrt

Die Teilnehmer der „Critical Mass“ wollen auf die Rechte der Radfahrer im Straßenverkehr aufmerksam machen. Sie nutzen für ihre Aktion einen speziellen Paragrafen der Straßenverkehrsordnung: Große Gruppen zählen als geschlossener Verband, dürfen auf der Straße fahren und werden wie ein Fahrzeug behandelt. Man könnte auch sagen: die große Masse hat ein kleines Schlupfloch gefunden.

Die Folge: Fährt der erste Radler über die grüne Ampel, darf die gesamte Gruppe die Kreuzung passieren – selbst wenn die Ampel zwischenzeitlich auf Rot schaltet. Bei einigen Tausend Teilnehmern wie in Hamburg kann das dauern. Nicht jeder Autofahrer ist davon begeistert.

Critical Mass: „Wir sind der Verkehr.“

Die monatliche Critical Mass zeigt im Grunde, dass es viel Unmut gibt über die Bedingungen, die hier herrschen. – Martin Bill, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in Hamburg

Es ist umstritten, ob die Aktionsform als spontane Ausfahrt oder als anmeldepflichtige Demonstration zählt. Die Ausfahrten werden oft über Facebook-Gruppen organisiert. Teil des Konzepts ist auch, dass es keinen festen Organisator und keine feste Strecke gibt: Wer vorne fährt, bestimmt, wo es lang geht.

Radfahren gehört in den öffentlichen Raum – findet Martin Bill, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in Hamburg. Er spricht sich im Interview mit detektor.fm-Moderatorin Jennifer Stange für die „Critical Mass“ aus.

Critical_Mass_GRUENE_Martin_BillWas klar ist: Die Verteilung des öffentlichen Raums wird - so wie sie jetzt ist - nicht beibehalten werden können. Der Platz in der Stadt ist nunmal endlich.Martin Billist verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in Hamburg und spricht sich für die "Critical Mass" aus. 

Redaktion: Sandro Schroeder