DDR-Volkskammerwahl vor 25 Jahren

Markus Meckel zu 1990: "Ein großes Geschenk!"

18.03.2015

Es ist ein historischer Tag gewesen, der nicht nur in die Geschichte der DDR eingehen, sondern diese auch besiegeln sollte. Heute vor 25 Jahren ist die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik das erste und letzte Mal frei gewählt worden.

Historisch hohe Wahlbeteiligung 1990

Nachdem die Mauer wenige Monate zuvor gefallen ist, haben am 18. März 1990 insgesamt 12,4 Millionen wahlberechtigte DDR-Bürger ihre Stimme abgeben können. Dieses Mal hatten sie sogar eine „echte“ Auswahl zwischen 19 Parteien und fünf Listen. Darunter befand sich auch die ehemalige SED, die im neuen Gewand (Partei des Demokratischen Sozialismus, PDS) mit einem erheblichen Mitgliederschwund zu kämpfen hatte.

Ursprünglich ist die Wahl für den Mai vorgesehen gewesen, dann aber von der Übergangsregierung um Hans Modrow (SED/PDS) und Oppositionsvertretern am Runden Tisch vorverlegt worden. Zu der Zeit war nicht abzusehen, wie lange die DDR angesichts massiver wirtschaftlicher Probleme und der unsicheren politischen Lage Bestand haben würde. Die Wahlbeteiligung am 18. März betrug schließlich historisch hohe 93,4 Prozent.

DDR-Volkskammerwahl: Hilfe aus dem Westen

Die neue Volkskammer mit 400 Abgeordneten sollte eigentlich für vier Jahre gewählt werden. Eine Fünf-Prozent-Hürde, wie sie heutzutage üblich ist, hat 1990 nicht gegeben. Die Währungsunion und die Einheit mit der BRD sind im Wahlkampf die zentralen Themen gewesen. Es ging darum, die Menschen für eine Zukunft im eigenen Land zu begeistern, denn seit dem Mauerfall wanderten immer mehr DDR-Bürger in die alten Bundesländer ab. Möglich wurde die erste freie, geheime, gleiche, direkte und allgemeine Wahl durch ein neues Wahlgesetz, dass erst im Februar 1990 beschlossen worden war. Den teilweise noch im Aufbau befindlichen Parteien war es erlaubt, sich Wahlkampfhilfe aus dem Westen zu besorgen. So kam Bundeskanzler Helmut Kohl zu verschiedenen Veranstaltungen in den Osten des Landes. Auf Seiten der SPD unterstützen Oscar Lafontaine und Willy Brandt die Schwesterpartei im Osten.

Zwischen Euphorie und Furcht

Es ist eine aufregende, von Umstürzen gekennzeichnete Zeit gewesen. Schlussendlich hat sich die Blockpartei CDU mit deutlichem Vorsprung durchgesetzt. Ihr Spitzenkandidat Lothar de Maizière wurde Ministerpräsident. Die Bürgerrechtler, die sich im Bündnis 90 organisiert hatten, kamen weit abgeschlagen auf gerade einmal 2,9 Prozent. Die Sozialdemokraten landeten entgegen vorheriger Prognosen bei nur 22 Prozent der Stimmen. Und als wäre das nicht genug, ist nach der Wahl bekannt geworden, dass ihr Spitzenkandidat, Ibrahim Böhme, inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen ist. Er musste von seinen Ämtern zurücktreten.

Welche Stimmung hat damals im Land geherrscht? Viele sind angesichts des demokratischen Umbruchs euphorisiert gewesen, andere ernüchtert, dass alles so schnell vorbei gewesen ist. Und viele hatten auch Angst, denn dieses kapitalitische System, dass da aus dem Westen auf sie zukam, war ihnen ja schon zu Schulzeiten als Schreckenszenario skizziert worden.

Einer, der 1990 aktiv dabei gewesen ist, ist Markus Meckel. Der heutige Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge war 1990 Minister für Auswärtige Angelegenheiten im ersten frei gewählten Regierungskabinett der DDR. Er gehört zu den Gründern der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP), die sich im Oktober 1989 formierte und später mit ihrer westdeutschen Schwesterpartei SPD fusionierte. Er hat seine Eindrücke aus dem Jahr 1990 mit detektor.fm-Moderatorin Maj Schweigler geteilt.

Markus Meckel_DDR Volkskammer_Dirk BleickerLetztlich haben die DDR-Bürger die Parteien gewählt, die sie als Partnerparteien von der Bundesregierung wahrgenommen haben.Markus Meckelspricht von einer "verhandelten Revolution". Foto: Dirk Bleicker 

Redaktion: Friederike Zörner