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Ein Mythos, der Menschen auf die Straße treibt: Auch auf Pegida-Demonstrationen wurde der Mythos von der Umvolkung verbreitet. Foto: Tobias Schwarz | AFP
Bild: Tobias Schwarz | AFP

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Was ist so gefährlich an der Ideologie vom Großen Austausch?

AfD-Politiker und rechtsradikale Terroristen berufen sich auf die Verschwörungstheorie von der Umvolkung. Was macht diesen Mythos so gefährlich?

Verschwörungsmythen sind lange Zeit ein randständiges Thema für Sonderlinge gewesen. Viele kommen irrtümlich daher: UFO-Sichtungen und esoterische Hochstaplerei. Doch durch die AfD und das Erstarken der Neuen Rechten finden Gedanken, die vormals ihren Platz in den eher absurden Ecken des Internets hatten, nun Eingang in die Politik. Dabei verweisen Begriffe wie „Umvolkung“ oder „Der große Austausch“ auf einen alten, rechtsradikalen Verschwörungsmythos.

In diesem Mythos wird behauptet, mächtige Eliten würden die Migration steuern, um die weiße Bevölkerung Europas durch Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten auszutauschen. Und AfD-Politiker wie Björn Höcke erzeugen für diese Erzählungen eine größere Öffentlichkeit.

„Umvolkung“ – ein populärer rechter Mythos

Der neue AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla hält den Begriff Umvolkung für unproblematisch. Doch Fakt ist: Der Mythos ist der ideologische Nährboden für Rechtsterroristen wie Stephan B. aus Halle oder den Attentäter von Christchurch. Die Mär von der angeblichen Umvolkung geistert schon länger durch den Kosmos rechter Verschwörungsgläubiger, wirkt aber auch darüber hinaus: Der ungarische Präsident Viktor Orbán zum Beispiel nimmt darauf Bezug und unterstellt den „Internationalisten“ aus der EU, sie würden gezielt die eigene Bevölkerung durch Geflüchtete austauschen.

Es gibt Verschwörungsmythen, die sich spontan in irgendwelchen Foren bilden. Aber es gibt auch Gruppen, die ein Interesse daran haben, Verschwörungsmythen zu verbreiten.

Sebastian Bartoschek, Psychologe

Sebastian Bartoschek, PsychologeFoto: Arik Platzek

Der Verschwörungsmythos als Propaganda

Viele, wenn nicht die meisten Verschwörungsmythen folgen der gleichen Struktur, so auch die Geschichte der vermeintlichen „Jüdischen Weltverschwörung„: Eine geheime Elite kontrolliere Weltfinanzen und Weltpolitik, dagegen müsse sich das geknechtete Volk zur Wehr setzen. Mit solchen Erzählungen haben schon die Nationalsozialisten Hetze betrieben. Aber auch heutige Rechtsextremisten nutzen Verschwörungstheorien für ihre Propaganda.

Die Identitäre Bewegung hat eine massive Kampagne rund um den Begriff eines angeblichen ‚Großen Austausches‘ gestartet.

Volker Weiß, Historiker

Volker Weiß, HistorikerFoto: Annette Hauschild

So auch beim Mythos von der angeblichen Umvolkung: Rechte Think-Tanks wie das „Institut für Staatspolitik“ und die Identitäre Bewegung sorgen gezielt dafür, dass sich diese Erzählung verbreitet. Wie dies genau geschehen ist und woher der Mythos ursprünglich kommt, das erfährt detektor.fm-Moderatorin Yvi Strüwing von dem Historiker Volker Weiß. Was Verschwörungsmythen im Allgemeinen so gefährlich macht, und wie man diesen gefährlichen Geschichten begegnen kann, darüber hat Redakteur Dominik Lenze mit dem Psychologen Sebastian Bartoschek und mit Melanie Hermann von der Amadeu-Antonio-Stiftung gesprochen. Was er erfahren hat, berichtet er im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop.

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