Play
Zentraler Teil deutscher Erinnerungskultur: Das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Foto: Holocaust-Mahnmal, Berlin | Jean-Baptiste Bellet / flickr.com / CC BY 2.0

Erinnerungskultur im Wandel

#Unwissenheit

Im Internet werden Wehrmachtshelme verkauft und auf Instagram wird der Hashtag „arbeitmachtfrei“ für Büro-Selfies benutzt. Gleichzeitig ist eine Partei im Bundestag, deren Vertreter eine „erinnerungspolitische Wende“ wollen. Wie steht es um die Erinnerungskultur in Deutschland?

Nazi-Symbolik in der Öffentlichkeit

Der Mord an den europäischen Juden, der Holocaust, ist eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Deshalb beschäftigen deutsche Schüler sich im Unterricht intensiv mit dem Dritten Reich.

Da überrascht es, dass der Hashtag „#arbeitmachtfrei“ teilweise für glückliche Selfies benutzt wird und dass Wehrmachts-Devotionalien bei Amazon oder Real im Angebot sind. „Arbeit macht frei“ ist der Schriftzug über dem Vernichtungslager Auschwitz. Zuletzt sorgt außerdem eine Stickerei auf dem Sitzpolster eines sächsischen Polizeipanzers für Aufregung. Die erinnert stark an den Reichsadler aus der NS-Zeit.

Eine andere Sache ist es, wenn so etwas in einem staatlichen Raum passiert, so wie es in Sachsen mit diesem Polizeipanzer passiert ist. Da haben Angestellte des Staates die Verantwortung und die müssen verhindern, dass so etwas passiert. – Christoph Classen, Historiker

https://www.instagram.com/p/BcaNUZTgSCV/

Erinnerungskultur wird angegriffen

Wenn Privatpersonen solche Dinge aus Unwissenheit passieren ist das eine Sache. Anders ist es, wenn Geschichte sogar umgedeutet werden soll. Das haben Politiker der AfD vermehrt gefordert.

Kollektives Gedächtnis im Wandel

Das kollektive Gedächtnis verändert sich, vor allem jetzt, wo die letzten Zeitzeugen der NS-Zeit sterben. Dabei lohnt es sich im Hinterkopf zu behalten, dass der Holocaust nicht immer ein zentraler Teil der Erinnerungskultur war. Erst durch die amerikanische TV-Serie „Holocaust“ kam Ende der 70er Jahre in der Bundesrepublik eine neue Diskussion um die Verbrechen auf.

Diese größere Sensibilität gegenüber bestimmten Begriffen, die von den Nazis geprägt worden sind, die setzt eigentlich erst in den 80er und 90er Jahren ein. Erinnerungskultur ist immer ein dynamischer Prozess. – Christoph Classen

Wie sich die deutsche Erinnerungskultur verändert und wie man ein Bewusstsein für NS-Wortwahl schaffen kann, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt mit dem Historiker Christoph Classen gesprochen. Er leitet am Zentrum für Zeithistorische Forschung das Projekt „Zeitgeschichte der Medien- und Informationsgesellschaft“.

Ein Mittel dagegen ist die Skandalisierung. In dem Moment, wenn Nazi-Begriffe verwendet werden und es einen öffentlichen Aufschrei gibt, wird ein Bewusstsein geschaffen. Und Leute die das vorher nicht wussten, merken: Das sollte ich vielleicht nicht benutzen, denn das steht in Auschwitz über dem Eingangstor.Christoph Classen
Deutsche Erinnerungskultur im Wandel 08:46

Redaktion: Rewert Hoffer

Volles Programm, (aber) null Banner-Werbung

Seit 2009 arbeiten wir bei detektor.fm an der digitalen Zukunft des Radios in Deutschland. Mit unserem Podcast-Radio wollen wir dir authentische Geschichten und hochwertige Inhalte bieten. Du möchtest unsere Themen ohne Banner entdecken? Dann melde dich einmalig an — eingeloggt bekommst du keine Banner-Werbung mehr angezeigt. Danke!

detektor.fm unterstützen

Weg mit der Banner-Werbung?

Als kostenlos zugängliches, unabhängiges Podcast-Radio brauchen wir eure Unterstützung! Die einfachste Form ist eine Anmeldung mit euer Mailadresse auf unserer Webseite. Eingeloggt blenden wir für euch die Bannerwerbung aus. Ihr helft uns schon mit der Anmeldung, das Podcast-Radio detektor.fm weiterzuentwickeln und noch besser zu werden.

Unterstützt uns, in dem ihr euch anmeldet!

Ja, ich will!

Ihr entscheidet!

Keine Lust auf Werbung und Tracking? Dann loggt euch einmalig mit eurer Mailadresse ein. Dann bekommt ihr unsere Inhalte ohne Bannerwerbung.

Einloggen