Dialekt schützen, aber wie?

A bissle mehr Dialekt, bitte!

26.09.2016

Schnitte, Stulle, Bemme – alle diese Wörter meinen dasselbe: Butterbrot. Und dennoch benutzt man überall in Deutschland dafür ein anderes Wort. Dialekte sind in Deutschland weit verbreitet, aber werden von immer weniger Menschen gesprochen. Sprachwissenschaftler befürchten ein Aussterben der Dialekte. Zurecht?

Personen, die einen Dialekt sprechen, lernen heutzutage in der Schule auch Hochdeutsch. Häufig wird sich nur noch innerhalb der Familie oder des Dorfes im Dialekt verständigt. Auf der Arbeit und außerhalb dieses kleinen Kreises wird auf das Hochdeutsche zurückgegriffen.

Diese Entwicklung hat auch dafür gesorgt, dass Dialekte aus dem Alltag verschwinden. Kinder müssen in der Schule verstanden werden und sollen auch im späteren Leben wegen ihrer Aussprache keine Probleme bekommen.

Darum verschwinden Dialekte

Sprachforscher sehen die Dialektvielfalt in Deutschland bedroht. Dialektforscher Sebastian Kürschner findet: Zwar würden viele Menschen auch in Zukunft Dialekte sprechen, aber lokale Dialekte werden sich immer weiter angleichen und irgendwann verschwinden.

Urbanisierung, Mobilität spielen sicher mit rein, aber auch die starken Massenmedien, die die Standardsprache sehr stark verbreiten. Daneben muss man bedenken, dass Sprachen mit sozialen Werten versehen sind und in Deutschland haben wir eine starke Standardideologie. – Sebastian Kürschner, Dialektforscher an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Zudem sieht Kürschner in der Schule einen Grund für das Verschwinden von Dialekten. Die standardisierte Schriftsprache spielt hier eine große Rolle, deshalb sprechen immer mehr junge Leute nur noch Hochdeutsch.

Dialekt fördern?

Damit Dialekte nicht aussterben, bieten Schulen in Bundesländern wie Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg Kurse an, um Kinder gezielt in der regionalen Mundart zu unterrichten. Im Gegensatz zu früher sehen Lehrkräfte heute im Dialekt eine Bereicherung, denn Dialekt hat nicht nur eine identitätsstiftende Funktion. Studien von Hirnforschern haben ergeben, dass bei Kindern, die Dialekte beherrschen, das Sprachzentrum im Gehirn stärker ausgebildet ist.

Dialekt hat viel mit regionaler Kultur zu tun. Und wenn die spezielle Ausdrucksweise einer Region wegfällt, geht damit natürlich auch ein Teil der regionalen Kultur verloren. – Sebastian Kürschner

Warum verschwinden Dialekte und wie können diese geschützt werden? Darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit dem Dialektforscher Sebastian Kürschner gesprochen.

Dialekte wandeln sich und unterliegen einer Neustrukturierung, aber es sind Anzeichen da, das wir es zumindest auf regionaler Ebene weiterhin mit dialektischen Variationen zu tun haben werden. Ganz verschwinden werden sie bestimmt nicht. Prof. Dr. Sebastian Kürschnerist Dialektforscher an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 

Redaktion: Linh Pham