detectiv – Die Recherche-Serie | Recherche mit Bürgerbeteiligung

Mit Schwarmintelligenz Missstände aufzeigen

02.03.2017

Eine Recherche kann sich über Wochen und Monate erstrecken. Besonders problematisch wird es dann, wenn politische Institutionen zudem nur zögernd Informationen freigeben oder scheinbar nicht die richtigen verbreiten. Zum Beispiel beim Schul- und Bildungskonzept.

Eine Bürgerbeteiligung bei Recherchen wird dann notwendig, wenn ein Journalist selbst nicht alle Daten erheben kann zum Beispiel in Schulen. Das Land Nordrhein-Westfalen stellt bisher über Stichproben fest, wie viele Stunden ausfallen. Das Bildungsministerium hat daraus ermittelt, dass nicht einmal zwei von einhundert Unterrichtsstunden ersatzlos gestrichen werden mussten laut dem Ministerium eine sehr erfreuliche Statistik.

Mit Blick auf die Landtagswahlen in NRW im Mai wollte daher das gemeinnützige Recherchezentrum correctiv.org genauer nachforschen, ob das so wirklich stimmt. Es ist aber eine nahezu unmögliche Aufgabe, jede Schule in NRW auf ihre Unterrichtsstunden anzufragen und die zusammengetragenen Informationen auszuwerten. Aus diesem Grund bauen die Journalisten darauf, dass die Schüler und Lehrer mithelfen.

Bürgerbeteiligung per Crowd-Plattform

Das Recherchezentrum hat zusammen mit der Tageszeitung Ruhr-Nachrichten einen Newsroom aufgebaut, in dem sich Eltern, Schüler und auch Lehrer mit ihren Schulen anmelden und anonym die ausgefallenen Stunden eintragen können. Außerdem kann eingetragen werden, wie der Unterricht ersetzt wurde. Qualitativ mit Ersatzunterricht oder doch nur Filme schauen?

Unter unterrichtsausfall-check.de werden diese Daten gesammelt und von den Journalisten ausgewertet. Bisher erfasst die Datenbank jedoch nur Dortmunder Schulen. Die über 160 Schulen sollen stellvertretend für die Situation in NRW stehen.

Kommunikation und Werbung notwendig

Bereits einmal zuvor haben die Journalisten des Recherchezentrums eine solche Crowd-Recherche genutzt. Aus dieser Erfahrung heraus haben sie bewusst mit einer lokalen Zeitung zusammengearbeitet, um viele Haushalte zu erreichen. Außerdem haben die Journalisten Flyer verteilt und andere Medien kontaktiert, damit so viele Menschen wie möglich bei der Befragung teilnehmen.

Journalistische Sorgfaltspflicht

Innerhalb der Crowd-Recherche können alle angemeldeten User Feedback auf die einzelnen Daten geben. Ein grüner Daumen nach oben bestätigt, ein Daumen nach unten widerspricht einer Aussage. So entsteht eine zusätzliche Kontrolle. Außerdem kann jede Schule auf die eigenen Ergebnisse reagieren und hat laut Aussage der Journalisten die Möglichkeit, zu berichtigen, sollte es Fehler geben.

Einer der beteiligten correctiv.org-Journalisten Bastian Schlange hat mit detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer über das Projekt und den möglichen weiteren Nutzen der Crowd-Recherchen gesprochen.

Bastian SchlangeDie Bürgerbeteiligung im Journalismus könnte den nächsten Schritt darstellen, um Informationen besser zu erhalten.Bastian Schlangeist Journalist beim gemeinnützigen Recherchezentrum correctiv.org. 

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