Deniz Yücel und Aslı Erdoğan erhalten Preis für Pressefreiheit

"Es ist eine lebensrettende Solidarität!"

06.10.2017

In der Türkei sind kritische Äußerungen für Journalisten gefährlich. Der "Preis für Freiheit und Zukunft der Medien" ehrt daher dieses Jahr den Mut und das Engagement der Journalisten, die trotz Repressionen nicht schweigen: Die Auszeichnung geht an Asli Erdogan und Deniz Yücel.

Preisträger: Deniz Yücel & Asli Erdoğan

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel ist in Deutschland mittlerweile die Symbolfigur für die türkische Medienrepression. Denn er sitzt seit dem 14. Februar 2017 wegen angeblicher terroristischer Propaganda und Volksverhetzung in einem türkischen Gefängnis. Konkret soll es dabei um zwei kritische Artikel Yücels zum Kurdenkonflikt und dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei gehen.

Auch Aslı Erdoğan, türkische Autorin und Menschenrechtsaktivistin, weiß, wie es ist, für kritisches Schreiben ins Gefängnis zu gehen. Sie wurde nach dem türkischen Putschversuch 2016 inhaftiert. Ein halbes Jahr verbrachte sie hinter Gittern.

Preis gegen das Vergessen

Für ihr kritisches Engagement sowie ihre schriftstellerische und journalistische Integrität haben Deniz Yücel und Asli Erdoğan nun in Leipzig den „Preis für Freiheit und Zukunft der Medien“ erhalten. Die Auszeichnung der Medienstiftung der Sparkasse ist mit 30.000 Euro dotiert. Es ist nicht der einzige Preis, den beide jeweils in den vergangenen Monaten erhalten haben.

Ich nehme diesen Preis symbolisch auch für diejenigen, die immer noch im Gefängnis sind. […] Für mich repräsentiert dieser Preis die Solidarität mit allen von uns, die zum Schweigen gebracht werden sollen. – Aslı Erdoğan, Autorin und Menschenrechtsaktivistin

Obwohl all diese Preise nichts an den Zuständen in der Türkei ändern, werfen sie ein Licht auf die Verhältnisse in der Türkei und das Thema Pressefreiheit. Außerdem sollen sie die Solidarität der europäischen Gemeinschaft mit den unterdrückten türkischen Journalisten und Oppositionellen zeigen. Die Auszeichnungen haben Aslı Erdoğan geholfen, ihren Pass wiederzubekommen. Denn obwohl die Verhandlungen zu ihrem Fall noch laufen, wurde ihr die Ausreise zu den Preisverleihungen genehmigt. Für Deniz Yücel hat seine Schwester Ilkay Yücel den Preis entgegengenommen.

Wenig Hoffnung auf Besserung

Die beiden Preisträger sind nicht die einzigen, die unter Repressionen des türkischen Staates leiden. Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 sind zehntausende Akademiker, Journalisten, Lehrer und Richter verhaftet worden.

Im Moment deutet leider nichts darauf hin, dass sich viel ändern würde in naher Zukunft. Aber wünschenswert ist es natürlich. – Ilkay Yücel, Schwester von Deniz Yücel

detektor.fm-Moderator Lars-Hendrik Setz hat mit Ilkay Yücel und Aslı Erdoğan über den Medienpreis, die Haft und die Türkei gesprochen.

Asli ErdoganSo viele von uns leiden unter Repressionen. Aber [die Preise] sind ein klares Signal an uns und die Regierung, dass es Solidarität mit uns gibt, dass den Menschen die Freiheit, sich auszudrücken, nicht egal ist und dass sie gewillt sind, mit uns dafür zu kämpfen. Es ist eine lebensrettende Solidarität.Asli Erdoganerhielt zusammen mit Deniz Yücel den Preis für Freiheit und Zukunft der Medien. 
Preis für Pressefreiheit Gespraech mit Ilkay Yuecel und Asli Erdogan

Redaktion: Eva-Josephine Weber